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Sentin im Startup-Interview: Machine Learning Methoden für Jedermann

Gründerteam sentin
Das Gründerteam von sentin aus Bochum (Foto: start2grow/Wirtschaftsförderung Dortmund)

Data Science-Startup Sentin aus Bochum im Gründer-Interview

Sentin ist ein junges Data-Science-Startup aus Bochum, das noch mitten in der Entwicklung seines Produktes steckt. Trotzdem sind die vier Gründer, Kai Lichtenberg, Arkadius Gombos, Christian Els, Maximilian Topp, schon sehr aktiv in der Gründerszene Ruhr unterwegs, online wie offline.

Hören wir uns doch mal an, was die Jungs so vorhaben, wie sie sich zu viert schon mit ihrem Startup finanzieren können, welche Hürden sie gemeistert und welche Erfolge sie schon gefeiert haben.

Darüber habe ich mich mit Arkadius im Interview unterhalten.


Was ist die Geschäftsidee hinter sentin?

Wir entwickeln eine Software zur Auswertung von Industriedaten. Unsere Software sentin.ai soll den Anwender dazu befähigen, moderne Machine Learning Methoden anwenden zu können, und das ohne Experte im Bereich Data Science zu sein oder programmieren zu können.

„Unsere Software sentin.ai soll den Anwender dazu befähigen, moderne Machine Learning Methoden anwenden zu können ohne Experte im Bereich Data Science zu sein.“
So sollen z.B. Fertigungsingenieure selbstständig ihre Prozesse optimieren, wie beispielsweise durch Anomalie-Erkennung oder Minimierung von Produktionsausschuss.

Wir geben ihm dabei das nötige Werkzeug an die Hand, um die Datenanalyse zu machen. Er selbst soll dann mit seinem Expertenwissen die richtigen Entscheidungen und Maßnahmen über seine Maschinen ableiten können.

Wir selbst haben bereits viele Jahre in der Industrie gearbeitet und uns dort mit der Analyse von Maschinendaten beschäftigt. Jetzt möchten wir diese Erfahrung in unsere Software stecken.

Wie ist die Idee entstanden und was hat Euch dazu bewogen, daraus ein Unternehmen zu gründen?

Bei uns war es nicht so, dass wir zuerst eine gute Geschäftsidee hatten und uns dann überlegt haben, damit ein Startup zu gründen. Stattdessen hatten wir von Anfang den Wunsch, uns gemeinsam in die Selbstständigkeit zu stürzen.

„Wir hatten von Anfang den Wunsch, uns gemeinsam in die Selbstständigkeit zu stürzen.“
Da wir fachlich die notwendigen Kompetenzen für Data-Science und Software-Entwicklung im Gepäck haben, war die Marschroute ziemlich früh klar für uns.

Die konkrete Geschäftsidee haben wir dann systematisch erarbeitet und umfangreiche Marktrecherche und Wettbewerbsanalysen gemacht, bis wir eine genaue Vorstellung von unserem Produkt hatten.

Wer sind Eure Kunden und wie verdient Ihr mit Eurer Idee Geld?

Unsere Kunden sind sowohl mittelständische Maschinenbauunternehmen mit Produktionsdaten, als auch Datenintegrationsdienstleister und Softwareunternehmen, die sich damit beschäftigen, Unternehmensdaten, wie Betriebs- oder Geschäftsdaten, zu vernetzen und hierfür einen Partner für den Analytics-Teil suchen.

Unsere Software besteht zum einen aus einem Basismodul, das zur ersten Datenexploration mit umfangreichen Visualisierungsmöglichkeiten nutzbar ist. In unserem Zusatzmodul bieten wir Workflows an, wo ganz konkrete Probleme wie z.B. Ausschussreduzierung adressiert werden. Dabei wird der User durch die einzelnen Schritte, angefangen beim Data-Cleaning, bis hin zu der Ergebnisanalyse durchgeführt.

Sentin.ai kann sowohl für Basis-, als auch für die Zusatzmodule durch eine Jahreslizenz erworben werden. Darüber möchten wir auch unser Geld verdienen.

Wer gehört zum Team und wie habt Ihr Euch gefunden?

„Wir funktionieren als Team sehr gut, obwohl wir von unseren Fähigkeiten her extrem unterschiedlich sind.“
Wir sind ein vierköpfiges Gründerteam und haben uns durch die Arbeit in der Industrie kennengelernt, wo wir in dieser Konstellation mehrere Jahre gemeinsam beschäftigt waren.

Daher wussten wir, dass wir als Team funktionieren, obwohl wir von unseren Fähigkeiten her extrem unterschiedlich sind. So beschäftigen wir uns mit den Themen Geschäftsmodell-Entwicklung, Software-Entwicklung, Maschinenbau und natürlich Data-Science.

Wir alle sind jedoch große Technologie-Enthusiasten und können uns schnell in andere Domänen einarbeiten und uns darüber gemeinsam austauschen.

Wie finanziert Ihr Euch in der Anfangszeit?

Derzeit nehmen wir am Programm Start-up Hochschulausgründung teil und können uns darüber finanzieren.

„Das Programm Start-up Hochschulausgründung gibt uns die Möglichkeit, uns vollständig auf die Produktentwicklung zu konzentrierteren.“
Das Programm zielt auf einen Forschungstransfer aus dem Hochschulumfeld ab. Geschäftsideen, die einen wissenschaftlichen und technologischen Kontext haben, werden hier gefördert.

Das gibt uns die Möglichkeit, uns vollständig auf die Produktentwicklung zu konzentrierteren und unsere Kunden und den Markt besser zu verstehen.

Wo steht Ihr gerade, was habt Ihr schon erreicht?

Technologisch entwickeln wir unter Hochdruck unsere Software und können bereits auf ein leistungsstarkes Backend für die Datenanalyse zurückgreifen.

Jetzt geht es um die Weiterentwicklung des Frontends. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, da im Frontend sowohl das Domänenwissen des Anwenders, als auch das Data-Science Wissen zusammen kommen.

Aktuell erarbeiten wir unsere Ideen als erste Mockups, um schnelles Feedback vom Kunden zu bekommen, speziell was die Anwendbarkeit unserer Lösung betrifft.

Diese Entwicklung soll so kundennah wie möglich entstehen. Hierzu führen wir momentan viele Gespräche mit interessierten Partner. Das erste Kundenprojekt steht auch vor der Tür.

Was war bisher die größte Hürde auf Eurem Gründungsweg und wie habt Ihr sie gemeistert?

Die größte Hürde war die Klärung der Finanzierungsfrage und die damit zusammenhängenden Umfänge für die Antragstellung am Start-up Hochschulprogramm.

Zu der Zeit waren wir noch in einem normalen Angestelltenverhältnis beschäftigt und haben jeden Tag nach Feierabend die Antragsunterlagen ausgearbeitet.

Glücklicherweise konnten wir uns diesen Aufwand aufteilen und haben gemeinsam Stück für Stück alles rechtzeitig fertigstellen können.

Was treibt Euch an, Euch jeden Morgen aufs Neue ins Startup-Life zu stürzen?

Unsere größte Motivation ist die positive Dynamik und die hohe Geschwindigkeit im Startup. Wenig Meetings, keine zähen Prozesse oder andere unnötige Aufgaben.

„Unsere größte Motivation ist die positive Dynamik und die hohe Geschwindigkeit im Startup.“
Aus unserer Industriezeit kennen wir die Vor- und Nachteile, in einem Konzern zu arbeiten. Es ist extrem positiv von Tag zu Tag mitzuerleben, wie unser Vorhaben immer weiter wächst.

Wir können für uns viel schneller Erfolge festhalten und diese auch immer angemessen feiern. Die vielen tollen Kontakte und das großartige Feedback aus dem Umfeld sind auch eine gute Motivation.

Was steht demnächst bei Euch an, was sind Eure nächsten Meilensteine?

Unser nächster großer Meilenstein in diesem Jahr ist die Vervollständigung unseres MVPs, welches mit ausgewählten Kunden getestet werden soll.

Die Hannover-Messe im April, wo wir mit einem eigenen Stand am Start sind, wird uns helfen, weitere Kundengespräche zu führen.

Darüber hinaus freuen wir uns schon auf die Teilnahme am Accelerator Programm vom digihub.

Ihr seid viel in der Gründerszene Ruhr unterwegs. Wie schätzt Ihr ihr Potenzial ein?

Viele Startups im Ruhrgebiet entwickeln Produkte und Dienstleistung mit hohem Technologie- und Innovationsgrad.

Hier besteht ein großes Potential langfristige Unternehmen aufzubauen und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Dabei ist die hohe Universitätsdichte im Ruhrgebiet ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor.

Was die Gründer im Ruhrgebiet jedoch auszeichnet, ist ihre Bodenständigkeit, die sich sowohl bei etablierten, als auch bei jungen Startups bemerkbar macht und man sich gegenseitig unterstützt.

Der RuhrSummit hat gezeigt, dass sich ein zunehmend öffentliches Interesse an der Startup Szene im Ruhrgebiet entwickelt. Es finden sehr viele Veranstaltungen zum Austausch und zur Weiterbildung statt.

Es macht momentan sehr viel Spaß daran teilzuhaben.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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Geschrieben von Carmen Radeck