Gründer und Startups

WeeGee! – Neben dem Agenturgeschäft eigene Startup Ideen entwickeln

WeeGee-Gründer entwickeln ihre Startup Ideen neben ihrem Agenturgeschäft

Zwei der drei WeeGee!-Gründer in ihrem Büro in Dortmund: Matthäus Schmedding (l.) und Daniel Timmermann (Foto: Carmen Radeck)

Neben Kundenaufträgen eigene Startup Ideen entwickeln

Ich treffe Daniel Timmermann und Matthäus Schmedding, zwei der Gründer von WeeGee, in ihrem Büro im Work Inn City. Kurz nachdem sie dort ein Zweierbüro bezogen hatten, wechselten sie gleich in das zweitgrößte Büro des Coworking Spaces.

Das Team wächst zur Zeit stetig, weil es nicht nur mit der IT- und Marketing-Agentur 7P.konzepte gut läuft, sondern auch mit den eigenen Projekten.

Neben Ihrem Agenturgeschäft nimmt sich das Team immer auch die Zeit, eigene Startup Ideen zu entwickeln, zu testen und wenn’s eine gute Idee ist, diese voranzutreiben.

Mit ihrem Projekt WeeGee!, einer App, die für WGs die Suche nach Mitbewohnern einfacher macht, hat es das Team beim letzten start2grow-Wettbewerb unter die Top Ten geschafft und ist gerade mit Investoren im Gespräch.

Im Interview erzählen Daniel und Matthäus die Story hinter WeeGee!.

Außerdem erfahrt Ihr:

  • wie das Team es schafft, neben dem Agenturgeschäft eigene Startup Ideen zu entwickeln
  • mit welchen Tools das Team arbeitet
  • welche Erfahrungen Daniel und Matthäus bei ihrem ersten Investoren-Pitch gemacht haben
  • welche Marketingstrategie das Team für den ersten Markttest verfolgt.

Mit Eurem Startup-Projekt WeeGee habt Ihr es nicht nur unter die Top Ten bei start2grow geschafft, Ihr seid auch mit Investoren im Gespräch. Was ist die Idee hinter WeeGee?

Daniel: WeeGee! ist die Matching-App für die WG-Suche. Sie funktioniert nach dem Swipe-Prinzip, was man u. a. auch von Tinder kennt. Wir matchen also WGs und WG-Suchende.

Auf Basis der Profile und Suchkriterien schauen wir, wer zu wem am besten passt. Die Nutzer können spontan entscheiden, ob das Gegenüber sympathisch ist oder nicht.

Wenn sich beide füreinander entschieden haben, besteht die Möglichkeit, in Kontakt zu treten, ob als Chat über die App, Whatsapp oder einfach per Telefon.

Wie kam es zu der Idee?

Daniel: Der Hintergrund zur Idee ist, dass Niklas Meijerink, unser dritter Mitgründer, für seine WG in Münster einen Mitbewohner suchen und den ganzen Aufwand drumherum mitmachen musste.

Er hat gefühlt 143 Anschreiben bekommen und musste diese dann filtern. An zwei Wochenenden hat er sich Bewerber in die WG eingeladen. Bei manchen passte es, bei anderen überhaupt nicht.

Dann sagte er sich, es wäre cool wenn man das vorher schon ein besser filtern könnte, dass man quasi das Tinder-Prinzip darauf anwenden könnte.

Gestartet haben wir mit dem Projekt vor ungefähr eineinhalb Jahren, da war ich noch im Angestelltenverhältnis. Wir haben erst ein bisschen rumgesponnen, dann haben wir einen Businessplan geschrieben.

Anfang 2016 habe ich mich mit 7P.marketing selbstständig gemacht, habe Matthäus kennengelernt und so hat es dann so richtig Fahrt aufgenommen.

Matthäus: Das ganze basiert ein bisschen auf meiner Dissertation. Ich bin immer noch externer Doktorand erst an der TU Dortmund, jetzt an der Fernuni Hagen.

Für die Dissertation habe ich ein Empfehlungssystem gebaut, das erst für Produkte gedacht war, genauer gesagt für Schuhe. Als ich dann Daniel kennengelernt habe, haben wir uns entschieden, uns auf die WG-Idee zu fokussieren.

Zum einen weil der Markt da ist, zum anderen ist der Anwendungsfall sehr greifend, man sieht sofort die Vorteile für die Zielgruppe.

Wo steht Ihr mit WeeGee gerade und was sind die nächsten Schritte?

Matthäus: Im Dezember 2016 haben wir gestartet. Da habe ich einen Prototypen gebaut, der schon relativ funktional ist. Es gibt eine erste Version im AppStore und Google Play Store, man kann WeeGee also schon nutzen. Alle zwei bis drei Wochen stellen wir Aktualisierungen live.

Daniel: Einen ersten Markttest haben wir für Münster gestartet, Dortmund und Bochum folgen diese Woche. Unter anderem mit dem Preisgeld von start2grow und Kooperationspartnern, die wir dafür gewinnen konnten.

Mit dem Markttest wollen wir im Kleinen schauen, ob’s funktioniert, was es uns kostet, Nutzer zu generieren, was wir auch mit dem Nutzer verdienen können, ob das Matching klappt, die App gut funktioniert und um erste Erfahrungswerte zu sammeln.

Ziel ist, im Wintersemester 2017/18 deutschlandweit an den Markt zu gehen.

Dafür sind wir bereits in sehr guten Gesprächen mit Investoren. Wir wollen uns auf die zehn absolut und die zehn relativ größten Studentenstädte konzentrieren. Das sind dann zwanzig Städte mit knapp einer Million Studenten.

Dafür brauchen wir schon ein relativ großes Marketingbudget.

So sehen die Screens der WeeGee App aus.

Wie sieht denn Eure Marketing-Strategie für den Markttest konkret aus? Wie wollt Ihr vor allem WGs erreichen?

Daniel: Über Facebook-Gruppen, Foren, die einschlägigen Online-Portale, aber auch über Facebook-Werbekampagnen, wo wir die Zielgruppe filtern nach Personen in Münster zwischen 18 und 30, Studenten und lebend in einer WG oder Interesse an einer WG.

Da sind wir auf 2600 Personen gekommen. Die bespielen wir mit unterschiedlichen Kampagnen, machen dabei A/B-Tests, welche Inhalte besser ankommen.

Außerdem schalten wir eine AdWords Kampagne und machen auch offline ein bisschen was mit Visitenkarten, auf denen der Matchingscreen abgebildet, damit die Leute schnell erkennen, was das Prinzip der App ist. Auf der Rückseite sind dann QR-Codes für den Apple AppStore und Google Play.

Wir verteilen Flyer und Poster in Mensen und an der Uni usw. Zudem läuft aktuell ein WG-Party-Foto-Contest, bei dem wir WGs aufrufen, Fotos ihrer letzten WG-Party einzusenden. Die stellen wir dann auf Facebook zur Abstimmung.

Die WG mit den meisten Likes, bekommt für die nächste WG-Party ein Party-Package im Wert von über 800 Euro.

Wo seht Ihr die größten Herausforderungen, die bei WeeGee auf Euch zukommen?

Daniel: Im ersten Schritt erstmal die WGs zu erreichen und auf die Plattform zu bekommen. Wenn uns das gelingt, muss die App natürlich gut funktionieren, und dann muss sie weiterempfohlen werden.

Dass es sich dann von selbst weiterentwickelt und eine Eigendynamik bekommt, das ist im zweiten Schritt die große Herausforderung.

Letztendlich müssen wir eine kritische Masse erreichen, die sich auch konstant hält, damit die App empfohlen wird, dass also nach dem ersten Mitbewohner auch der zweite mit WeeGee gesucht wird. Dass die Leute, die im ersten Semester ihre Wohnung gefunden haben, dann den Neustudenten, den Erstis, WeeGee empfehlen.

Ihr seid zum einen Marketing- & IT-Agentur, zum anderen arbeitet Ihr an Euren Startup Ideen. Wie löst Ihr das organisatorisch im Arbeitsalltag?

Daniel: Die eine Hälfte der Woche nutzen wir für unsere Kundenprojekte, um Geld zu verdienen, die andere Wochenhälfte sitzen wir an unseren eigenen Projekten. Da ist WeeGee eines davon, zwei andere Projekte entwickeln sich gerade parallel. Das ist unser Ansatz.

Langfristig versuchen wir, den Anteil der zweiten Wochenhälfte weiter auszubauen und mehr eigene Projekte voranzutreiben.

Jedes unserer Projekte hat einen Projektplan mit Meilensteinen, so dass wir genau wissen, wann was fertig sein muss. Und das gehen wir dann an, wenn zwischen den Kundenprojekten Zeit ist.

Was sind das für Startup-Ideen, an denen Ihr arbeitet? Gibt’s da einen gemeinsamen Nenner?

Daniel: Tendenziell versuchen wir, Offline-Geschäfte zu digitalisieren bzw. digital zugänglich zu machen. Ansonsten gibt’s da keine weiteren Vorgaben. Wir haben auch noch andere verrückte Dinge im Kopf.

„Das Coole an der Selbstständigkeit ist, dass man die eigenen Startup Ideen auch wirklich umsetzen kann“

Ihr habt nach Eurem Studium erstmal im Angestelltenverhältnis gearbeitet. Was hat Euch dazu bewogen, Euch selbstständig zu machen?

Daniel: Ich bin schon seit 2009 nebenberuflich selbstständig und unterstütze seitdem zum Beispiel Borussia Dortmund im Social Media Bereich.

Als das in meiner Heimat die Runde machte, kamen auch Anfragen von anderen Unternehmen. Das hat sich parallel zum Studium ganz gut entwickelt.

Nach dem Studium habe ich dann erstmal eine Festanstellung angetreten und zwei Jahre als Marketingleiter gearbeitet. Dabei habe ich vor allem gelernt, wie Unternehmen ticken, aber auch wie Agenturen arbeiten.

Ich musste allerdings zu der Erkenntnis kommen, dass ich hier nicht wirklich vorankomme.

Anfang 2016 war für mich dann die Zeit gekommen, mich hauptberuflich selbstständig zu machen. Ich hatte an Kunden schon eine gewisse Grundauslastung und hab das dann ausgebaut. Erst als Einzelunternehmer und seit Februar diesen Jahres als GmbH.

Das Coole an der Selbstständigkeit ist für mich einfach, dass man die eigenen Startup Ideen auch wirklich umsetzen kann. Wo man früher nur rumgesponnen hat, hat man jetzt ein Team im Hintergrund, mit dem man die Dinge auch wirklich mal angehen kann.

Matthäus: Ich wollte immer schon selbstständig sein, hab auch immer was ausprobiert, kleinere Portale oder irgendwelche Plugins programmiert.

Nach dem Studium wollte ich erstmal Erfahrungen in einem Unternehmen sammeln. Dort habe ich in der Produktentwicklung gearbeitet.

Irgendwann wurde das Unternehmen aufgekauft und meine Abteilung wurde aufgelöst. Das hat dann nicht mehr so für mich gepasst und irgendwann war ich so unzufrieden, dass ich relativ spontan gekündigt habe und mich selbstständig machen wollte.

Mein Plan war, erstmal als IT-Freelancer zu arbeiten und mich auf meine Dissertation zu fokussieren. Dann habe ich Daniel kennengelernt und die Dinge kamen ein bisschen anders. Jetzt bin ich kein Freelancer, sondern Geschäftsführer einer GmbH.

Ihr habt nach der Gründung Eurer GmbH ziemlich schnell Mitarbeiter eingestellt. Wie seid Ihr da rangegangen, was ist Euch wichtig bei der Zusammenarbeit und was macht Ihr für Erfahrungen so als Chef?

Matthäus: Dafür, dass wir erst im Februar gegründet haben, sind wir ziemlich schnell gewachsen. Wir haben inzwischen zwei Studenten fürs Marketing, zwei für IT und noch einen freien IT-Mitarbeiter. Wir versuchen, einiges an unsere Mitarbeiter auszulagern, damit wir andere Sachen machen können.

Daniel: Wir haben die Stellen an der TU und der RUB ausgeschrieben, und ein paar Kriterien aufgestellt, die die Mitarbeiter erfüllen sollten. Danach haben wir gefiltert, dann ein Ranking erstellt und die besten Bewerber eingeladen. Das hat sehr gut funktioniert.

Bei der Zusammenarbeit ist für mich Augenhöhe sehr wichtig. Ich nehme unsere Mitarbeiter eher als Kollegen wahr als dass ich jetzt ihr Chef bin.

Mir ist auch super wichtig, dass ich den Leuten vertrauen kann. Momentan haben wir gar nicht die Zeit, zu kontrollieren oder großartig irgendwelche Vorgaben zu formulieren.

Wir brauchen Leute, denen wir blind vertrauen können, denen wir sagen können: „Das ist das Ziel, bitte kümmere Dich darum, dass es erreicht wird. Und falls du Fragen hast, sprich mich an.“

Von daher sind unsere Mitarbeiter gute Kollegen, die Freiräume haben und denen wir Vertrauen schenken. Das ist nicht dieses klassische von oben herab.

Mit welchen Tools arbeitet Ihr?

Matthäus: Jira fürs Projektmanagement, Confluence als eine Art Wiki, zur Zeiterfassung Toggl, zur Kommunikation Whatsapp und Skype und dann haben wir noch Password Safe.

Jira ist ganz cool, weil wir da alle Projekte einpflegen können. Das beruht auf einem Ticketsystem, mit dem man Aufgaben verteilen kann, und das für Marketing genauso gut funktioniert wie für Softwareentwicklung.

Was waren Eure wichtigsten Startup-Erfahrungen bisher?

Daniel: Die Erfahrung mit der Kapitalakquise war ganz spannend. Wir hatten einen dreistündigen Pitch bei einem Investor, haben ihm das Projekt vorgestellt und diskutiert. Und am Ende wurden uns 140.000 Euro angeboten.

Das war erstmal eine ganz surreale Situation, weil wir damit überhaupt nicht gerechnet hatten, auch nicht mit einem Betrag in der Höhe.

Matthäus: Abgesehen davon, dass das für uns mehr Geld war als wir geplant hatten, war für uns auch noch interessant, dass der Investor meinte, wir hätten viel zu gering kalkuliert und hätten viel mehr Kapitalbedarf.

Wir sollten das auch nicht kleinrechnen, nur um die Chance zu erhöhen, überhaupt Geld zu bekommen. Wir hatten es so kalkuliert, dass es unserer Meinung nach attraktiv ist für den Investor.

Und der sagt uns einfach: Euch wird das Geld ausgehen, Ihr braucht viel mehr.

Daniel: Das Risiko zu scheitern war höher mit dem von uns kalkulierten Betrag, als wenn wir mit mehr Kapital da reingehen. Ich habe dann die Zahlen noch mal angepasst, zusätzlich aber auch noch weitere Zahlen, die sich in der Zwischenzeit verändert hatten.

Dann war es nicht nur eine Zahl, sondern drei Zahlen. Das hat den Investor dann erstmal verunsichert. Da hätten wir vielleicht mit ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl und vorsichtiger rangehen sollen.

Er hat jetzt immer noch Interesse und wir werden in den kommenden Tagen die Verträge unterzeichnen, aber das war eine wichtige Erkenntnis, die ich dabei mitgenommen habe.

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