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Initiativkreis Ruhr: „Eine neue Startup-Dynamik in der Region entfachen“

Gründerforum NRW 2015

Das Gründerforum NRW ist eins der Projekte des Initiativkreises Ruhr rund um das Thema Gründungsförderung im Ruhrgebiet. (Foto: Initiativkreis Ruhr)

Hinter dem Initiativkreis Ruhr stehen Unternehmen wie RWE, Deutsche Bank, Evonik oder auch der BVB. Warum für das Wirtschaftsbündnis das Thema Startup-Kultur im Ruhrgebiet derzeit ganz oben auf der Agenda steht, erklärt Geschäftsführer Dirk Opalka im Interview mit RuhrGründer.

Initiativkreis Ruhr – Geschäftsführer Dirk Opalka über das Potenzial des Ruhrgebiets als Startup-Metropole

Herr Opalka, wenn ich bei Gründern hier aus dem Ruhrgebiet den Initiativkreis Ruhr anspreche, dann wissen viele nicht, was dahinter steckt. Erklären Sie als Geschäftsführer doch mal, was der Initiativkreis Ruhr genau ist und was er bewegen will.
Dirk Opalka, Initiativkreis Ruhr

Dirk Opalka, Geschäftsführer des Initiativkreises Ruhr (Foto: IR)

Der Initiativkreis Ruhr ist das stärkste regionale Wirtschaftsbündnis Deutschlands. Er ist ein Bündnis von rund 70 Unternehmen und Institutionen, die sich zusammengetan haben, um die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit des Ruhrgebiets zu steigern. Seine Unternehmen stehen für einen globalen Umsatz von rund 630 Milliarden Euro.

Wir sind auf den Schwerpunktfeldern Wirtschaft, Bildung und Kultur aktiv. Dort initiieren und unterstützen wir ganz konkrete Projekte – immer mit dem Ziel, das Ruhrgebiet zu profilieren.

Unsere Leitprojekte haben Strahlkraft über die Region hinaus: Auf dem Feld der Wirtschaft haben wir im Jahr 2010 unter anderem InnovationCity Ruhr auf den Weg gebracht. In der „Modellstadt Bottrop“ wird ein ganzes Stadtquartier energetisch saniert, und das mit großem Erfolg: Das Ziel ist es, den CO2-Ausstoß bis zum Jahr 2020 zu halbieren. Zur Projekthalbzeit sind schon drei Viertel der angepeilten CO2-Minderung erreicht.

Das kulturelle Leitprojekt des Initiativkreises ist das Klavier-Festival Ruhr. Es ist das größte Pianistentreffen der Welt.

In unserem dritten Leitthema Bildung bündelt der Initiativkreis Ruhr unter dem Dach der TalentMetropole Ruhr viele Formate über die gesamte Bildungskette hinweg. Uns geht es vor allem darum, jungen Menschen in der Region Bildungsaufstiege zu ermöglichen.

Die Grundidee des Initiativkreises ist es ja, das Ruhrgebiet als Wirtschaftsstandort nach vorn zu bringen, also die Zukunft des Ruhrgebiets mitzugestalten bzw. Impulse zu geben. Einige Projekte haben Sie schon angesprochen. Gerade in diesem Jahr kommt das Thema Gründung hinzu. Warum ist einem Wirtschaftsbündnis, hinter dem vor allem Konzerne und große Unternehmen stecken, dieses Thema wichtig?

Der Mix macht’s: Das Ruhrgebiet ist Sitz international agierender Konzerne. Hier gibt es auch einen starken Mittelstand. Aber um das wirtschaftliche Wachstum der Zukunft zu sichern, sind auch noch mehr junge, innovative Gründer wichtig. München, Hamburg, Berlin sind die Hochburgen, die man gerne nennt, wenn es um das Thema Gründertum geht.

Das Ruhrgebiet ist geprägt durch die großen Industrieunternehmen mit Tausenden Beschäftigten. Ganze Stadtteile hingen praktisch nur an einem Arbeitgeber. Wie der Opa, so der Vater, so der Sohn: Es gibt eine gewisse Tradition, sich eher in abhängige Beschäftigungsverhältnisse zu begeben.

Dabei steckt im Ruhrgebiet ganz viel Potenzial: Hier gibt es eine dichte Hochschul- und Forschungslandschaft, ein starkes industrielles Umfeld, einen Markt, der in seiner Größe seinesgleichen sucht, und nicht zuletzt eine hohe Lebensqualität bei günstigem Wohnraum. Deshalb lohnt es sich, in der Region eine neue Startup-Dynamik zu entfachen. Wie es gehen kann, zeigen zum Beispiel der Dortmunder Raum und Westfalen. Dort gibt es schon viele neue Gründer und Unternehmer.

Ich glaube, dass das Gründungs-Know-how im Ruhrgebiet an sich sehr vielfältig ist. Man muss nur den Mut zum ersten Schritt haben. Hier wollen wir als Initiativkreis Wege ebnen.

Woran es noch mangelt, ist Kapital für Gründer. Aber auch daran arbeiten wir.

Gründerfonds geplant: „NRW.Bank arbeitet intensiv an der Umsetzung“

Damit sprechen Sie den geplanten Gründerfonds an, den Klaus Engel beim Gründer-Forum NRW im vergangenen Jahr schon angekündigt hatte und den kürzlich im Interview mit der WAZ die beiden neuen Moderatoren auch noch mal angesprochen haben. Können Sie dazu ein paar mehr Details geben?

Es gibt viele sogenannte Venture-Capital-Aktivitäten mit Bezug nach Düsseldorf oder noch weiter weg nach Berlin, München oder Hamburg. Aber es gibt noch keinen privatwirtschaftlich organisierten Risikokapital-Fonds für unsere Region. Dafür macht sich der Initiativkreis stark. Unser Mitglied NRW.Bank arbeitet intensiv an der Umsetzung.

Wir wollen hier Ansiedlungen ermöglichen. Ein solcher Fonds hat eine Attraktivität über die Region hinaus. Eine Bedingung wird sicherlich sein, dass sich das Startup hier in der Region niederlässt. Sonst hat eine regionale Gründungsförderung durch einen Fonds wenig Sinn.

Zudem soll der Fonds von einem Industriebeirat unterstützt werden, der sich aus seinen kapitalgebenden Unternehmen speist. Damit holen wir auch fachliches Know-how hinein.

Hier beziehen Sie sich darauf, dass der geplante Gründerfonds nicht nur Kapital, sondern auch Know-how vermittelt. Gibt es schon einen Zeitraum, wann es mit dem Fonds losgeht?

Es gibt noch einige formale Dinge zu klären, die der bankrechtliche Registrierungsprozess mit sich bringt. Die offiziellen Rahmenbedingungen, unter denen sich Unternehmen an dem Fonds beteiligen können, sollten in den nächsten Wochen festgelegt sein. Wir gehen davon aus, dass der Fonds in wenigen Monaten starten kann.

Und wenn es soweit ist, können Startups sich für den Fonds bewerben?

Genau, man kann sich als Startup für dieses Kapital bewerben – mit Geschäftsplänen und allem, was dazu gehört. Ein Expertengremium wird dann über die Investments entscheiden. Wir wollen damit vor allem industrienahe Gründungen aus technologie- und wissensbasierten Umfeldern unterstützen. Wir denken da beispielsweise an Hightech-Gründungen im Logistik- oder IT-Umfeld, die also auch ein Stückweit die Industrie hier in unserer Region widerspiegeln.

Sie hatten schon das Gründer-Forum NRW angesprochen, das bereits in die dritte Runde geht. Hier kooperieren Sie vor allem mit den Universitäten des Ruhrgebiets. Was ist die Idee hinter dieser Event-Reihe?

Die Idee ist gemeinsam mit der NRW-Landesregierung entstanden, die mit dem Gründergipfel ja bereits eine Art Hausmesse veranstaltet unter Beteiligung der Industrie- und Handelskammern, den Startercentern, der KfW-Bank und der NRW.Bank.

Es gab bereits viele Beratungsangebote, aber keine Komponente mit Fachforen oder Vorträgen. Deshalb wollten wir ein Diskussionsformat schaffen, das Gründer mit hochkarätigen Vertretern aus der Wirtschaft und Kapitalgebern zusammenbringt. Dabei kooperieren wir eng mit den Universitäten. Denn sie sind Keimzellen für innovative Startups.

Wir haben da ein tolles Format etabliert, das wir beständig weiterentwickeln wollen. Ich denke, dass diese Mischung aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Schwung in die Gründerszene bringt und fruchtbare Debatten anstoßen kann.

„Smart am Start“ soll Vorstandsvorsitzende mit Startup-Gründern zusammenbringen

Smart am Start ist eine weitere Ihrer Initiativen zum Thema Gründungsförderung im Ruhrgebiet. Worum geht es dabei, und was möchten Sie damit bewegen?

Oft ist es ja so, dass Gründer eine gute Idee haben, ihnen aber der notwendige Zugang zu den richtigen Persönlichkeiten, zu dem passenden Netzwerk fehlt. Warum also nicht einfach einmal einen Gründer mit einem Vorstandsvorsitzenden zusammenbringen, der ja schon einen guten Werdegang hinter sich hat, meistens ein großer Unternehmenslenker ist und damit über einen weiten Erfahrungsschatz und vor allen Dingen ein großes Netzwerk verfügt?

Manchmal ist es die eine Telefonnummer, der eine Ratschlag oder der eine Hinweis auf eine andere Kontaktperson, die dann eine Geschäftsidee nach vorne bringen können. Und deswegen haben wir unser Netzwerk gefragt: Seid Ihr bereit, ein Gründercoaching zu machen? Zwei Drittel der angefragten Mitglieder haben spontan gesagt: Ja, wir sind dabei.

Jetzt bekommen wir aus den Universitäten, aber auch von den Wirtschaftsförderern Empfehlungen für Startups, die wir wiederum mit den Chefs unserer Mitgliedsunternehmen zusammenbringen. Gründer können sich aber auch direkt bei uns bewerben.

Sie unterstützen auch unser Startup-Event RuhrSummit, das sich zum Ziel gesetzt hat, das Spotlight der deutschen Startup-Szene aufs Ruhrgebiet zu richten. Worin sehen Sie das besondere Potenzial des Ruhrgebiets als Startup-Metropole?

Ich glaube der große Unterschied zu Berlin, Hamburg oder München ist sicherlich, dass wir hier einen industriellen Kern haben und dass unsere Stärke eher in dem Thema Industrie 4.0 liegt. Also eher in industrienahen IT-Leistungen oder dem Internet der Dinge als zum Beispiel in Applikations-Entwicklungen für das Geschäft mit Endkunden.

Insgesamt birgt die Region hier unheimlich viel Potenzial.

Das hat auch der Bund erkannt: Ich bin sehr froh, dass Dortmund von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel den Zuschlag für eines von fünf Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren erhalten hat. Das ist ein weiteres positives Signal.

Sie selbst sind ja ein Kind des Ruhrpotts, in Herten geboren, Karriere in zwei Ruhr-Konzernen. Was bedeutet für Sie persönlich das Ruhrgebiet und was wünschen Sie sich für die Region?

Wir dürfen hier gerne selbstbewusster auftreten Die Region steht doch für harte, ehrliche Arbeit. Vor 50 Jahren gab es hier noch nicht einmal eine Universität. Wenn man sich heute anschaut, was in der kurzen Zeit hier entstanden ist: die größte Hochschuldichte Europas, ein Freizeitangebot, das überproportional groß ist gegenüber anderen Metropolen, ein engmaschiges Infrastrukturnetz. Das Ruhrgebiet hat sich immer wieder neuen Herausforderungen gestellt und bereits einen ganz massiven Wandel bewältigt.

Darauf darf man hier in der Region ruhig auch mal ein wenig stolz sein.

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