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Golden Orb: Zwei Gründerinnen entwickeln Spiele-Apps für Kinder [Interview]

Die Gründerinnen von Golden Orb Sonja Hawranke und Katharina Kühn
Sonja Hawranke und Katharina Kühn von Golden Orb (Foto: Golden Orb)

Golden Orb: Zwei Gründerinnen starten ihren Weg in die Games-Branche

Kennengelernt haben sich Sonja Hawranke und Katharina Kühn bei einer Kölner Spieleentwicklungsfirma. Jetzt wollen die beiden Gründerinnen von Golden Orb mit ihren interaktiven Märchen-Apps für Kinder auf eigene Faust die Games-Branche erobern.

Im Interview mit Sonja und Katharina erfahrt Ihr:

  • wie die Idee zu Golden Orb entstanden ist
  • für welches Geschäftsmodell sie sich entschieden haben
  • mit welchen Mitteln sie sich in der Gründungsphase finanzieren
  • welche Rolle Female Founders in der Games-Branche spielen
  • ohne welche Tools bei den beiden gar nichts läuft
  • was sie als Unternehmerinnen erreichen möchten

Was macht Golden Orb und was ist das Besondere an Eurer Geschäftsidee?

Sonja: Golden Orb erstellt interaktive Kinderbücher, deren Geschichten auf traditionellen Überlieferungen basieren. Mit magischen Bits und bunten Pixeln erschaffen wir digitale Welten, die Kinderaugen zum Leuchten bringen.

Dabei steht ganz klar das Erleben einer Geschichte im Vordergrund. Diese ist ruhig und reizarm umgesetzt, es gibt keine Highscores oder Zeitlimits.

Eine Szene aus dem Spiel "Aschenputtel" von Golden Orb
Eine Szene aus dem ersten Spiel „Aschenputtel“ (Bild: Golden Orb)

In unseren Apps erzählen wir traditionelle Geschichten auf unsere eigene Weise. Sie bleiben dabei in ihrem Kern erhalten, allerdings verändern wir in der Erzählung auch ein paar Dinge, weil die Welt sich einfach gegenüber dem Jahrhundert, in dem sie aufgeschrieben wurden, verändert hat.

Wir möchten mit unseren Apps nicht nur die Schönheit von Kulturgut kindgerecht vermitteln, sondern auch Werte wie z. B. respektvollen Umgang und Hilfsbereitschaft hervorheben.

Mit unseren Figuren möchten wir zudem zeigen, dass „schön“ nicht an bestimmte äußere Merkmale gebunden ist. Sie durchbrechen bewusst weit verbreitete, stereotype Schönheitsideale.

Für Apps gibt es verschiedene Geschäftsmodelle. Wie sieht Eures aus?

Katharina: Unsere interaktiven Märchen werden zu einem festen Verkaufspreis angeboten und enthalten keinerlei versteckte Kosten.

(Foto: Golden Orb)

Damit soll es Kindern ermöglicht werden, den Umgang mit Tablets und Smartphones in einem sicheren Umfeld – ohne Werbung und In-App-Käufe – mit Freude und Begeisterung zu erlernen.

Wir bieten eine kostenlose Schnupper-Version an, welche die ersten zwei Kapitel unseres Märchens enthält und die Spieler überzeugen kann, die Vollversion für einen einmaligen Verkaufspreis zu erwerben.

Diese kann dann überall und jederzeit genutzt werden und benötigt keine Internetverbindung mehr, was gerade bei langen Autofahrten oder im Wartezimmer beim Arzt deutlich von Vorteil ist.

Wie ist die Idee entstanden?

Sonja: Bei den Überlegungen zur Gründung stand für uns von Anfang an fest, dass wir Spiele erschaffen möchten, die etwas aussagen und hinter denen wir voll und ganz stehen.

„Für uns stand von Anfang an fest, dass wir Spiele erschaffen möchten, die etwas aussagen und hinter denen wir voll und ganz stehen.“
Da wir immer wieder gerne in Büchern, Hörspielen und Filmen schwelgen, die uns bereits als Kinder fasziniert haben, ist die Idee entstanden, narrative Spiele zu entwickeln, die alte Geschichten in ein neues Gewand kleiden.

In meinem privaten Sammelsurium selbst verfasster Geschichten befinden sich auch einige Entwürfe für Kinderbücher. Die Herausforderung, möglichst gute Unterhaltung für Kinder zu schreiben, hat mich also schon eine Weile fasziniert.

Als Katharina dann vorgeschlagen hat, dass wir die narrativen Spiele gezielt kinderfreundlich entwickeln, war ich sofort Feuer und Flamme.

Im Detail ist daraus dann die Idee der interaktiven Kinderbücher entstanden, von denen „Aschenputtel – Ein interaktives Märchen“ den Auftakt darstellt.

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https://www.youtube.com/watch?time_continue=1&v=NM9eqsXr3eA

Wie habt Ihr zwei Euch gefunden und was ist Euer Background?

Katharina: Es begann alles vor knapp 10 Jahren in einer Kölner Spieleentwicklungsfirma. Dort haben wir beide viele Jahre lang gemeinsam gearbeitet und festgestellt, dass wir ein super Zweierteam sind, weil sich unsere Fachbereiche einfach perfekt ergänzen.

Sonja als Game Designerin und Programmiererin und ich als Grafikerin haben einige Projekte auch autonom konzipiert und dadurch festgestellt, dass wir durchaus in der Lage sind, Spiele auch „nur“ zu zweit zu entwickeln.

Aus privaten Gründen hat es mich dann nach Witten gezogen und die Idee entstand, weiterhin zusammen zu arbeiten und uns eine eigene berufliche Basis zu schaffen.

Wie finanziert Ihr Euer Startup am Anfang?

Katharina: Wir sind auf volles Risiko gegangen und haben einen Existenzgründerkredit der KfW aufgenommen mit dem wir die erste Gründungszeit überbrücken wollen, bis unsere Projekte Gewinn bringen.

Da Förderungen für Games leider nach wie vor sehr rar gesät sind, versuchen wir branchenübergreifend Unterstützung zu finden.

So haben wir glücklicherweise ein Medienstipendium des Mediengründerzentrum NRW erhalten, welches uns in diesem Jahr mit einem Betriebsmittelzuschuss unterstützt und uns mit wöchentlichen Seminaren, Coachings und Mentoren, sowie besonderen Netzwerkveranstaltungen hilft unser Unternehmen solide aufzubauen.

Weiterhin haben wir uns für das brandneue Gründerstipendium NRW beworben, für das wir von der Wirtschaftsförderung Bochum ein Empfehlungsschreiben erhalten haben. Somit sollte dem auch nichts mehr im Wege stehen. Wir sind gespannt wie dieses neue Konzept funktioniert.

Für folgende Projekte ziehen wir die Prototypenförderung der Film- & Medienstiftung NRW in Erwägung. Wie man sieht, nutzen wir also in der Gründungsphase viele Möglichkeiten, doch letztlich ist es natürlich das Ziel fest auf eigenen Beinen zu stehen.

Wo steht Ihr gerade, was habt Ihr schon erreicht?

Sonja: Um unabhängig in der Ausgestaltung der Firma und ihrer Produkte zu bleiben, haben wir uns dafür entschieden, selbst das komplette Risiko zu tragen, statt Investoren zu suchen.

„Ein toller Moment war, als Sky du Mont zugestimmt hat, dem Erzähler und einigen Charakteren seine Stimme zu leihen.“
Eines unserer ersten Achievements dieses Jahr war somit, eine Bank davon zu überzeugen, uns Kredite zu gewähren. Das ist im Allgemeinen mit Softwareprojekten nicht sonderlich einfach – und wenn dabei dann auch noch das Wort „Spiel“ fällt, wird es nicht gerade leichter.

Das nächste erreichte Zwischenziel war dann die Gründung an sich: Seit Ende Mai ist Golden Orb im Handelsregister eingetragen.

Ein weiterer toller Moment war, als Sky du Mont zugestimmt hat, dem Erzähler und einigen Charakteren seine Stimme zu leihen.

Gerade beginnt die spannende Phase in der sich zeigen wird, ob die ganze Arbeit und Hingabe, die wir in „Aschenputtel – Ein interaktives Märchen“ gesteckt haben, tatsächlich aufgeht.

Uns ist klar, dass wir mit dem von uns gewählten Geschäftsmodell keine Reichtümer werden anhäufen können. Es wäre allerdings sehr schön, herauszufinden, dass wir von unserer Arbeit tatsächlich leben können.

Was sind Eure nächsten Meilensteine?

Sonja: Ganz aktuell: Den Release unseres ersten digitalen Kinderbuchs „Aschenputtel – Ein interaktives Märchen“ überleben. Da wir kein großes Marketingbudget haben, bleibt es sehr spannend, ob die App überhaupt gefunden wird.

Wir sind sehr darauf angewiesen, dass die Menschen, denen unsere App Freude bereitet, in ihrem Bekanntenkreis von ihr erzählen, damit weitere Menschen die Möglichkeit haben, sie zu entdecken.

Was uns zu den weiteren Meilensteinen führt. Wir haben die Konzepte der nächsten zwei Projekte jetzt soweit ausgearbeitet, dass wir mit der Umsetzung starten können. Wir freuen uns schon sehr darauf, denn beide bieten wieder Raum für neue Ideen und Umsetzungsdetails.

Zwei Gründerinnen in der Gamesbranche ist (noch) ein ungewöhnliches Bild. Seht Ihr das genauso? Oder wandelt sich da etwas?

Katharina: Es mag noch ein weniger häufiges Bild sein, doch die Tendenz ist steigend. Wir sind nicht die ersten und werden mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht die letzten sein.

„Ein schönes Ziel wäre es, wenn das Thema ‚Frauen in digitalen Berufen‘ keines mehr sein müsste, sondern so selbstverständlich, dass es nicht extra erwähnt werden muss.“
Ich habe die Gamesbranche generell weltoffen, tolerant und geprägt von Jugend und Globalisierung erlebt. Diversität ist sowohl in Spielen als auch in den Unternehmen ein sehr präsentes Thema und betrifft nicht nur Geschlechter, sondern jede Form von Vielfalt.

In Köln sagt man „Jede Jeck is anders“ und das ist auch gut so! Wie sähen wohl die Kreativbranchen aus, wenn es keine Vielfalt gäbe? Es liegt noch einiges vor uns, um ein ausgeglichenes Bild zu schaffen, doch es ist jetzt schon stark spürbar, dass sich vieles ändert.

Ein schönes Ziel wäre es, wenn das Thema „Frauen in der Gamesbranche“ (bzw. in digitalen Berufen allgemein) keines mehr zu sein bräuchte, sondern so selbstverständlich, dass es nicht extra erwähnt werden müsste.

Was treibt Euch an, Euch ins Startup-Life zu stürzen?

Katharina: Ich sehe uns selbst nicht als klassisches Startup, sondern als Unternehmerinnen, die langfristig eine berufliche Zukunft schaffen wollen, die wir lieben und unsere Werte mit unseren Leidenschaften vereint.

„Ich sehe uns selbst nicht als klassisches Startup, sondern als Unternehmerinnen, die langfristig eine berufliche Zukunft schaffen wollen, die wir lieben und unsere Werte mit unseren Leidenschaften vereint.“
Wenn uns der Start gut gelingt und wir standfest werden, möchten wir auch anderen Menschen einen Arbeitsplatz bieten, der sie erfüllt und glücklich macht.

Besonders Frauen möchten wir Mut machen, sich für technische/digitale Berufe zu entscheiden und ein Arbeitsumfeld erschaffen, dass Eltern ermöglicht Beruf und Familie besser vereinbaren zu können.

Es geht uns dabei um die Steigerung von Lebensqualität für uns und unsere zukünftigen Mitarbeiter. Es ist nicht unser Plan schnell ein Vermögen zu machen und dann Firmenanteile gewinnbringend zu verkaufen. (Dafür hätten wir auch das falsche Preismodell gewählt.)

Wir möchten ein stetiges, gesundes Firmenwachstum erreichen und Produkte entwickeln, die uns und unsere Spieler glücklich machen.

Ohne welche Tools läuft bei Euch gar nichts?

Sonja: Unity3D, Visual Studio und ein beliebiger Text Editor. Ersteres ist der Name der Game Engine, die wir als technische Grundlage unserer Apps nutzen, und des zugehörigen Editors, in dem wir sie bauen.

Visual Studio ist im Prinzip es so etwas wie das Word der Programmierer, nur dass es zusätzlich zu Editiermöglichkeiten noch eine ganze Reihe Funktionen bietet, die für die Arbeit mit Quelltexten nützlich sind.

Katharina: Für mich als Grafikerin, die zuständig für Illustration und Animation ist, wäre ein Arbeitsplatz ohne die Adobe Creative Cloud undenkbar. Mein meistgenutztes Programm ist Photoshop, ich nutze aber auch viele andere Programme der Suite.

Natürlich würde auch gar nichts ohne mein Wacom Tablet gehen. Dieses kann man sich vorstellen, wie eine digitale Unterlage, die an meinen PC angeschlossen ist. Auf dieser Unterlage zeichne ich mit einem speziellen Stift und das Gerät überträgt meine unsichtbaren Zeichnungen direkt sichtbar auf den Monitor.

Habt Ihr Unternehmer(innen)-Vorbilder, die Euch inspirieren?

Katharina: Ich persönlich habe keine spezielle Person vor Augen. Es sind eher Eigenschaften und Handlungsweisen, die mich inspirieren.

„Mich beeindrucken Menschen, die sich für andere einsetzen und die ihr Handeln danach richten, was sie als richtig empfinden, nicht nach dem, was den meisten Profit abwirft.“
Jeder Unternehmer und jede Unternehmerin, die ihre Mitmenschen, Mitarbeiter und Umwelt respektieren und etwas zurückgeben – „die Welt ein bisschen besser machen wollen“ – das sind Menschen deren Taten ich mir gerne zum Vorbild nehme.

Sonja: Das ist bei mir ähnlich, auch ich habe kein konkretes Idol, nach dessen Vorbild ich unsere Firma aufbauen möchte. Mich beeindrucken Menschen, die sich für andere einsetzen und die ihr Handeln danach richten, was sie als richtig empfinden, nicht nach dem, was den meisten Profit abwirft. Das sind Aspekte, nach denen ich unternehmerisch streben möchte.

Katharina: Aus diesen Gründen haben wir für uns entschieden, dass wir einen Teil unseres Gewinns zurückgeben wollen und werden diesen an gemeinnützige Organisationen spenden, die vornehmlich hier im Ruhrgebiet tätig sind, um Kinderaugen nicht nur durch Unterhaltung zum Leuchten zu bringen, sondern ihnen die Chance auf eine schönere Kindheit und eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen Radeck ist Journalistin und Gründerin von RuhrGründer. Ihre Leidenschaft ist es, Geschichten von Menschen zu erzählen, die ihr eigenes Ding machen, dafür brennen und bereit sind, jedes Risiko einzugehen.
So entstand die Idee zum Gründerblog RuhrGründer, der 2014 mit Storys über Gründer und Startups aus dem Ruhrgebiet online ging und sich inzwischen zum Szene-Portal entwickelt hat. Als Mit-Initiatorin der Datenbank StartupsRuhr.de und von Events wie dem RuhrSummit und den Fuckup Nights Ruhrgebiet ist sie aktiver Bestandteil der Gründerszene Ruhr.
Carmen berät Unternehmen in Sachen Content Marketing und Social Media. Sie kommt aus Essen, lebt in Kamen und ist im Ruhrgebiet zuhause.

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Geschrieben von Carmen Radeck