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traxi Gründer Jakov Akishin und Vitalij Schreider (Foto: Traxi Sharing GmbH)

traxi vermietet Anhänger ganz einfach per App

Die besten Geschäftsideen entstehen ja oft aus der eigenen Not heraus. So war es auch bei traxi, dem digitalisierten Anhängerverleih aus Gelsenkirchen.

Als Jakov Akishin, einer der beiden traxi-Gründer, für einen Transport kurzfrisitg einen Anhänger mieten wollte, stellte sich das als gar nicht so einfach heraus und war mit vielen Telefonaten verbunden.

Das muss doch auch anders und vor allem digital gehen, dachte sich Jakov und gründete im Mai 2020 zusammen mit seinem Kompagnon Vitalij Schreider die traxi Sharing GmbH.

Im Interview erzählen die beiden, wie aus der Idee ein Startup wurde, wie ihr Geschäftsmodell funktioniert, welche Hürden sie überwinden mussten und welche Erfolge, wie die Kooperation mit OBI, sie in der kurzen Zeit schon feiern konnten.

traxi-Gründer Jakov Akishin: “Aus der Not heraus nach einer Lösung gesucht”

Welche Geschäftsidee steckt hinter Eurem Startup und was macht Euch einzigartig?

Jakov: Hallo Carmen, danke für deine Einladung zum Gespräch. Wir freuen uns.

Traxi ist der einzige digitalisierte Anhängerverleih in Deutschland. Heißt, man kann sich ganz einfach über unsere App einen Anhänger mieten und ihn dann kontaktlos an der ausgewählten Station abholen.

Vitalij: Bei uns gibt es keine Öffnungszeiten, keine Wartezeiten, keine Kaution und erst recht keine festen Mietzeiten.

“Ich habe nur gedacht: Das kann doch nicht sein! Wieso gibt es Sharing für sämtliche Transportmittel, aber nicht für Anhänger?”

Jakov Akishin, Traxi Sharing GmbH

Wie kamt Ihr auf die Idee und was hat Euch dazu getrieben, daraus ein Unternehmen zu gründen?

Jakov: Ich wollte spontan an einem Samstag einen Transport machen. Das war allerdings gar nicht so einfach. Erst nach langem Telefonieren fand ich einen Anhänger, der aber zu einer bestimmten Uhrzeit wieder zurückgebracht werden sollte.

Genau da stand ich dann aber im Stau. Irgendwann war klar, dass ich es nicht rechtzeitig zurückschaffen würde und musste beim Vermieter anrufen.

Die ganze Aktion war echt stressig und ich habe nur gedacht: „Das kann doch nicht sein! Wieso gibt es Sharing für sämtliche Transportmittel, aber nicht für Anhänger?“

Tja, das hat mir dann keine Ruhe mehr gelassen und ein paar Tage später habe ich angefangen zu tüfteln. Es war also ganz klassisch: aus der eigenen Not heraus nach einer Lösung gesucht.

Wie verdient Ihr damit Geld?

Vitalij: Hauptsächlich natürlich durch die Vermietung der Anhänger. Bei den meisten Anhängermodellen sind das 6 Cent in der Minute. Ab 5 Stunden rechnen wir dann zum Tagestarif ab, weil das für die Kunden günstiger ist. Wir bieten aber auch noch mietbare Werbeflächen auf den Anhängern an.

Erzählt etwas über Euch Gründer, welchen Background habt Ihr und wie habt Ihr Euch gefunden?

Jakov: Vitalij und ich waren vor ein paar Jahren Kollegen bei einem technischen Hersteller.

Ich habe mich vor 10 Jahren selbständig gemacht und er ist in der Firma bis zum Geschäftsführer aufgestiegen.

Vitalij: Anfang 2020 hat mich Jakov angerufen und mir von seinem Anhänger-Projekt erzählt. Die Idee hat mich sofort begeistert. Er hat mich gar nicht lange fragen müssen und ich bin als Co-Founder eingestiegen.

Jakov: Wir ergänzen uns mit unseren jeweiligen Stärken auch richtig gut.

Während Vitalij in den Bereichen Finanzen und Logistik unschlagbar ist, fühle ich mich besonders in der Projektentwicklung und im Marketing zu Hause.

Angesicht all der Krisen und Veränderungen in der Welt, wie seht Ihr Eure Rolle als Unternehmer und was wollt Ihr bewegen?

Jakov: In erster Hinsicht wollen wir natürlich im wahrsten Sinne des Wortes etwas bewegen. Dafür sind unsere Anhänger ja schließlich da.

In jeder Branche ist es außerdem wichtig, dass man mit dem technischen Fortschritt geht, sonst bleibt man irgendwann einfach auf der Strecke.

Heutzutage geht fast alles über das Smartphone, von daher erleichtern wir durch die Digitalisierung Kunden den Zugang zu einem alltäglichen Service.

Während der Pandemie hat sich auch gezeigt, dass der Faktor „kontaktlos“ enorm wichtig ist. Ohne es vorher zu ahnen, sind wir mit unserem Projekt genau zur richtigen Zeit auf den Markt gekommen.

Was war für Euch die bisher größte Herausforderung und wie habt Ihr sie gemeistert?

Vitalij: Die größte Herausforderung war und ist immer noch Kooperationspartner für passende Parkplätze für unsere Dockingstationen zu finden.

Ich denke, dass wird besser werden, je mehr Stationen wir haben und die Leute erstmal sehen, wie gut das System tatsächlich funktioniert.

Jakov: Unsere Partner haben ja auch viel von einer Zusammenarbeit mit uns.

Zum einen bieten sie ihren Kunden einen modernen Service, sparen an ihren Personalkosten und haben zudem Zugang zu traxi-IS, unserem eigenentwickeltem IT-System.

Dort können sie zum Beispiel die Miethistorie und den technischen Zustand einsehen und die aktuelle Positionierung der Anhänger beobachten. Die Analyse all dieser Daten verschafft unseren Partnern einen beachtlichen Wettbewerbsvorteil.

Und was war Euer größter Erfolg, den Ihr bisher gefeiert habt?

Vitalij: Als unsere allerersten 5 Anhänger in der Nacht per LKW angeliefert wurden. Das war wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Ehrlich, ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind.

Jakov: Stimmt, das war echt ein tolles Gefühl und natürlich auch ein großer Erfolg, dass wir einen der führenden Anhänger-Hersteller Deutschlands von uns überzeugen konnten. Unsere erste erfolgreiche Kooperationsvereinbarung mit OBI war auch ein persönliches Highlight für mich.

Was steht als nächstes bei Euch an?

Vitalij: Wir wollen die Anzahl unserer Dockingstationen schnell ausweiten. Nach unserem Start in Recklinghausen sind nun die nächsten Stationen in Gelsenkirchen und Bottrop in der Installation und es sollen in den nächsten Wochen noch weitere 40 Standorte im Ruhrgebiet folgen.

Findet Ihr, dass das Ruhrgebiet ein guter Ort zum Gründen ist?

Jakov: Das Ruhrgebiet ist mit seinen über 5 Millionen Einwohnern natürlich extrem bevölkerungsreich und dicht besiedelt.

Das ist für uns ideal, um schnell wachsen zu können und ein engmaschiges Netz unserer Dockingstationen aufzubauen. Für unsere Kunden bedeutet das: kurze Wege zu jedem Standort.

Ich mag auch die Menschen im Revier: das Herz am rechten Fleck, ehrlich, nie um einen coolen Spruch verlegen und hart arbeitend.

Vitalij: Das gefällt mir auch sehr. Und der Pott ist eben unsere Heimat.

Wo, wenn nicht hier gründen? Aber von meiner Warte als CFO bin ich vom Ruhrgebiet eher enttäuscht. Von der viel gepriesenen innovativen Gründerszene NRW, die Deutschlands Hotspot für Startups sein möchte, haben wir bisher leider wenig Hilfe erhalten.

Wenn ich mir zum Beispiel Startups aus Berlin anschaue – welchen Support die von allen Seiten bekommen – da müssen die hiesigen Gründerzentren und Hubs noch etwas Gas geben.


traxi in Zahlen, Daten, Fakten

Branche: Mobilität/ Transport/ Digitalisierung 

Kunden: Potentiell jeder, der eine Anhängerkupplung hat. Das ist in etwa jeder 3. Fahrzeughalter in Deutschland.

Finanzierung: Die Seed-Phase haben wir durch private Mittel finanziert. Danach haben wir einen Förderkredit erhalten. 

Gründung: Die Arbeit am Projekt hat 2019 angefangen. Die GmbH wurde im Mai 2020 in Gelsenkirchen gegründet. 

Mitarbeiter*innen: Fest sind wir aktuell erstmal noch zu Dritt, aber wir beschäftigen auch Teams im Outsourcing und Freelancer.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Hi, ich bin Carmen, Gründerin von RuhrGründer.

Seit mehr als zehn Jahren bin ich als Journalistin im Ruhrgebiet unterwegs und unterstütze Entrepreneur*innen bei Storytelling, Content Marketing und PR.

Als leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene Ruhr rief ich Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet oder Female Founders Ruhr mit ins Leben. Mein aktuelles Projekt ist der Podcast „The Story behind“.

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Wer schreibt hier?

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