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So will das Dortmunder Social Startup Tremaze die Sozialarbeit in Deutschland digitalisieren [Interview]

Das Gründerteam von Tremaze (Foto: Tremon Soft)

Tremaze: „Wir wollen beweisen, dass nachhaltiges Wirtschaften und großer Erfolg einer Unternehmung keinesfalls Gegensätze sind“

Mit Ihrer Softwarelösung Tremaze wollen die drei Dortmunder Social Entrepreneurs Sven Baumgart, Jannick Gröpper und Lennart Tönjes die Sozialarbeit in Deutschland digitalisieren. 

Im Interview mit Geschäftsführer Sven erfahrt Ihr:

  • wie die Idee entstanden ist,
  • was das Social Startup bisher erreicht hat und was die nächsten Meilensteine sind,
  • was es bedeutet, Social Entrepreneur zu sein,
  • die wichtigsten Learnings als Gründer bisher

Außerdem hat Sven noch den ultimativen Tipp für angehende Sozialunternehmer.


Hallo Sven, was ist die Geschäftsidee hinter tremaze?

Hallo Carmen! Tremaze ist eine Standardsoftware zur Digitalisierung der Sozialarbeit in Deutschland. Einfach gesagt statten wir soziale Institutionen – also Kinder- und Jugendeinrichtungen, Senioreneinrichtungen usw. – mit eigenen Apps und Websites aus, um unseren Kunden nicht nur zum zeitgemäßen und zukunftsfähigen digitalen Auftritt zu verhelfen. 

Im dazugehörigen Control Center werden – neben den CMS-Aufgaben – auch viele interne Prozesse von den Einrichtungen abgebildet und optimiert, sodass wieder mehr Zeit für die eigentlichen Aufgaben frei wird. Statt sich mit Excel und Zetteln rumzuschlagen, können unsere Kunden sich nun wieder voll auf die Arbeit mit den Menschen konzentrieren.

Wie ist die Idee entstanden?

Angefangen hat alles vor über vier Jahren in einem Projekt mit der Stadt Soest. Damals haben mein Mitgründer Lennart und ich für die Jugendhilfe der Stadt eine App entwickelt, die das Angebot der Jugendzentren digital abbilden sollte. 

Das Projekt hat allerdings sehr lange gedauert und hat zu hohe Mittel verschlungen, als dass man hieraus ein Verfahren zur Ausstattung aller Einrichtungen in Deutschland hätte ableiten können. Also haben wir das Ganze in die Cloud gebracht, standardisiert und skalierbar gestaltet. 

So konnten wir den initialen Aufwand zum Setup beim Kunden auf ein absolutes Minimum reduzieren und gleichzeitig die monatlichen Gebühren für die Nutzung des Systems an die Bedürfnisse unserer Kundschaft anpassen.

Wer sind Eure Kunden und was ist Euer Geschäftsmodell?

Unsere Kunden sind in erster Linie die Träger der Sozialwirtschaft, die ihre verbundenen Einrichtungen mit Tremaze ausstatten.

Unser Geld verdienen wir wiederum mit dem Betrieb und der Weiterentwicklung des Systems. Die Kunden zahlen also – neben möglichen Individualisierungen – nur eine Nutzungsgebühr.

Wie finanziert Ihr Euch?

Abgesehen von kleineren Krediten finanzieren wir uns ausschließlich durch eigene Projekte. 

Gerade in der Anfangszeit war es daher immer wieder nötig, ein paar Nebenprojekte laufen zu lassen. Das hat sich aber sehr gut eingespielt und nun können wir uns fast ausschließlich auf die Markteroberung mit Tremaze konzentrieren.

Wie macht Ihr Euch bekannt?

Glücklicherweise bewegen wir uns in einem Markt, in dem Mundpropaganda ein sehr wirksames und gut steuerbares Marketinginstrument ist. Sehr viele Kontakte kommen über unser Netzwerk zustande. 

Derzeit arbeiten wir mit Hochdruck am Launch unserer neuen Website und besuchen viele Fachtagungen, um das Netzwerk Schritt für Schritt zu erweitern. 

Um den herkömmlichen Direktvertrieb kommen wir damit allerdings noch nicht herum, da Tremaze durchaus ein erklärungsbedürftiges Produkt ist.

Wer gehört zum Gründer-Team und wie seid Ihr zusammengekommen?

Im Kernteam sind wir mit meinen beiden Gründer-Kollegen Jannick Gröpper und Lennart Tönjes zu dritt. 

Das Ganze hat sich vor einigen Jahren in unserer WG ergeben, die Lennart und ich gemeinsam bewohnten. Zu zweit hätten wir das alles allerdings nie geschafft, also hat Lennart schnell seinen Freund Jannick angerufen und schon konnte es losgehen!

„In unserer Gesellschaft und der heutigen Zeit brauchen wir nichts weniger, als noch einen Haufen von rücksichtslosen, ausschließlich gewinnorientierten Unternehmertyp*innen.“

Sven Baumgart, Co-Founder Tremaze

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Derzeit beschäftigen wir uns damit, die ersten offiziellen Kundensysteme online zu stellen. Neben mehreren Kommunen konnten wir auch ein paar sehr interessante Projekte in der Privatwirtschaft an Land ziehen, deren gesamtes Geschäftsmodell nun – IT-seitig – auf Tremaze aufbaut. 

Im nächsten Schritt werden wir uns dann mit der Automatisierung des Bestellprozesses beschäftigen, sodass interessierte Kund*innen Tremaze auch ohne Vertriebskontakt in der Cloud nutzen können. 

Ein großer Teil unserer Arbeit beschäftigt sich aber auch mit politischen Themen und der sozial motivierten Lobbyarbeit.

Tremaze ist ein Social Startup. Was bedeutet es für Dich Social Entrepreneur zu sein?

In unserer Gesellschaft und der heutigen Zeit brauchen wir nichts weniger, als noch einen Haufen von rücksichtslosen, ausschließlich gewinnorientierten Unternehmertyp*innen. Es gibt viel zu tun und ich persönlich sehe im Unternehmertum ein geeignetes Mittel zur positiven Einflussnahme auf Gesellschaft und Politik. 

So haben wir uns z.B. bewusst gegen die Gemeinnützigkeit entschieden. Wir wollen beweisen, dass nachhaltiges Wirtschaften und großer Erfolg einer Unternehmung keinesfalls Gegensätze sind. 

Im Übrigen sehe ich alle Unternehmer*innen in der Pflicht, zu Social Entrepreneurs zu werden und die eigene Marktmacht für positive gesellschaftliche Entwicklungen zu nutzen.

„Alle mir bekannten Gründer gehen als Allroundtalente in der Bereichen Finanzen, HR und Sales aus ihren Unternehmungen hervor.“

Sven Baumgart, Co-Founder Tremaze

Was waren Deine wichtigsten Learnings als Gründer bisher?

Gründungen und vor allem das Am-Leben-Halten des Unternehmens sind unheimlich anstrengende und zeitweise frustrierende Beschäftigungen. Es gehört schon eine ganze Menge Masochismus dazu, sich all das anzutun. 

Allerdings fällt mir keine andere Tätigkeit ein, bei der man dermaßen tiefe Einblicke in unser Wirtschaftssystem und die Gesellschaft im Allgemeinen erhält. 

Auch das Vertrauen auf Zusagen von Banken etc. lernt man mit der nötigen Skepsis zu behandeln. 

Alles in allem gehen jedoch alle mir bekannten Gründer als Allroundtalente in der Bereichen Finanzen, HR und Sales aus ihren Unternehmungen hervor.

Zum Schluss: Dein ultimativer Tipp für angehende Sozialunternehmer?

Bitte nicht aufgeben! 

Unternehmertum und vor allem das Sozialunternehmertum ist hart. 

Aber als Sozialunternehmer geht es den Gründer*innen hoffentlich nicht nur um die Renditen, sondern in erster Linie um einen gesellschaftlichen Mehrwert – und der ist es Wert, alles zu geben. 

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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