RuhrSummit Social Entrepreneurship

RuhrSummit 2017: Interview mit Top-Speaker Titus Dittmann

Titus Dittmann (Foto: Rieke Penninger)

RuhrSummit 2017: Interview mit Titus Dittmann

Titus Dittmann: Skater-Legende, Vollblutunternehmer, Social Entrepreneur und Top-Speaker beim ImpactSummit, dem Subevent des RuhrSummit 2017. Bevor Titus für seine Keynote „Mut ist, wenn man’s trotzdem macht“ am 19. Oktober nach Dortmund kommt, haben wir ihn in seinem Büro in Münster zum Interview besucht.

Und das ist vollgepackt mit Insights, Learnings und Erlebnissen aus Titus‘ fast 40-jähriger Karriere als Unternehmer. Ihr erfahrt:

  • was Titus seit 40 Jahren antreibt
  • was Unternehmertum mit Risikosport zu tun hat
  • wie man als Unternehmer die Angst vorm Risiko überwindet
  • wie Titus es geschafft hat, im Moment der größten Krise, die richtige Entscheidung für sein Unternehmen zu treffen
  • was Social Entrepreneurship für Titus bedeutet und wie er es lebt
  • zwei Tipps, die Titus Gründern mit auf den Weg gibt

Titus live beim ImpactSummit erleben! #RS2017


Hallo Titus, Du bist seit fast vier Jahrzehnten als Unternehmer unterwegs und scheinst auch noch nicht aufhören zu wollen. Was treibt Dich an?

Titus: Die Frage habe ich mir auch oft gestellt: Warum bin ich so unglaublich angetrieben, mehr noch als andere Menschen, warum habe ich so ein Bedürfnis, Ziele und auch Anerkennung zu erreichen? Denn Anerkennung spielt hier eine wichtige Rolle.

Mein Antrieb ist, dass ich immer allen beweisen will, was möglich ist und was ich drauf habe. Das kommt bei mir vor allem daher, dass ich in den 50er Jahren groß geworden bin, also in der Nachkriegszeit. Immer wenn ich mal wieder mit einer Idee um die Ecke kam, hieß es nur: Werd‘ erstmal erwachsen.

Ich war aber immer ein ehrgeiziger Typ, der auch an sich geglaubt hat. Und da fing es an, dass ich denen, die nicht an mich glaubten, zeigen wollte, was ich wirklich drauf habe.

Du warst erst Lehrer, hast mit 29 Jahren die Skateboard-Kultur kennen- und lieben gelernt und bist in dem Zuge ins Unternehmertum hineingeschlittert. Siehst Du Dich selbst als Vollblutunternehmer?

Titus: Ich sehe mich auf jeden Fall als Vollblutunternehmer!

Dass ich erst Lehrer geworden bin, liegt vor allem an den 68ern. Da wurde ja jeder Lehrer. Jetzt, in der Rückschau kann man eigentlich sagen, dass ich schon immer Vollblutunternehmer war. Schon als Schüler oder im Studium, wenn das Taschengeld nicht reichte, habe ich immer einen Weg gefunden, mir was dazuzuverdienen.

Mir ist auch deswegen der Schritt ins Unternehmertum nicht schwergefallen, weil ich bei allem, was ich mache, immer mit den gleichen Kriterien vorgehe. Und die sind auch für einen Unternehmer entscheidend.

Was sind das für Kriterien?

Titus: Leidenschaft zum Beispiel, Leidensfähigkeit, Bedürfnis nach Effizienz und natürlich Begeisterungsfähigkeit.

Gerade Begeisterung für etwas macht einen teilweise ja so hart im Nehmen, dass andere sagen, sowas könne man gar nicht aushalten. Egal, ob bei der Begeisterung fürs Skateboarding, wenn man zig Mal auf die Schnauze fällt und trotzdem immer wieder aufsteht, oder beim Risikosport.

Ich bin ja auch begeisterter Risikosportler. In diesem Sinne kann man Unternehmertum mit Risikosport vergleichen. Ich finde, es gibt nichts Erfüllenderes für einen Menschen, als das Gefühl, die volle Kontrolle am Limit zu haben. Da spürt man, dass man lebt. Mehr kann man nicht spüren, dass man lebt als in dem Bewusstsein, in einem Grenzbereich Kontrolle auszuüben – über sich selber und die Situation.

Als Unternehmer geht man auch immer möglichst nah an die Grenze, denn je näher man an Grenzen geht, desto größer ist die Chance, dass man erfolgreich wird.

Aber ist diese Kontrolle real? Wie schafft man Kontrolle?

Titus: Unternehmer haben das gleiche Problem wie Risikosportler: Wenn man sich nicht gut vorbereitet und nicht zu 100 Prozent sicher ist, wo die Grenze liegt und sie aus Leichtfertigkeit und aus mangelnder Professionalität überschreitet, dann haben beide ein Problem ­ der Risikosportler ein körperliches, der Unternehmer ein wirtschaftliches.

Kontrolle bekommt man meiner Meinung nach als Unternehmer genauso wie als Risikosportler durch mentales Training. Nicht durch einen Businessplan.

Ich sage bewusst und provokativ: Businesspläne sind für den Arsch – wenn man sie für einen langfristigen Zeitraum anlegt und daran glaubt. Man nimmt sich so jede Chancen und jede Flexibilität.

Man kann nicht in die Glaskugel schauen. Die Zukunft ist nicht berechenbar. Deswegen kann auch der Unternehmer nichts anderes machen als der Risikosportler, nämlich sich gut vorzubereiten, indem er sich Wissen aneignet und viele Erfahrungen sammelt.

Titus Dittmann Top Speaker beim RuhrSummit

Skater-Legende Titus Dittmann ist Top Speaker beim RuhrSummit (Foto: Stefan Lehmann)

Bevor ich das erste Mal mit dem Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen bin, habe ich mich mental auf diesen Sprung vorbereitet. Ich habe mindestens 2000 Sprünge unter der Bettdecke gemacht. Und noch vor diesen mentalen Sprüngen, habe ich mich mit Aerodynamik beschäftigt und mit allen physikalischen Dingen, die in diesem Zusammenhang eine Rolle spielen und wichtig sind zu wissen, wenn man einen solchen Sprung machen will.

Als Unternehmer sollte man sich genauso vorbereiten. Je mehr Erfahrung und Wissen man hat, umso mehr kann man sich theoretisch auf Situationen vorbereiten. Aber es ist ein theoretischer Plan, und das muss einem klar sein. Mentales Training hilft einem aber dabei, gute Voraussetzungen für das zu schaffen, was wirklich passiert.

Spielt hier auch Angst eine Rolle?

Titus: In meinen Augen hat der Mensch immer nur Angst vor Dingen, die ihm unbekannt sind. Die Angst schwindet aber mehr und mehr, wenn man sich mit mentalem Training auf die Situation vorbereitet.

Wenn es dann soweit ist, wenn man sich für den Sprung aus dem Flugzeug bereitmacht, und man merkt, dass es genauso ist, wie man sich das in dem mentalen Training vorgestellt hat, dann kommt dieses unglaubliche Gefühl, dieses Bewusstsein, dass man sich in einer extremen Situation komplett unter Kontrolle hat. Das ist die Auflösung von Angst.

Und beim Unternehmer ist das aus meiner Sicht ganz genauso. Je mehr man sich mit sich selbst beschäftigt, sich selbst analysiert und sich darüber klar wird, was für ein Typ man überhaupt ist, dann ist man auch irgendwann in der Lage, sich selbst zu führen. Und nur, wenn man sich selbst führen kann, kann man irgendwann auch andere Menschen führen.

Du hast mit Deinen Unternehmen sehr viele Menschen geführt. Wie bist Du darangegangen? War Dir diese Verantwortung immer bewusst?

Titus: Na klar. Das bedeutete aber nicht, dass ich mehr Druck empfunden habe. Ich hatte mehr Schiss, den ersten Mitarbeiter einzustellen, und war mehr überfordert als Chef als mit 1000 Mitarbeitern -­ einfach, weil ich mit mir und meiner Persönlichkeitsbildung noch gar nicht fertig war.

Eigentlich bin ich aber ganz locker darangegangen. Ich habe irgendwann gesehen, dass es Leute gibt, die ich mitnehmen kann. Das hatte vor allem mit meiner großen Begeisterung für das Skateboarding zu tun und mit Glaubwürdigkeit. Wenn alle daran glauben, dass ich da erfolgreich etwas aufbaue und alle das Gefühl haben, wenn sie da mitmachen, haben sie Teil am Erfolg, dann ist diese Art der Führung schon mal ganz natürlich gelaufen.

Im Zuge des Börsencrashs stand Dein Unternehmen am Abgrund und kurz vor der Pleite. Zusammen mit Deiner Frau Brigitta hast Du es dann aber doch wieder geschafft, „Titus“ auf Kurs zu bringen. Wie schafft man es, in solch einer Krisensituation wieder die richtigen Entscheidungen zu treffen?

Titus: Ich muss ehrlich gestehen, dass ich viel zu lange gebraucht habe, um wieder eine Entscheidung zu treffen.

Erstmal ist es wichtig, selbstkritisch zu sein und sich einzugestehen, dass man Fehler gemacht hat. Klar, lag es vor allem daran, dass die Börse gecrasht ist, aber ich gestehe mir auch ein, dass ich mit schuld daran war.

Ich hab mich verzockt und darüber habe ich mich geärgert. Das war der erste Fehler.

Der zweite war, dass ich es zugelassen habe, dass erst die Investoren in unser operatives Geschäft eingriffen und als die weg waren, wir Bankberater im Unternehmen sitzen hatten.

Irgendwann kam der Moment, an dem Brigitta und ich merkten, dass das Leben so für uns nicht mehr lebenswert war, dass das, wonach wir immer gestrebt hatten, ­ Selbstverwirklichung und Selbstbestimmtheit­, gar nicht mehr vorhanden war. Das war ein sehr emotionaler Moment und hat uns zu der entscheidenden Erkenntnis gebracht, dass wir so nicht weiterleben wollen.

Wir haben uns gefragt, in welcher Lebensphase wir am glücklichsten waren. Und das war eigentlich die Zeit, als wir am wenigsten Geld hatten, als wir als Studenten mit einer Ente in die Sahara gefahren sind. Da waren wir selbstbestimmt, kreativ und spontan.

Das hat uns klargemacht: Lieber Sahara, als uns weiterhin fremdbestimmen zu lassen. Wir haben uns quasi innerhalb von einer Stunde von allem Materiellen mehr oder weniger gelöst.

Wenn Plan A nicht klappen würde, das Unternehmen wieder aufzubauen, hatten wir jetzt einen Plan B. Und von Plan B waren wir so begeistert, dass wir fast traurig waren, dass Plan A dann doch funktioniert hat.

Inzwischen führt Dein Sohn Dein Unternehmen „Titus“ und Du engagierst Dich für Deine Stiftung und skate-aid. Was bedeutet Social Entrepreneurship für Dich?

Im Prinzip ist das „knüppelhartes“ Unternehmertum, nur noch komplexer, weil die steuerliche Gesetzgebung zwischen Gemeinnützigkeit und Kommerzialität unterscheidet.

Diese beiden Welten wurden in unserer Gesellschaft noch nie so richtig zusammengebracht. Auf der einen Seite haben wir die Idealisten und auf der anderen Seite die Geschäftsleute. Für mich ist es wichtig zu zeigen, dass man auch ein verantwortungsvoller Unternehmer sein kann. Das widerspricht sich nicht.

Genauso wichtig ist es mir zu zeigen, dass jemand, der eine Stiftung hat, unternehmerisch effektiv und effizient mit den Spendengeldern umgehen sollte, weil man dann auch seine Ziele viel besser erreichen kann. Zwar hat sich im Social Business schon einiges dahingehend getan, dass immer unternehmerischer gehandelt wird.

Es muss aber auch von der Gesellschaft akzeptiert werden. Man braucht Professionalität im Gemeinnützigen. Deshalb habe ich auch in der Gemeinnützigkeit den Ehrgeiz, dort Strategien zu entwickeln und Wege zu finden, wie ich das sinnvoll zusammenbringen und optimieren kann.

Titus Dittmann skate-aid

Titus Dittmann im Einsatz für skate-aid (Foto: Maurice Ressel)

Wie sieht das konkret in Deinem Social Business aus? 

Es gibt kein komplizierteres Steuerrecht als in der Gemeinnützigkeit.

Deswegen habe ich unter die Stiftung eine GmbH gesetzt, die zu 100 Prozent der Titus Dittmann Stiftung gehört. In dieser GmbH kann ich klassisches Business betreiben, ohne dass mir einer sagt, dass das die Gemeinnützigkeit gefährdet.

Auf dieser Basis kann ich jetzt mit meiner jahrzehntelangen Erfahrung als Unternehmer skate-aid hochziehen. Die Marke, die ja der Stiftung gehört, ist jetzt schon so stark, dass wir dafür eine Masterlizenz an die Tochterfirma vergeben haben. Und die Tochterfirma macht dann Lizenzverträge, wenn sie gemeinsam mit anderen Unternehmen Kollabo-Produkte entwickelt.

Die Lizenzgebühren gehen nun unten in die GmbH kommerziell rein, werden ganz normal versteuert, aber der Rest geht hoch in die Stiftung. Unternehmerisch effektiver kann man Gemeinnützigkeit nicht machen, finde ich.

Der Unterschied ist, dass das Geld nicht mehr in eine Gesellschaft geht, die mir gehört, sondern in eine Stiftung, die dem Gemeinwohl dient.

So lebe ich Social Entrepreneurship.


Titus Dittmanns Tipps für Gründer

1) Stärke Deine Stärken und bekenne Dich zu Deinen Schwächen!

Das schöne dabei ist: Das zu machen und umzusetzen, worin man stark ist, das belastet einen nicht. Wenn man aber vorgibt stark zu sein, worin man in Wirklichkeit schwach ist, das macht einen kaputt. Es ist viel effizienter, seine Stärken zu stärken und seine Schwächen offen zu bekennen. In dem Moment, wenn man sagt, dass man etwas nicht kann, ist man unangreifbar. Und authentisch!

2) Such Dir einen Job, den du liebst und du wirst nie mehr arbeiten müssen, sagt Konfuzius.

Das möchte ich kombinieren einem Satz von Hirnforscher Gerald Hüther: „Begeisterung ist wie Dünger für das Gehirn.“

Die beiden Sätze passen wunderbar zusammen. Alles, was der Mensch mit Begeisterung tut, das fällt ihm leicht.

Die emotionale Seite wird im Unternehmertum oft viel zu wenig berücksichtigt. Erfolgreiche Unternehmer aber sind meistens Leute, die Spaß an dem haben, was sie tun.

Ohne Begeisterung kann man eigentlich gar nicht erfolgreich sein. Auch den Stress oder die viele Zeit, die man arbeitet, kann man ohne Begeisterung kaum aushalten. Ich bin von Natur aus überhaupt nur in der Lage, Leistung zu bringen, wenn ich Spaß daran habe.

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