Gründer und Startups

Priamo: Bochumer Gründerinnen kreieren Lifestyle-Getränk

Priamo

Die Geschäftsidee: Ein Lifestyle-Getränk für Frauen – kalorienarm, ohne Alkohol und trotzdem cool.

Priamo – oder: Wie man systematisch eine Geschäftsidee entwickelt

Von Carmen Radeck

Bochum. Zuerst ist die Geschäftsidee da, die einen nicht mehr loslässt, dann der Entschluss, sich damit selbstständig zu machen. So habe ich es bisher von Gründern gehört. Bei den Bochumer Gründerinnen Carina Huvers und Bianca Richter und ihrem Getränkelabel Priamo allerdings lief es genau andersherum.

Traum nach dem Studium: Das eigene Unternehmen gründen

Priamo Gründerinnen Bianca Richter und Carina Huvers

Die beiden Priamo-Gründerinnen Bianca Richter (l.) und Carina Huvers (Foto: Priamo)

Das eigene Unternehmen aufzuziehen und ein Produkt erfolgreich am Markt zu etablieren – das war Carinas und Biancas „ernstzunehmender Traum“ schon während sie zusammen an der Ruhr-Uni Marketing studierten, erzählt Bianca, als wir uns zum Interview in Bochum treffen. Ihr Produkt, das die beiden für ihr Startup entwickelten, hat sie auch dabei: „Priamo“ –  ein schickes Lifestyle-Getränk für Frauen, ganz ohne Alkohol, kalorienarm und ohne künstlichen Zucker.

Nicht mal ein Jahr haben Bianca und Carina gebraucht, um aus der bloßen Idee, Unternehmerin zu werden, ein eigenes Produkt zu entwickeln und mit einer gut geplanten Marketingstrategie auf den Markt zu bringen. Dabei gingen die beiden ganz systematisch vor – angefangen bei der Ideenfindung für ein erfolgversprechendes Produkt.

Eine Geschäftsidee muss her

„Wir haben bei uns selbst als Zielgruppe angesetzt“, sagt Bianca. Die Idee, ein eigenes Getränk zu entwickeln, kam den beiden ziemlich schnell. Nicht den nächsten Energy-Drink, wie Bianca sagt, „sondern schon etwas Sinnhaftes“. Ein Getränk, das Stil hat, ein Kultgetränk für Frauen zum Anstoßen, aber ohne Alkohol. „Das war etwas, was wir selbst in den Getränkeregalen im Supermarkt vermissten“, sagt Bianca.

Also legten sie zuerst ein paar weitere Parameter fest: Kein künstlicher Zucker und als Hauptgeschmack Cranberry. Warum? „Diese Frucht war uns einfach sympathisch“, sagt Bianca schmunzelnd. Wie Sekt prickeln sollte ihr Getränk auch, und um der Cranberry noch etwas Hippes mitzugeben, dachten sich Carina und Bianca noch einen Schuss Mate mit hinzu.

Den Prototyp entwickeln – Try & Error

Soweit die Theorie. Dann ging’s ans Mischen. Erfahrungen hatten die beiden damit noch nicht. Das bekamen sie auch gleich zu spüren, bzw. zu schmecken. „Die ersten Versuche waren schlimm“, erzählt Bianca schmunzelnd. Doch nach einer Weile Try and Error fanden die beiden eine Basis, mit der sie arbeiten konnten.

Der erste Markttest

Mit der ersten vorzeigbaren Mischung starteten sie gleich einen ersten Markttest, besuchten einen Weinhändler in der Gegend, und fragten einfach mal, ob er ihre Kreation probieren würde. Das machte er auch. „Wir haben ganz viel positives Feedback bekommen“, erzählt Bianca. Als nächste Testkunden war dann ihre Hauptzielgruppe an der Reihe. Dazu steuerten sie Unternehmen an, in denen sich diese vorzugsweise aufhält: Friseure, Wellnessbäder und Fitnessstudios. Die Unternehmen zeigten sich großenteils aufgeschlossen, das Feedback der Probandinnen fiel durchweg positiv aus.

Aus dem Prototyp ein professionelles Produkt herstellen

Priamo Lifestyle Getränk für Frauen

Aus dem selbstgemischten Prototyp wird ein professionelles Produkt. (Foto: Priamo)

Das genügte den beiden, um den nächsten Schritt zu machen und auf Basis ihrer eigenen Mischung ein professionelles Getränk herstellen zu lassen. Um ein Unternehmen zu finden, dass ihnen ihr Getränk herstellt, recherchierten Bianca und Carina vor allem im Internet. „Wir haben viel herumtelefoniert“, sagt Bianca. Ein paar Rückschläge mussten sie dabei auch kassieren. „Manchmal wurden wir einfach nicht ernstgenommen.“ Fündig wurden sie aber schließlich doch und zwar in Frankfurt bei tropextrakt, einem Spezialisten für tropische Früchte. Nach einem Besuch vor Ort ließen Bianca und Carina dort ein Rezept für ihr Getränk entwickeln. Als weiteren Handelspartner fanden sie mit EB Secco auch einen Abfüller.

Dem Kind einen Namen geben: Priamo

Fehlte eigentlich nur noch eins: einen passenden Namen zu finden. „Das war wirklich superschwer“, sagt Bianca. Wichtigstes Tool der beiden in dieser Phase: Google. Nach unzähligen Wortschöpfungen und -kombinationen schwebte dann „Priamo“ im Raum – und beide wussten: Das ist er. „Priamo klingt italienisch, und man hat sofort den Song Ti amo im Ohr“, sagt Bianca. Mit der Namensfindung konnten die beiden auch das Design für Flasche, Etikett und Werbemittel in Auftrag geben. Dazu wurde eine professionelle Grafikerin mit ins Boot geholt.

Website ist fertig, 2000 Flaschen am Lager

Danach ging alles ganz schnell. Am 1. April dieses Jahres gingen die beiden mit ihrer Website online, zehn Tage später wurden die ersten Flaschen abgefüllt. Mit insgesamt 2.000 Stück wollten sie an den Start gehen. Das Ziel der beiden: Bis zum Ende des Jahres sollen alle Flaschen verkauft sein.

Neben der Website nutzen Carina und Bianca vor allem Facebook als Online-Kanal. Auf der Priamo-Fanpage können Fans die einzelnen Schritte des Unternehmens live mitverfolgen.

Marketing und Akquise

Mit 2.000 Flaschen am Lager in Bochum Ehrenfeld startete für die beiden Unternehmerinnen auch die Phase, die bis jetzt noch zu ihrer Hauptbeschäftigung gehört: Akquise. Hier setzten sie von Anfang an auf Direktansprache. „Das persönliche Gespräch ist einfach am besten“, sagt Bianca. Denn sie selbst können ihr eigenes Produkt viel emotionaler und authentischer vermarkten, als ein externes Unternehmen das könnte.

„Unser Kerngeschäft sehen wir bei Gewerbekunden, wo sich unsere Zielgruppe aufhält.“ Dort starteten Bianca und Carina auch ihre ersten Verköstigungen – vom Weinladen bis zur Eisdiele.

Auch nach geeigneten Messen halten die beiden Ausschau. So präsentierten sich sie ihr Unternehmen im September mit einer kleinen, aber feinen Lounge auf der Frauenmesse „SHE“ in Gelsenkirchen.

Finanzierung: „Wir sind ein Lowbudget-Startup“

Finanziert haben Carina und Bianca ihr Gründungsprojekt hauptsächlich aus eigenen Mitteln und mit Unterstützung aus den Familien. „Wir sind ein Lowbudget-Startup“, sagt Bianca. Hohe Investitionen kamen für beide nicht infrage. „Wir waren uns von Anfang an bewusst, dass das Projekt auch scheitern könnte. Getränke ist eine schwierige Branche“, sagt Bianca. Deshalb war es ihnen auch wichtig, neben ihrer Selbstständigkeit noch einen festen Job zu haben.

Eigener Online-Shop und amazon

Doch soweit wollen es Bianca und Carina gar nicht erst kommen lassen. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft können auch Endkundinnen das neue Kultgetränk bestellen: Im hauseigenen Priamo-Onlineshop oder bei amazon.


Kontakt zu Bianca und Carina von Priamo:

Internet: www.ilovepriamo.com

E-Mail: info @ ilovepriamo.com

 

3 Kommentare

  • […] Die beiden Marketing-Absolventinnen entwickelten mit Priamo ein eigenes Lifestyle-Getränk und macht… Zwar kannten sie sich mit Lebensmitteln selbst nicht aus, holten sich deswegen von Anfang an Partner mit ins Boot. Mit ihrem Produkt gingen sie noch in der Entwicklungsphase auf den Markt, testeten, verbesserten, holten sich weitere Partner an Bord. Das Marketing übernahmen sie selbst, putzten Klinken, präsentierten sich auf Messen, die Presse wurde aufmerksam, RTL Fernsehen berichtete, was am folgenden Tag für einen Bestell-Rekord sorgte. […]

  • Das hört sich nach einem wunderbaren klassischen Start-UP an. Wiederholt ihr eure Interviews mit den selben Leuten? Ich denke noch interessanter ist es meist zu sehen wie sich diese Firmen entwickelt haben 😉

    • Hallo Lasse,

      vielen Dank für Dein Feedback! Ja, die Idee, ein paar Startups noch mal zu besuchen und zu gucken, wie sie sich entwickelt haben, habe ich schon lang im Hinterkopf. Mit Brickspaces habe ich das schon gemacht – und Priamo wäre auf jeden Fall ein Kandidat für ein weiteres Nachhak-Interview!

      Viele Grüße,
      Carmen

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