Gründer und Startups

Neues Schwarz: Gründerwettbewerb als persönliche Challenge

Benedikt Heitmann Neues Schwarz

Benedikt Heitmann in seiner Kaffeerösterei Neues Schwarz (Foto: Carmen Radeck)

Neues Schwarz nutzt Gründerwettbewerb start2grow als Challenge

Unwiderstehlicher Kaffeeduft strömt durch die geöffnete Ladentür an der Saarlandstraße 33. Man kann gar nicht anders, als durch diese Tür zu gehen, immer dem Duft entgegen. Dort wartet schon Benedikt Heitmann hinter der Theke mit einem frisch gebrühten Kaffee seiner eigenen Röstung. Im März hat der 32-jährige Gründer hier seine Kaffeerösterei Neues Schwarz eröffnet, um in Dortmund eine ganz neue Kaffeekultur zu etablieren.

Kaffee als anderes Produkt präsentieren

Neues Schwarz Kaffee von Hand gebrüht

Kaffee wird hier von Hand gebrüht. (Foto: Carmen Radeck)

Kaffee wird bei Neues Schwarz nicht konsumiert, sondern zelebriert. Das fängt schon bei der Zubereitung an. Filterkaffee kommt hier nicht aus der Maschine, sondern wird von Hand gebrüht, wie man es vielleicht noch von der Oma kennt. Das “Kännchen” ist bei Neues Schwarz eine schicke Glaskaraffe, die man zusammen mit einem kleinen bauchigen Kaffee-Glas auf einem Holzbrettchen serviert bekommt. Milch und Zucker? Fehlanzeige. „Das wäre so, als ob man Milch in Champagner gießt“, sagt Benedikt mit verschmitztem Grinsen, aber einem Gesichtsausdruck, der es durchaus ernst meint. Mit seiner Rösterei möchte er Kaffee als anderes, ganz neues Produkt präsentieren – nicht so, wie man es normalerweise kennt.

Ungeahnte Aromenvielfalt – von fruchtig bis schokoladig

Der erste Schluck überrascht. Mit dem Geschmack, den man vom Morgenkaffee aus der heimischen Maschine kennt, hat das hier wenig zu tun: Gar nicht bitter, dafür erstaunlich fruchtig.

Den Unterschied zum Kaffee aus dem Supermarkt macht nicht nur die Qualität der Bohnen, sondern vor allem auch die Art und Weise, wie Benedikt den Kaffee röstet. “Es gibt bis zu 1000 verschiedene Kaffee-Aromen”, sagt er. Von fruchtig über nussig bis hin zu schokoladig. Gehen mit der eher dunklen, industriellen Röstung die meisten Aromen verloren, verfolgt Benedikt einen anderen Ansatz: den der hellen Röstung. “Unsere Philosophie ist, nur so weit zu rösten, dass der Ursprung an Aromen erhalten bleibt”.

Geschäftsidee aus Nürnberg mitgebracht

Die Geschäftsidee, eine eigene Kaffeerösterei mit Ausschank, der sogenannten Brewbar, zu starten, hat Benedikt aus Nürnberg mitgebracht. Als studierter Raumplaner hatte er dort eigentlich einen Job in einem Planungsbüro. Vom permanenten Kaffeeduft aus der benachbarten Rösterei angelockt, wurde Benedikt dort erst zum Stammkunden. „Dabei mochte ich Kaffee gar nicht. Der Geschmack war mir immer zu bitter.“

In der Kaffeerösterei eröffnete sich ihm dann eine ganz neue Welt der Aromen. Mit der Zeit entwickelte sich Benedikt vom Stammkunden zunehmend zum echten Kaffeeexperten, und es folgte der nächste logische Schritt: Er fing in der Kaffeerösterei einen Job an, lernte alles über Aromen, Kaffeekirschen, verschiedene Qualitäten von Bohnen und vor allem über das Rösten.

Doch nicht nur das lernte er in Nürnberg. Bei Eröffnung einer weiteren Filiale war Benedikt maßgeblich an der Planung mitbeteiligt und bekam Benedikt einen Eindruck davon, was nötig ist, um eine eigene Rösterei zu starten und mit welchen Kosten man rechnen muss. “Eine Siedemaschine kostet so viel wie ein Kleinwagen“, erzählt Benedikt.

Teambuilding und Businessplan

Als für Benedikt feststand, dass er wieder zu Familie und Freunden ins Ruhrgebiet zurückkehren will, nahm die Idee Form an, in Dortmund mit einer eigenen Rösterei zu starten. Mit ins Boot holte er seinen Bruder Johannes für die Finanzen und seine Freundin Felicitas fürs Corporate Design.

Um das Gründungsprojekt auch wirklich durchzuziehen, suchten die drei Gründer nach einem Gründerwettbewerb: mehr als persönliche Challenge, um den Businessplan in der vorgegebenen Frist auch wirklich fertigzustellen, als mit dem Ziel den Wettbewerb zu gewinnen. Am Ende hatten sie nicht nur einen Businessplan, sondern belegten gleich noch den mit 5000 Euro dotierten dritten Platz bei start2grow.

start2grow als Türöffner für Gründerkredit und Ladenlokal

Neues Schwarz Kaffeerösterei

Im hinteren Bereich röstet Benedikt jeden Montag seinen Kaffee. (Foto: Carmen Radeck)

„start2grow war für uns ein Türöffner“, sagt Benedikt. Neben dem Preisgeld bekam das Team einen Gründerkredit der KfW Bank bewilligt und erhielt den Zuschlag für ihr Wunsch-Ladenlokal an der Saarlandstraße: Ein großer, heller Raum, hohe Decken, viele Fenster. Die Einrichtung ist rustikal-schick mit viel Holz und offenem Blick über die Theke hinaus zur Röstmaschine und den typischen Jutesäcken mit Kaffeebohnen.

Für die Planung der Einrichtung ihres Ladens haben Benedikt und sein Team einen Ladenbau-Studenten engagiert, der das Projekt zu seiner Bachelorarbeit gemacht hat. Die Umsetzung in die Wirklichkeit hat das Team selbst übernommen.

„Wir haben hier alles selbst gemacht“, sagt Benedikt: Wände gestrichen, die Holzeinrichtung gebaut, Kupferrohre an die Wände angebracht, die Beleuchtung an die hohe Decke angebracht. Bis zum letzten Tag vor der Eröffnung haben sie gewerkelt. Den Ablauf und Fortschritt haben sie auf Facebook und Instagram festgehalten.

Das Ziel: In Dortmund eine neue Kaffeekultur etablieren

Seit März können sich die Dortmunder nun davon überzeugen, wie echter Gourmet-Kaffee schmecken kann. Als Zielgruppe hat Benedikt vor allem das jüngere Publikum im Visier, das sich gern etwas gönnt, Kaffee nicht konsumiert, sondern genießt und dabei auf hohe Qualität setzt.

Beim Marketing setzt er vor allem die Social Media Kanäle Facebook und Instagram mit stimmungsvollen Bildern und Geschichten aus der Brewbar. Seinen selbst gerösteten Kaffee verkauft er in seinem Laden, wenn gewünscht auch mit dem nötigen Equipment.

Doch das Publikum von dieser anderen Art der Röstung und dem besonderen Geschmack zu überzeugen, dazu bedarf es erstmal eine gute Portion Überzeugungsarbeit. „Das hatte ich ein bisschen unterschätzt“, gibt Benedikt zu.

Mit offenen Cuppings, also Verkostungen verschiedener Röstungen, und Kooperationen mit beispielsweise der Bieragentur Dortmund oder dem fast zeitgleich gestarteten Startup für regionale Lebensmittel “Der Hans” will Neues Schwarz nun seinen Kaffee in der Region bekannt machen und in Dortmund eine neue Kaffeekultur etablieren.


Euer Kontakt zu Benedikt und Neues Schwarz:

Web: www.neuesschwarz.de

E-Mail: info@neuesschwarz.de

Adresse: Saarlandstr. 33, Dortmund

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