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Impact Investing: Good Profits will mit Geldanlagen die Welt verbessern

Good Profits: Mit Impact Investing Geld verdienen

Sebastian Grothaus (l.) und Dirk Stiller von Good Profits (Foto: Good Profits)

Impact Investing: Geld verdienen und die Welt ein bisschen besser machen

Geld verdienen und dabei die Welt ein bisschen besser machen. Das ist das Ziel von Good Profits. Impact Investing heißt hier das Zauberwort. Gemeint ist die Kapitalanlage in soziale Unternehmen.

Eine solche Geldanlage bieten Sebastian Grothaus und Dirk Stiller mit ihrem Unternehmen Good Profits an. Mit Africa GreenTec haben sie gerade in das siebte Sozial-Unternehmen investiert. Weitere sollen hinzukommen.

Das erfahrt Ihr im Interview mit Sebastian und Dirk:

  • wie es dazu kam, dass ein Sportschau-Mitarbeiter und ein Ingenieur zusammen ein Investment-Unternehmen gründen
  • welche Hürden man überwinden muss, wenn das Geschäftsmodell mit Kapitalanlage zu tun hat
  • wie Geld verdienen und Welt verbessern zusammenpasst
  • welche Erfahrungen die beiden als Gründer gemacht haben

Hallo Sebastian und Dirk, was ist Good Profits?

Dirk: Wir investieren mit Good Profits in Unternehmen, die die Welt verbessern, z.B. durch besonderes soziales Engagement, Umweltschutz, Arbeitsplätze für Benachteiligte oder gesunde Ernährung.

Unser Motiv: durch Investitionen in soziale Unternehmen einen gesellschaftlichen Nutzen erwirken und entsprechende Gewinne daraus erzielen.

Ob man uns als Investmentfirma, Beteiligungsgesellschaft, Inkubator oder noch anders bezeichnet, ist uns eigentlich relativ egal. Wir möchten langfristig und partnerschaftlich in Sozialunternehmen investieren und zum Erfolg verhelfen.

Unser zweites Grundmotiv besteht darin, eine einfache, faire und transparente Geldanlage anzubieten. Der dazu gehörende Verkaufsprospekt wurde kürzlich durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligt und wir können nun so richtig loslegen.

Wie ist die Idee zu Good Profits entstanden?

Sebastian: Dirk und ich haben eine Zeit lag erfolgreich miteinander gearbeitet und investiert. Das war uns aber eindeutig zu wenig, wir wollten etwas in der Welt bewegen und unserem Handeln einen tieferen Sinn geben.

Zum Thema Geld haben wir die Einstellung, dass es eine Ressource ist, mit der man eine bestimmte Wirkung erzielen kann – im Schlechten, aber eben auch im Guten.

Also war die erste Idee, einen Teil der Gewinne unserer Investitionen zu spenden. Klang für uns erst einmal gut, wurde aber nicht wirklich angenommen.

Wir beschlossen, mit einer Strategie-Coachin zu arbeiten, Marion Lang aus München.

Das ist übrigens ein Tipp, den wir allen Gründern geben: nehmt euch Hilfe!

Wir kamen dort zu der Erkenntnis, dass der Hebel viel größer ist, wenn wir direkt in Unternehmen investieren, die Gutes für Umwelt und Gesellschaft tun – anstatt mit Investitionen in „normale“ Unternehmen Geld zu verdienen und es dann zu spenden.

Es gibt da ein sehr passendes Zitat vom Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus: „A charity dollar has only one life, a social business dollar can be invested over and over again“.

Wer ist Eure Zielgruppe und wie macht Ihr Euch bekannt bzw. was ist Eure Marketingstrategie?

Dirk: Wir haben uns ganz am Anfang eine elementare Frage gestellt: mit wem möchten wir täglich zu tun haben – als Kunde und auch als Geschäftspartner?

Die Antwort: soziale und nachhaltig denkende Unternehmer, die etwas bewegen wollen.

Die Förderung profitorientierter sozial motivierter Unternehmen stellt für uns den größten Hebel dar, um mit Kapital positive Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft zu erreichen. Wenn wir nämlich genau diejenigen fördern, die mit unternehmerischen Mitteln – also mit den Ressourcen, die sie mit ihren Unternehmen zur Verfügung haben – zu Gunsten der Gesellschaft arbeiten, können wir unendlich viel bewirken.

Der Hebel ist deshalb so groß, weil das Geld genau da hin kommt, wo es etwas Gutes bewirkt und gleichzeitig wachsen kann. Genau wie das Unternehmen, das es fördert.

Sebastian: Grundsätzlich ist jeder als Anleger willkommen, aber genau solche nachhaltig denkenden Unternehmer bilden den Kern unserer Zielgruppe für unser Angebot. Natürlich sind das dann Unternehmer, die schon etwas erreicht haben und entsprechende Ressourcen haben, um andere Sozialunternehmer zu fördern – indem sie bei Good Profits anlegen.

Die Mindestanlagesumme beträgt 5.000 Euro, die legt man nicht einfach so im Vorbeigehen an. Daher wird der Vertrieb auch zunächst über Finanzdienstleister gehen, die unsere Kunden umfassend beraten können. Unser Marketing dient vor allem der Transparenz und somit dem Aufbau von Vertrauen. Das entspricht unseren Werten und ist in unserem Bereich essentiell.

Geschäftsideen, die mit Kapitalanlage zu tun haben, sind nicht so einfach umzusetzen. Welche besonderen Hürden gab es und welche Erfahrungen habt Ihr gemacht?

Dirk: Oje, wo sollen wir anfangen?

Zunächst einmal wissen wir, dass man sich in diesem Bereich ständig auf neue Umstände gefasst machen muss. Deshalb haben wir uns von Anfang an einen auf Kapitalanlagen spezialisierten Anwalt mit ins Team geholt.

Sehr oft kamen wir mit den tollsten Ideen zu ihm, nur um dann zu hören „schlagt euch das mal schön aus dem Kopf“.

Sebastian: Die weitreichendste Änderung war die Einführung des Kleinanlegerschutzgesetzes 2015, kurz nach unserer Gründung. Dadurch müssen für viele Kapitalanlagen – unter anderem auch für das von uns emittierte Nachrangdarlehen – ein Verkaufsprospekt erstellt werden.

Hört sich harmlos an, aber unser Prospekt umfasst über 100 Seiten und die Prüfung durch die BaFin hat exakt sieben Monate gedauert.

Diese nun endlich genommene Hürde war neben der Investition in Africa GreenTec eindeutig unser größter Meilenstein.

Aber trotz aller Mühen muss man eines festhalten: Grundsätzlich ist es ja eine gute Sache, wenn Kapitalanlagen gut geprüft werden. Und wir freuen uns, diesen Schritt nun geschafft zu haben.

Wer gehört zu Eurem Team, was ist Euer Background und wie habt Ihr Euch gefunden?

Sebastian: Wir haben zu zweit gegründet und beschäftigen mittlerweile vier Teilzeitangestellte in den Bereichen Buchhaltung, Sekretariat und Recherche.

Hinzu kommt ein Netzwerk aus externen Experten, die wir uns sehr sorgfältig ausgewählt haben, z.B. Anwalt, Steuerberater und Kommunikationsfachmann.

Unser Background ist für eine Investmentfirma eher ungewöhnlich: Dirk ist Diplom-Ingenieur der Verfahrenstechnik, ich habe Sport studiert und elf Jahre bei der Sportschau gearbeitet.

Als gemeinsame Basis haben wir aber die Leidenschaft für finanzielle Bildung und Unternehmertum. Wir haben viele ähnliche Glaubenssätze und harmonieren sehr gut miteinander, vor allem, wenn wir einmal nicht einer Meinung sind. Wir finden dann trotzdem fast immer zu einer sehr guten Lösung, mit der beide glücklich sind.

Kennengelernt haben wir uns auf einem Investmentseminar, so dass wir auch nicht lange gebraucht haben, um unsere Gemeinsamkeiten herauszufinden.

Dirk: Über unsere Unterschiede müssen wir manchmal schmunzeln, z.B. hat Sebastian überhaupt keine Ahnung von Chemie oder Physik, dafür habe ich in meinem Leben gefühlt noch nie ein Fußballspiel gesehen. Aber für Good Profits ist zum Glück weder das eine noch das andere relevant.

Wie finanziert Ihr Euer Unternehmen?

Sebastian: Wir haben beide freiwillig das eingezahlte Stammkapital auf insgesamt 50.000 Euro verdoppelt.

Hinzu kamen noch 40.000 Euro Eigenkapital von zwei stillen Gesellschaftern.

Die weitere Finanzierung erfolgt über das von uns ausgegebene Nachrangdarlehen – wobei die drei Millionen aus der Erstemission auch nur der Anfang sein sollen.

Mit dem so eingeworbenen Geld finanzieren wir unsere Investitionen, Übernahmen und weitere Eigengründungen unter unserem Dach, aus denen dann die Gewinne erzielt werden sollen.

Förderdarlehen oder Bankkredite haben wir bisher übrigens nicht in Anspruch genommen.

Wo steht Ihr gerade und was sind die nächsten wichtigen Meilensteine?

Sebastian: Zwei ganz wichtige und lang ersehnte Puzzlesteine haben wir kürzlich eingefügt. Zum einen natürlich die Billigung unseres Verkaufsprospektes, so dass wir nun endlich mit dem richtigen Vertrieb unserer Geldanlage anfangen durften.

Zum anderen die Investition in Africa GreenTec, die für alle Beteiligten eine riesige Chance darstellt – hauptsächlich für die Menschen in den afrikanischen Ländern, die durch die Solarcontainer an günstigen und sauberen Strom gelangen.

Für uns ist es die Möglichkeit zu beweisen, dass man mit Investitionen in die richtigen Unternehmen nicht nur viel Geld verdienen, sondern auch die Welt verbessern kann.

Genau das ist ja unser Anliegen und der Grund, warum wir das alles tun.

Dirk: Die Überleitung zu unseren nächsten Zielen ist ganz einfach: wir haben die Option, weitere 150.000 Euro in Africa GreenTec zu investieren und diese Möglichkeit möchten wir auch unbedingt nutzen.

Das geht aber nur, wenn wir nun relativ schnell viele Anleger für uns gewinnen.

Abgesehen davon gibt es da draußen so viele andere tolle Unternehmen, die großes Potential haben, um die Welt zu verbessern und Geld zu verdienen – übrigens auch im Ruhrgebiet.

Die Bereiche Social Entrepreneurship und Impact Investing wachsen in Deutschland sehr stark und wir sind froh und stolz, Teil dieser Bewegung zu sein.

Was war bisher Euer wichtigstes Learning, das Ihr als Gründer gemacht habt?

Sebastian: Wenn man ein Unternehmen gründen und nicht einfach nur selbständig sein möchte, braucht man Systeme und Prozesse, und zwar von Anfang an.

Die großen Unternehmen dieser Welt haben schon im kleinen angefangen, sich wie große Unternehmen zu verhalten.

Und auch wenn uns das vorher bewusst war, haben wir einfach gemerkt, wie schwierig es ist, sich vor lauter Tagesgeschäft auf diese strategische Arbeit zu konzentrieren.

Dirk: Und: Alles dauert drei Mal so lang wie gedacht und ist doppelt so teuer!

Daher sind unserer Meinung nach zwei Eigenschaften für jeden Gründer essentiell. Erstens: der Wille, sich ständig zu verbessern und zu lernen. Zweitens: Durchhaltevermögen!

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