Gründerstory

Zolitron aus Bochum im Interview [ruhr:HUB „Startup Of The Month“]

Zolitron aus Bochum (Foto: Zolitron Technology GmbH)
Carmen Radeck
Verfasst von Carmen Radeck

ruhr:HUB „Startup Of The Month“: Zolitron Technology

Einmal im Monat präsentiert der ruhr:HUB ein besonders vielversprechendes Startup aus der Region als „Startup of the Month“.

Für Juli 2018 freuen wir uns, das Bochumer IoT-Startup Zolitron Technology vorzustellen!

Zolitron realisiert die flächendeckende Digitalisierung von Industrie und Infrastruktur durch ihre energie- und kommunikationsautarken Sensornetzwerke.

Im Interview erzählt Ramona Flunkert, HR and Office Lead bei Zolitron, welche Umwege das Team um Gründer Arndt-Hendrik Zinn nehmen musste, um aus seiner innovativen Technologie ein marktfähiges Produkt zu schaffen.

Hallo Ramona, worum geht’s in Eurem Startup Zolitron?

Bisherige Ansätze zur Digitalisierung von Industrie, Infrastruktur und Logistik z.B. im Bereich Smart City oder Industrie 4.0, erfordern spezialisierte Sensoren, die hohe Installations- und Wartungskosten haben.

Für die Versorgung dieser mussten bislang Kabel gelegt werden oder Batterien müssen regelmäßig gewechselt werden. Hierdurch wurden viele Ideen in Pilotprojekten verfolgt, die anschließend jedoch aus Wirtschaftlichkeitsgründen nie flächendeckend umgesetzt wurden.

Hier kommen wir in’s Spiel: Wir verwandeln IoT-Pilotprojekte in flächendeckende Roll-outs durch unsere extrem skalierbare kognitive Sensorik.

Dazu haben wir Forschungsergebnisse aus der RUB, dem MIT und der Harvard University genutzt, um einen energie- und kommunikationsautarken Multisensor, die Z-Node, zu entwickeln.

Mit sehr geringen Installationskosten und ohne regelmäßige Wartungskosten werden über zehn Jahre unspezifische Umgebungsdaten wie Vibration, Schall, Magnetfelder und Position gemessen und direkt an unsere Z-Cloud Analytics Plattform gesendet.

„Wir möchten in Bochum die erste flächendeckende Smart Waste Lösung mit unserer Technologie umsetzen.“
Dort wandeln künstlich intelligente und selbstlernende Algorithmen diese unspezifischen Messdaten in relevante Erkenntnisse um.

Zunächst fokussieren wir uns auf den Bereich Smart Waste, wobei aus Vibration der Containerfüllstand errechnet wird, sowie Smart Traffic, wobei durch mehrere Sensoren der fließende und stehende Verkehr überwacht wird.

Eine Vielzahl weiterer Anwendungsszenarien ist in Zukunft denkbar.

Wie verdient Ihr damit Geld und wer sind Eure Kunden?

Hinter unserer Geschäftsidee steht in erster Linie ein Rent-Modell: Wir stellen die Z-Node zusammen mit der dazugehörigen Z-Cloud zur Verfügung und erheben eine monatliche Gebühr pro Einheit, abhängig von der Gesamtstückzahl und Vertragslaufzeit. Es ist aber auch möglich die Hardware komplett zu kaufen.

Aktuell sind unsere Kunden hauptsächlich kommunale und private Entsorger. Wir möchten in Bochum, unserer Heimat, die erste flächendeckende Smart Waste Lösung mit unserer Technologie umsetzen.

„Wenn wir ehrlich sind, sind wir den „verkehrten“ Weg zu unserer Idee gegangen.“
Wir streben aber bereits einen zweiten Use Case im Bereich Smart Traffic an, hierzu haben wir auch Fördermittel zur Entwicklung bereitgestellt bekommen und arbeiten an der Realisierung der ersten Pilotprojekte.

Wie ist die Idee entstanden?

Wenn wir ganz ehrlich zu uns selbst sind, sind wir den „verkehrten“ Weg zu unserer Idee gegangen bzw. rückwärts.

Der beste Weg, ein erfolgreiches Start-up aufzubauen ist es, ein Problem oder auch eine Marktlücke zu erkennen und passend für dieses Problem eine Lösung zu entwickeln.

Unser Gründer Arndt hat im Kontext seiner Doktorarbeit zusammen mit einem Freund von der Harvard University, der auch Mit-Gründer war, aber das Unternehmen aus persönlichen Gründen bereits sehr früh wieder verlassen hat, das Micro-Energy-Harvesting entwickelt.

Diese Technik ist die Grundlage für die Energieversorgung unserer Z-Node.

Am Anfang stand nur eine tolle Lösung, für die es noch keinen Anwendungskontext gab.

Diesen mussten wir uns also suchen!

„Am Anfang stand nur eine tolle Lösung, für die es noch keinen Anwendungskontext gab.“
Das bedeutet rückblickend, dass wir einige Umwege gegangen sind und auch einige Wege wieder zurück gehen mussten und die Anwendungsidee verworfen haben.

Zudem wurde es in der Wirtschaft, aber auch bei Investoren anfangs nicht gerne gesehen, dass bei uns die Lösung im Vordergrund stand.

Mittlerweile haben wir mindestens eine richtige Richtung gefunden, können uns vor Anfragen und potenziellen Anwendungsbereichen kaum retten und müssen daher darauf achten, dass wir den Fokus nicht verlieren.

Deswegen fokussieren wir aktuell „nur“ Smart Waste und Smart Traffic, die beiden Bereiche sind jedoch riesig und bisher sehr schwach und unbefriedigend digitalisiert.

Wie finanziert Ihr Euch?

Wir haben uns bisher aus ganz unterschiedlich Töpfen finanziert. Zum einem, besonders am Anfang, privat durch Eigenkapital, Freunde und Familie als Business Angels, aber auch über die ganze Zeit und wohl auch zukünftig durch öffentliche Förderprojekte z.B. vom BMBF, BMVI und dem Land Nordrhein-Westfalen.

Vom Land wurden wir auch bei der Ausgründung aus der Uni durch das Förderprogramm START-UP-Hochschul-Ausgründung unterstützt. Auch die EU hat uns mit dem Programm Horizon 2020 gefördert.

Dieses Jahr haben wir dann die ersten Investoren mit ins Boot geholt. Der HTGF hat in uns investiert, aber auch ein privater Investor und davor bereits die NRW.Bank.

„Unser größtes Kapital und unser größter Motivator ist unser Team. Wir sind ein super kollegiales Team und selbst wenn es intern mal knallt, steht am Ende des Tages jeder für jeden ein.“
Mit unseren Investoren haben wir nun starke Partner an Board.

Was treibt Euch an, Euch jeden Morgen aufs Neue ins Startup-Hustle zu stürzen?

Wir stehen morgens auf, schauen aus dem Fenster und denken: „Die Welt muss digitaler werden!“ Dann sehen wir die Sonne scheinen und denken uns „Aber nicht mit Batterien!“

Nein, Spaß beiseite, das Start-up-Leben ist nicht für jeden etwas, und so toll und smooth, wie es häufig in den Medien präsentiert wird, ist es einfach in der Realität nicht (immer).

Darüber sollte man sich bewusst sein, bevor man in die Selbstständigkeit startet.

An „Selbst und Ständig“ ist einfach auch etwas Wahres dran und es gibt die Nächte, in denen man schweißgebadet aufwacht…

Aber wir haben eben eine Vision und wollen diese verfolgen.

Unser größtes Kapital und unser größter Motivator ist, in meinen Augen, unser Team. Wir sind ein super kollegiales Team, pflegen einen freundschaftlichen Umgang und selbst wenn es intern mal knallt, steht am Ende des Tages jeder für jeden ein.

Allein dafür lohnt es sich jeden Tag aufzustehen!

Ihr steht als Unternehmer noch am Anfang. Wer sind Eure Vorbilder und warum?

Das ist eine schwierige Frage! Die einfache Antwort ist: Wir glauben an uns als Firma und unsere Idee!

„Krisen muss man einfach anpacken. Weinen, meckern und mit dem Schicksal hadern hat noch nie etwas verändert.“
Die kreative und mit einem Augenzwinkern zu verstehende Antwort ist: Dagobert Duck als bester und erfolgreichster Unternehmer aller Zeiten, Captain Jean-Luc Picard als unangefochtener Leader und Bertolt Brecht, denn wenn man ganz ehrlich ist, erinnert das Start-up-Leben manchmal an die Dreigroschenoper… 😉

Wenn’s mal nicht so rund läuft, was ist Eure Krisen-Strategie/was baut Euch wieder auf?

Da kann ich nur wieder auf unser Team verweisen. Die größte Stärke von Start-ups ist das Zusammenkommen von innovativen, pro-aktiven und charakterstarken Köpfen.

Wenn man eins lernt im Start-up: Problem erkennen und Lösung finden! Und das ganze bitte schnell…

Krisen muss man einfach anpacken und weiter gehen. Weinen, meckern und mit dem Schicksal hadern hat noch nie etwas verändert.

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Wenn man es aus der theoretischen Perspektive betrachtet, haben wir dieses Jahr die Seed-Phase hinter uns gelassen und sind gerade in der Start-up-Phase.

Die Sache nimmt also Fahrt auf!

Die ersten Pilotprojekte z.B. mit der USB Bochum GmbH laufen, weitere besonders im Bereich Smart Parking konzipieren sich aktuell.

In einem Monat geht die erste Version der Z-Cloud Analytics Platform auf den Markt und Ende des Jahres planen wir das erste Live Projects umzusetzen.

Wenn wir uns dann noch die nächsten Jahre ansehen, planen wir für 2019 das Series-A-Investment und 2020 wollen wir Marktführer für kognitive Sensorik sein.

In diesem Sinne: Think big!


ruhr:HUB ist die zentrale Anlaufstelle für die digitale Wirtschaft in der Region. Sein Ziel ist es, Startups und Unternehmen zu unterstützen und aktiv miteinander zu verknüpfen – mit Fokus auf B2B-Themen wie IT-Security, eHealth oder Industrial Technologies.

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