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Wie Unternehmerinnen die Nordstadt bewegen – ein Rundgang

Gingen auf Erkundungstour durch die Nordstadt: Teilnehmer und Veranstalter des Rundgangs "Wie Unternehmerinnen einen Stadtteil bewegen". Annette Kritzler (schwarzer Schal) leitete den Rundgang. (Foto: Carmen Radeck)

Gingen auf Erkundungstour durch die Nordstadt: Teilnehmer und Veranstalter des Rundgangs „Wie Unternehmerinnen einen Stadtteil bewegen“. Annette Kritzler (schwarzer Schal) leitete den Rundgang. (Foto: Carmen Radeck)

Dortmunder Nordstadt: Potenzial und Raum für Gründer und junge Unternehmen

Wie Unternehmerinnen die Nordstadt bewegen war Thema eines Spaziergangs im Rahmen der Unternehmenstage 2015 am vergangenen Montagabend, veranstaltet vom Kompetenzzentrum Frau und Beruf. Als Gründerin der BorsigplatzVerführungen übernahm Annette Kritzler passenderweise nicht nur die Moderation des Rundgangs. Sie steuerte gleich ihre eigene Unternehmensgeschichte bei und erzählte den rund 15 Teilnehmerinnen, wie man mit einem Nischenangebot in der Nordstadt ein erfolgreiches Unternehmen etablieren kann.

Die Nordstadt als Nische

Nun ist das Besondere bei den BorsigplatzVerführungen, dass die Nordstadt selbst die Nische ist. Seit zehn Jahren bieten Annette Kritzler zusammen mit Annette Plümpe Führungen durch die Nordstadt an. Vorrangiges Ziel: mit den gängigen Vorurteilen und Klischees über die Nordstadt aufräumen, und vielmehr die facettenreiche Geschichte vermitteln, die spannenden, aktuellen Entwicklungen und vor allem das Potenzial, das in diesem Stadtteil schlummert.

Gute Voraussetzungen für Gründer: günstige Mieten, starkes Wachstum

„Die Nordstadt ist der Ort in Dortmund, der am stärksten wächst und wo immer was los ist“, sagt Annette Kritzler zu Beginn der Runde. Gute Voraussetzungen für Gründer und junge Unternehmen, vor allem auch wegen günstiger Mietpreise, die Hubert Nagusch vom Nordstadtbüro der Wirtschaftsförderung zwischen sieben und zehn Euro pro Quadratmeter veranschlagt – kein Vergleich zu teuren Mieten in der City oder in anderen sich entwickelnden Stadtteilen wie Hörde. Flächen und Leerstand gibt es in der Nordstadt jedenfalls genug und damit viel Raum, auch mal etwas Ungewöhnliches auszuprobieren.

Raum und Möglichkeiten für Experimente: Das ConcordiArt

Ute Ellermann schildert die Entwicklung, die das KreativKaufhaus am Borsigplatz bisher gemacht hat. (Foto: Carmen Radeck)

Ute Ellermann schildert die Entwicklung, die das KreativKaufhaus am Borsigplatz bisher gemacht hat. (Foto: Carmen Radeck)

Solch ein eher experimentelles Projekt ist das kreative Kaufhaus ConcordiArt direkt am Borsigplatz und erste Station des Unternehmerinnen-Spaziergangs. Dabei ist das ConcordiArt als Anschauungsobjekt gleich in doppelter Hinsicht interessant. Zum einen, weil das Projekt selbst noch in der Startphase steckt – im Mai 2014 wurde es eröffnet – zum anderen, weil es Regale und Präsentationsflächen vor allem an Gründer und Kreative vermietet, die sich kein eigenes Ladenlokal leisten können und so die Möglichkeit bekommen, ihre Produkte und Werke nicht nur auszustellen, sondern dort auch zu verkaufen, ohne immer selbst vor Ort sein zu müssen.

Zwar ist das Ursprungskonzept nicht ganz aufgegangen, wie Ute Ellermann von der Standortentwicklung NORD den Rundgangsteilnehmerinnen erklärt, dafür wird es jetzt mit den bisher gesammelten Erfahrungen angepasst und erweitert. Für das ConcordiArt bedeutet das, dass das Warenangebot um regionale Lebensmittel ergänzt wird und der Schwerpunkt auf der Vermietung von Ausstellungsflächen liegt, die nicht mehr unbedingt an die Präsenz der Anbieter selbst gekoppelt ist.

Hemmschwellen abbauen – Sarggestaltung im KreativKaufhaus

Ramona Geng, Gründerin von SargArt, profitiert vom Netzwerk und kreativen Umfeld des ConcordiArt. (Foto: Carmen Radeck)

Ramona Geng, Gründerin von SargArt, profitiert vom Netzwerk und kreativen Umfeld des ConcordiArt. (Foto: Carmen Radeck)

Welchen positiven Effekt dieses Kaufhaus-Konzept für Anbieter haben kann, erzählt Ramona Geng. Mit ihrem Unternehmen SargArt hat sie sich auf individuelle Sarggestaltung spezialisiert. Gestartet hatte sie mit einem Ladenlokal in Bochum. Ihr Problem liegt auf der Hand: „Es gibt kaum jemanden, der einfach in den Laden kommt, um sich ein paar Särge anzuschauen“, sagt Ramona Geng. Die Hemmschwelle der Kunden machten es der Gründerin zunächst schwer, ihren Service bekannt zu machen, zumal auch die Bestatterbranche eher zurückhaltend reagiert.

SargArt Dortmund

Im ConcordiArt hat das Unternehmen SargArt einen eigenen Ausstellungsraum. (Foto: Carmen Radeck)

Mit ihrer Ausstellungsfläche im ConcordiArt hat sich nicht nur das Problem der Hemmschwelle gelöst, für die Unternehmerin ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. „Was mir sehr geholfen hat, ist, dass ich von den Kontakten und dem Netzwerk des ConcordiArt profitiere. Das hat mir schon einiges erleichtert“, sagt Ramona Geng.

Gut im Geschäft mit Nüssen und Knabberzeug seit über 10 Jahren

Muskara Borsigplatz Dortmund

Annette Kritzler erklärt, was den Nussladen Muskara so erfolgreich macht. (Foto: Carmen Radeck)

Ein weiteres Nischenangebot, das seit über zehn Jahren erfolgreich am Borsigplatz beheimatet ist, ist die nächste Station auf dem Rundgang. Das Unternehmen Muskara hat sich auf den Verkauf von Nüssen in allen Variationen und Knabbereien von süß bis salzig spezialisiert. Auch wenn der Laden von reger Laufkundschaft am Borsigplatz profitiert, leben die Betreiber nicht nur vom tütchenweisen Nussverkauf, erklärt Annette Kritzler bei türkischem Tee und Schalen voller Knabberzeug. Das Geschäft lebt vor allem von den Großkunden, die gern mal gleich 100 Kilo Kürbiskerne für die Ausstattung einer türkischen Hochzeiten abnehmen.

Rundumbetreuung für junge Unternehmerinnen im GründerinnenZentrum

Tragfähige Geschäftskonzepte wie diese zu entwickeln und in die Tat umzusetzen ist Anliegen der letzten Station auf dem Rundgang. Im GründerinnenZentrum Nordstadt an der Bornstraße beraten Maike Kranaster und Doris Kasten von der Wirtschaftsförderung nicht nur gründungsinteressierte Frauen – im Schnitt 100 pro Jahr. Sie betreuen auch junge Unternehmerinnen, die bei ihnen im GründerinnenZentrum während der ersten zweieinhalb Jahre Quartier zu günstigen Bedingungen beziehen können. Büroräume für zwölf Gründungen bietet das Zentrum an – derzeit sind sämtliche belegt.

1A Putzteam – mehr Arbeit als Personal

1A Putzteam

Monika Lipski und Döndü Karaagac, die beiden Gründerinnen von 1A Putzteam. (Foto: Carmen Radeck)

Mit zu den ersten Gründerinnen, die ihre Geschäftsidee im GründerinnenZentrum umgesetzt haben, gehören Döndü Karaagac und Monika Lipski. Ihr Gebäude-Reinigungsservice 1A-Putzteam hat sich schnell zu einem erfolgreichen Unternehmen mit mehreren Mitarbeitern entwickelt. Und wenn es nach den beiden Gründerinnen ginge, könnten es gern mehr Mitarbeiter sein. „Wir haben mehr Arbeit als Personal“, sagt Monika Lipski und benennt damit die derzeit größte Herausforderungen ihres jungen Unternehmens: zuverlässige Mitarbeiter zu finden. Deshalb müssen die beiden neben Bürokram und Organisation ihres Unternehmens selbst noch Vollzeit mitputzen. Bereut haben sie ihren Schritt in die Selbstständigkeit aber nicht. „Wenn mich jemand fragt, wie es mir geht“, sagt Monika Lipski, „sage ich immer: kaputt gut.“

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