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Turbonik aus Dortmund entwickelt innovative Mikro-Dampfturbine [Interview]

Das Team von Turbonik hat eine Mikro-Dampfturbine entwickelt.
Das Gründerteam des Dortmunder Startups Turbonik (v.l.): Martin Daft, Ralf Paucker, Dr. Björn Bülten, Dr. Johannes Grob (Foto: Turbonik GmbH)

Turbonik: Mit Mikro-Dampfturbine aus wenig Dampf viel Strom gewinnen

Das Dortmunder Startup Turbonik hat eine innovative Mikro-Dampfturbine entwickelt, mit der aus nur wenig Dampf viel Strom gewonnen werden kann.

Das ist vor allem für Industrie-Unternehmen interessant, die mit Dampf arbeiten und diesen zusätzlich zur eigenen Stromversorgung nutzen können.

Mit ihrer innovativen Technologie haben die vier Gründer nicht nur eine ganze Reihe Preise abgeräumt, wie zuletzt den Stahl-Innovationspreis 2018, sie verdienen auch schon Geld mit ersten Kundenprojekten.

Im Interview mit Co-Founder Martin Daft erfahrt Ihr:

  • wie die Mikro-Dampfturbine funktioniert und was sie besonders macht
  • wie aus einem Forschungsprojekt ein Startup wurde
  • mit welchen Marketingaktionen sich das Startup bekannt machen möchte
  • wo Turbonik gerade steht und welche nächsten Meilensteine geplant sind
  • warum sich die Gründer in der Gründerszene Ruhr gut aufgehoben fühlen

Hallo Martin, was ist die Geschäftsidee hinter Turbonik? 

Turbonik ist ein Spin-Off vom Fraunhofer Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT in Oberhausen. Dort haben wir eine Mikro-Dampfturbine entwickelt, die es so bislang noch nicht gab.

Mit Dampfturbinen können Unternehmen, die mit Dampf arbeiten, zusätzlich Strom erzeugen und dann zum Beispiel für die eigene Energieversorgung nutzen. Das war bisher aber nur bei sehr großen Dampfmengen möglich und rentabel.

Mit unserer Turbine lässt sich jetzt auch schon aus wenig Dampf sehr viel Strom gewinnen.

Konkret ist bei einer elektrischen Leistung von bis zu 300 kW die Erzeugung einer Strommenge von 2,4 GWh pro Jahr möglich, was dem Jahresverbrauch von rund 500 Vier-Personen-Haushalten entspricht.

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https://www.youtube.com/watch?time_continue=6&v=QDcUXNAncZg

Wie ist die Idee entstanden?

Wir waren bei Fraunhofer mit der Entwicklung und Optimierung schnelldrehender Turbinen  beschäftigt und haben dabei gesehen, dass es in Sachen Dampfnutzung in der Industrie noch sehr viel ungenutztes Potenzial gibt und herkömmliche Technologien an konstruktive Grenzen stoßen.

„Unternehmen können bis zu 200.000 Euro Energiekosten pro Jahr einsparen.“
Also haben wir einen komplett neuen Konstruktionsansatz gewählt, der sich speziell dadurch auszeichnet, dass wir auf ein Getriebe verzichten und besonders hohe Drehzahlen erreichen.

Der Schritt zur Unternehmensgründung hat sich dann vor allem daraus ergeben, dass unsere Turbine für die Anwender durch die hohe Effizienz bei der Stromerzeugung wirtschaftlich sehr rentabel ist.

Die neuartige Bauweise macht zum einen eine kostengünstige Herstellung möglich und zum anderen spart sie bei den Unternehmen bis zu 200.000 Euro Energiekosten pro Jahr ein.

Das heißt nach einer kurzen Amortisationszeit verdienen die Kunden quasi bares Geld mit unserer Turbine.

Wer gehört zum Gründer-Team, was ist Euer Background und wie habt Ihr Euch gefunden?

Wir sind zu viert, Dr. Johannes Grob, Dr. Björn Bülten, Ralf Paucker und ich, und haben uns über die Arbeit am Fraunhofer Institut kennengelernt.

Ein Vorteil war dabei, dass jeder von uns einen eigenen Bereich abdeckt und wir uns insofern tatsächlich ideal ergänzen.

Um Technik, Produktion und Entwicklung kümmern sich in erster Linie die Kollegen, während ich aufgrund meiner bisherigen Tätigkeit hauptsächlich die Bereiche Vertrieb und Unternehmensentwicklung übernommen habe.

Wann habt Ihr gegründet und wie viele Mitarbeiter habt Ihr heute? 

Turbonik gibt es seit 2017 und wir haben unser Team jetzt im laufenden Jahr jeweils um eine Mitarbeit für die Unterstützung im Backoffice und eine im Marketing erweitert. Dazu kommen externe Vertriebspartner.

Wie finanziert Ihr Euer Startup in der Anfangsphase? Verdient Ihr schon Geld? 

Die Entwicklung der Turbine am Fraunhofer-Institut wurde durch den EXIST-Forschungstransfer des Bundeswirtschaftsministeriums gefördert.

„Für jeden Gründer ist es erstmal eine große Erleichterung, zu sehen, dass das eigene Produkt tatsächlich am Markt angenommen wird.“
Aktuell spielt die Finanzierung über den Kundenumsatz die Hauptrolle.

Wir freuen uns sehr, dass wir schon im ersten Jahr Kunden beliefern konnten und das auch über unsere unmittelbare Nachbarschaft hinaus.

Das ist natürlich für jeden Gründer erstmal eine große Erleichterung, zu sehen, dass das eigene Produkt tatsächlich am Markt angenommen wird.

Ganz aktuell haben wir gerade erst eine Turbine bei einem Unternehmen in Baden-Württemberg in Betrieb genommen.

Wie macht Ihr Euch bekannt? Habt Ihr Erfahrungen gesammelt, was für Euch an PR und Marketing gut funktioniert? 

Was das Marketing angeht, hinken wir aufgrund der eigentlich ja erfreulich hektischen Anfangsphase zurzeit noch ein bisschen hinterher. Das ändern wir aber momentan mit externen Partnern und großem Nachdruck.

Ganz aktuell haben wir unseren ersten Platz beim Stahl-Innovationspreis 2018 zum Anlass genommen, eine erste große Pressekampagne in Tages- und Fachzeitungen und natürlich auch online zu starten.

Hier hat sich vor allem der persönliche Kontakt als hilfreich erwiesen. Die meisten Ansprechpartner sind hochinteressiert, wenn sie von den Leistungsdaten unserer Turbine und ihrem möglichen Beitrag für eine nachhaltige Energieversorgung hören.

Das ist auch ein Grund dafür, warum wir uns sehr stark auf die Anwesenheit auf Kongressen, Konferenzen und Messen konzentrieren und dort in direkten Kontakt mit Entscheidern und Multiplikatoren treten.

Wo steht Ihr gerade, was habt Ihr schon erreicht und was sind die nächsten wichtigen Meilensteine? 

Zuallererst ist da natürlich die Gewinnung der ersten Kunden zu nennen.

Dann waren für uns aber auch verschiedene Auszeichnungen, die wir erhalten haben, sehr wichtig, zum Beispiel die Aufnahme in die KlimaExpo NRW oder eben der Stahl-Innovationspreis.

Einmal, weil es uns darin bestärkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Zum anderen, weil uns solche Awards bei unseren Gesprächspartnern ein ganz anderes Standing geben.

Man muss ehrlich sagen, so etwas öffnet Türen, man wird als junges Unternehmen deutlich ernster genommen.

Die nächsten Ziele sind das schrittweise Erreichen der für die nächsten Jahre angepeilten Verkaufszahlen und in diesem Zusammenhang der Ausbau eines effizienten Vertriebsnetzes erst für den deutschen Markt, in einem weiteren Schritt dann auch für das Ausland.

Was war bisher die größte Hürde auf Eurem Gründungsweg und wie habt Ihr sie gemeistert?

Die größte Hürde war eigentlich die Übertragung des Projektes von der eher wissenschaftlichen Arbeit bei Fraunhofer UMSICHT in die tatsächliche Praxiserprobung.

Wir brauchten einen Betrieb, der bereit war, unseren Prototypen in den laufenden Arbeitsprozess aufzunehmen, um ihn dort unter Realbedingungen testen zu können.

Hier hat sich schließlich dankenswerter Weise die Energieversorgung Oberhausen bereit erklärt, uns zu unterstützen. Und das war so erfolgreich, dass die Turbine dort mittlerweile dauerhaft Strom produziert und dafür sorgt, dass 300.000 kWh Strom pro Jahr erzeugt werden können.

Das wiederum entspricht dem Jahresverbrauch von 60 Vier-Personen-Haushalten und einer strukturellen Einsparung von 90 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr.

Warum habt Ihr im Ruhrgebiet gegründet und wie schätzt Du die Gründerszene hier ein? 

Das klingt jetzt vielleicht etwas klischeehaft, aber im Ruhrgebiet herrscht einfach eine ganz bestimmte Atmosphäre. Gerade auch für Gründer mit einem energietechnischen Hintergrund.

Da sind immer noch die Bezugspunkte zu Kohle und Stahl und die gleichzeitige Dynamik der Energiewende. Das passt einfach für uns.

Dazu kommt, dass wir hier wirklich sehr viel Wohlwollen und Unterstützung erfahren.

Irgendwie freuen sich alle, wenn sie hören, dass hier ein neues Unternehmen gegründet wurde, das sich mit Themen der Energieversorgung von Morgen befasst.

„Im Ruhrgebiet herrscht einfach eine ganz bestimmte Atmosphäre.“
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass alle Stellen, an die wir uns mit unserem Gründungsanliegen gewandt haben, wirklich sehr hilfsbereit waren. Dazu zählen insbesondere die Wirtschaftsförderung der Stadt Dortmund oder das Zentrum für Produktionstechnologie, indem wir unser Büro einrichten konnten.

Diese positive Grundstimmung spüren wir auch, wenn wir uns mit anderen Gründern unterhalten. Viele von denen haben sich bewusst für das Revier entschieden und wollen ihren Beitrag zu seiner Entwicklung leisten.

Wo soll es für Euch hingehen, was wünschst Du Dir für Dein Startup?

Wir möchten das Potenzial unserer Turbine gerne voll ausschöpfen.

Allein in Deutschland sind schätzungsweise über 15.000 Dampfkessel installiert, bei denen sie eingesetzt werden könnte.

Das betrifft zum Beispiel die Textil-, Papier- Chemie- und Pharmaindustrie sowie Lebensmittelhersteller, Brauereien, Molkereien, Wäschereien oder auch Krankenhäuser und eben Kraftwerke.

Bei einem flächendeckenden Einsatz wären voraussichtlich Einsparungen von jährlich über zwei Millionen Tonnen Kohlendioxid möglich.

Das ist nicht nur unternehmerisch ein vielversprechender Ausblick, sondern wir sehen darin auch die Möglichkeit, einen signifikanten Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten zu können, was uns natürlich auch freuen würde.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen Radeck ist Journalistin und Gründerin von RuhrGründer. Ihre Leidenschaft ist es, Geschichten von Menschen zu erzählen, die ihr eigenes Ding machen, dafür brennen und bereit sind, jedes Risiko einzugehen.
So entstand die Idee zum Gründerblog RuhrGründer, der 2014 mit Storys über Gründer und Startups aus dem Ruhrgebiet online ging und sich inzwischen zum Szene-Portal entwickelt hat. Als Mit-Initiatorin der Datenbank StartupsRuhr.de und von Events wie dem RuhrSummit und den Fuckup Nights Ruhrgebiet ist sie aktiver Bestandteil der Gründerszene Ruhr.
Carmen berät Unternehmen in Sachen Content Marketing und Social Media. Sie kommt aus Essen, lebt in Kamen und ist im Ruhrgebiet zuhause.

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Geschrieben von Carmen Radeck