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Startup of the Month: ForkOn vereinfacht das Managen von Gabelstaplern

ForkOn will das Managen von Gabelstaplern einfach machen (Foto: ForkOn)

ForkOn bringt Transparenz in die Gabelstapler-Flotte

Als erstes Startup of the Month 2019 präsentiert unser Partner ruhr:HUB das Logistik-Startup ForkOn aus Haltern am See. Mit seiner Software will das Team das Managen von Gabelstaplern einfacher und transparenter machen.

Nach einem Jahr Bootstrapping haben die beiden Gründer Nils Herzing und Tim Klauke inzwischen eine erste Seed-Runde abgeschlossen und sind mit ihrem 2017 gegründeten Startup auf Wachstumskurs.

Im Interview mit Co-Founder Tim Klauke erfahrt Ihr,

  • wie die Idee zu ForkOn entstanden ist
  • was die Gründer jeden Tag antreibt
  • wie sie mit Fehlern und schwierigen Situationen im Team umgehen
  • was ihre nächsten Meilensteine sind.

Hallo Tim, was ist die Geschäftsidee hinter ForkOn?

Wir entwickeln eine Software zum Managen von Gabelstaplern.

Jetzt fragen sich sicher einige, wie man darauf kommt, eine Software ausgerechnet für Gabelstapler zu entwickeln.

„Man sollte in Zeiten von ’same-day-delivery‘ und ständiger Verfügbarkeit aller Produkte meinen, dass die Gabelstapler zu einem hohen Grad digitalisiert sind. Die Realität sieht jedoch anders aus.“
Man muss sich das einmal vor Augen führen: Nahezu jeder Lkw, wird mit einem Gabelstapler beladen. Jeder von uns erwartet ständige Verfügbarkeit aller Produkte, ob online oder im Geschäft.

Diese Produkte werden als Rohstoff innerhalb der Produktion bis zur Auslieferung zum Teil mehrere 100 Male mit Gabelstaplern bewegt. Gabelstapler sind unsere fleißigen Ameisen, die diese Erwartungen für uns erfüllen.

Man sollte in Zeiten von „same-day-delivery“ und ständiger Verfügbarkeit aller Produkte meinen, dass die Gabelstapler zu einem hohen Grad digitalisiert sind. Die Realität sieht jedoch anders aus.

Selbst die Größten unserer Online-Shops haben oft keinen Überblick über ihre Staplerflotte. Sie wissen beispielsweise nicht, wie viele Geräte an welchem Standort zur Verfügung stehen und haben keinen Überblick über die Gesamtkosten. Kurzum: es herrscht hohe Intransparenz.

Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, mithilfe unserer Software durch den Einsatz von Data Science und KI diese Intransparenz zu reduzieren, Einsparungspotenziale offen zu legen und somit die Gabelstaplerflotten dieser Welt zu optimieren, um massiv Ressourcen zu sparen.

Wie verdient Ihr damit Geld und wer sind Eure Kunden?

ForkOn ist eine Cloud-basierte Software as a Service (SaaS) Lösung. Unsere Kunden zahlen eine monatliche Gebühr für die Nutzung der Software, in Abhängigkeit von der Anzahl der Gabelstapler.

Zusätzlich können unsere Kunden flexibel zwischen verschiedenen Softwaremodulen wählen.  Einmalige Zahlungen erhalten wir nur bei unserer Flottenanalyse, die sich an den anfänglichen Einsparungen unserer Kunden orientiert.

Unsere Zielgruppe sind alle Unternehmen, die mehr als 15 Gabelstapler verwenden.

Wie ist die Idee entstanden?

Während meiner neunjährigen Zeit bei Jungheinrich, einem der weltweit größten Hersteller für Gabelstapler und Logistiksysteme, durfte ich im Zuge vieler Kundenbesuche einen tiefen Einblick in die täglichen Arbeitsprozesse und die damit verbundenen Herausforderungen eines guten Gabelstaplerflottenmanagements bekommen.

Meine Erfahrung hat gezeigt, dass alle Hersteller vor allem an der Durchführung von Servicearbeiten verdienen, wodurch sie von einer gewissen Intransparenz gegenüber ihren Kunden profitieren.

Schnell wurde mir klar: Nur ein unabhängiger Dritter, der vollstes Interesse daran hat, dem Kunde die Gabelstaplerflotte zu optimieren und Einsparungspotenziale offenzulegen kann ein optimales Flottenmanagementsystem entwickeln. So ist die Idee für ForkOn entstanden.

Wie finanziert Ihr Euch?

Wir haben ForkOn ein Jahr im Bootstrapping aufgebaut und uns über Beratung bei Kunden finanziert.

Im September 2018 haben wir eine erste Seed-Runde, auf einer Bewertung von ~4.7 Mio. EUR, mit Privatinvestoren abgeschlossen.

Zusätzlich haben Nils und ich auch nochmals eine Bankenfinanzierung organisiert. Damit wären wir rechnerisch selbst ohne Kundenumsätze für 2,5 Jahre durchfinanziert.

Ende 2019, wollen wir den Break-even erreichen und mit einer Expansion ins deutschsprachige Ausland beginnen.

„Die Entscheidung, ein eigenes Unternehmen zu gründen, war die beste Entscheidung unseres Lebens.“
Darüber hinaus wurden bereits mehrere potenzielle Kooperationspartner auf uns aufmerksam die neben einer strategischen Zusammenarbeit vor allem an einer Beteiligung interessiert sind.

Was treibt Euch an, Euch jeden Morgen aufs Neue ins Startup-Life zu stürzen?

Die Entscheidung, ein eigenes Unternehmen zu gründen, war die beste Entscheidung unseres Lebens.

Wir stehen jeden Tag um 5 Uhr auf, um unseren Traum, ForkOn zu der weltweit führenden Flottenmanagement-Software zu machen, zu verwirklichen.

Klar gibt’s auch mal einen Tag an dem es schwer fällt aus dem Bett zu kommen und manchmal gibt es Situationen die hart sind, aber dafür sind wir ja ein Team. Wenn einer mal stolpert ist der andere da und fängt ihn auf.

Was uns alle am meisten antreibt, ist ein tiefer Wille, komplexe Probleme zu verstehen und diese so einfach es geht mit Hilfe von Technologie zu lösen. Es gibt noch so viele ungelöste Ineffizienzen auf dieser Welt und wir möchten einen Beitrag dazu leisten, diesen Umstand zu verbessern.

Jeden Tag etwas Neues zu lernen, über sich selbst hinauszuwachsen und etwas zu schaffen, was unseren Kunden ihre tägliche Flut von sinnloser Arbeit abnimmt und es ihnen ermöglicht sich nur mit wertschöpfenden Aufgaben auseinander zu setzen, ist unser größter Motivator.

Ihr steht als Unternehmer noch am Anfang. Wer sind Eure Vorbilder und warum?

Da gibt es tatsächlich so Einige. Wir haben es uns angewöhnt von den Besten zu lernen und die Eigenschaften zu adaptieren, die sie erfolgreich machen.

Zum Beispiel wurden wir stark von Mercado Libre – das Amazon von Südamerika – inspiriert. Mercado Libre adaptiert ebenfalls erfolgreiche Geschäftsideen von zum Beispiel Amazon, PayPal, Ebay oder Alibaba und integriert diese in eine exzellente, benutzerorientierte Software.

Unsere Art, langfristig und in großen Visionen zu denken wurde maßgeblich von Jeff Bezos und Elon Musk geprägt.

Aber auch hier in Deutschland gibt es hervorragende Unternehmen, die wir uns zum Vorbild nehmen. Zum Beispiel sind wir große Fans von InVision, einem Düsseldorfer SaaS Unternehmen und ihrem CEO Peter Bollenbeck.

„Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass es beim Gründen im Grunde darum geht, sich zum Erfolg zu ’scheitern‘. Wir versuchen so viel zu testen und auszuprobieren wie es geht, um aus Fehlern zu lernen und besser zu werden.“
Von ihm haben wir gelernt unseren Kunden und uns selbst die richtigen Fragen zu stellen, um wirklich das Problem zu verstehen und dieses bestmöglich lösen zu können. Jeder Mensch ist sehr anfällig für Denkfehler, von Peter haben wir gelernt das Risiko dieser Denkfehler drastisch zu reduzieren.

Grundsätzlich denken wir, dass wir von fast jedem Menschen etwas lernen können.

Wenn’s mal nicht so rund läuft, was ist Eure Krisen-Strategie, was baut Euch wieder auf?

Wir haben im Laufe der Zeit festgestellt, dass es immer Phasen gibt, in denen alles sehr gut läuft und auch Phasen, in denen es nicht gut läuft.

Im Rückblick stellen sich diese vermeintlich „schlechten“ Phasen als sehr wertvoll heraus. Es ist sehr wichtig zu verstehen, dass es beim Gründen im Grunde darum geht, sich zum Erfolg zu „scheitern“. Wir versuchen so viel zu testen und auszuprobieren wie es geht, um aus Fehlern zu lernen und besser zu werden.

Wir haben bei uns im Team mittlerweile eine regelrechte Leidenschaft für die Analyse von Fehlern entwickelt und lieben es, uns gegenseitig von unseren „Fails“ zu berichten, um dann gemeinsam zu überlegen, was wir alle daraus lernen können.

Meditation und praktizierter Stoizismus hilft uns zusätzlich, die Dinge entspannt zu sehen. Wenn auch das nicht mehr hilft, dann wird aus dem Feierabendbier auch gerne mal ein paar Gin Tonic.

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Wir freuen uns schon riesig auf das erste Kundenfeedback unseres neuen Software Releases Ende Januar. Zu sehen, dass unsere Kunden unsere Produkte nutzen und mögen, bares Geld sparen und uns anschließend Weiterempfehlen, ist für uns das schönste Feedback.

Zusätzlich haben wir natürlich noch ganz normale Business Plan Meilensteine wie die ersten 10.000 Gabelstapler unter Management, Break-even, weitere Software Releases und die Erweiterung unseres Teams (wir suchen gerade vor allem Softwareentwickler).


ruhr:HUB ist die zentrale Anlaufstelle für die digitale Wirtschaft in der Region. Sein Ziel ist es, Startups und Unternehmen zu unterstützen und aktiv miteinander zu verknüpfen – mit Fokus auf B2B-Themen wie IT-Security, eHealth oder Industrial Technologies.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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Geschrieben von Carmen Radeck