RuhrSummit

Interview: Blinkist-Gründer Sebastian Klein über Startup-Herausforderungen, Investoren und Holacracy

Sebastian Klein, Co-Founder von Blinkist

Sebastian Klein, Co-Founder von Blinkist und Speaker beim RuhrSummit 2016 (Foto: privat)

Wir freuen uns, Euch mit Sebastian Klein heute einen unserer Top Speaker beim RuhrSummit 2016 vorzustellen.

Sebastian ist Psychologe, Autor und Gründer mehrerer Startups, u. a. Co-Founder des Berliner Startups Blinkist, das Buchzusammenfassungen per App anbietet und vor allem in den USA erfolgreich ist.

Sein besonderes Faible gilt der managementfreien, menschenzentrierten Organisation von Unternehmen. Umgesetzt hat er das mit der Einführung von Holacracy bei Blinkist, was dort die Zusammenarbeit in der Produktentwicklung grundlegend verändert hat. Inzwischen hat er mit Almondia bereits das nächste Startup gegründet, das sich der Welt des Häuserbaus angenommen hat und ebenfalls ohne Management funktioniert. Nebenher berät er andere Unternehmen auf dem Weg zur Selbstorganisation.

RuhrSummit Top-Speaker Sebastian Klein von Blinkist im Interview

Hallo Sebastian, warum bist du Unternehmer geworden?

Gründen wollte ich eigentlich schon immer, weil ich es mag, wirklich Neues in die Welt zu tragen.

Verstärkt hat sich dieser Wunsch, als ich – vor der Blinkist-Gründung – als Berater für die Boston Consulting Group gearbeitet habe. In diesem Job habe ich viele Konzerne und deren Strukturen kennengelernt und dabei festgestellt, dass ich in diesen niemals funktionieren könnte.

Bereits im Studium habe ich mich als Einzelkämpfer versucht – in Beratungsprojekten und beim Schreiben – und dabei gemerkt, dass ich vereinsame, wenn ich keine smarten Menschen um mich herum habe. Da blieb dann irgendwann nicht mehr viel übrig, als selbst zu gründen.

Die größte Herausforderung bei Blinkist und Holacracy als Lösung

Was waren die größten Herausforderungen für Euer Startup Blinkist?

In einem unerfahrenen Team von vier Gründern ein Startup aufzubauen, ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Keiner hat irgendeine Ahnung davon, was er da eigentlich tut, ist sich aber ganz sicher, dass es das einzig richtige ist.

Entsprechend gibt es viele Reibungen, und im Falle Blinkist haben wir irgendwann gemerkt, dass wir einen kleinen 10-Mann-Konzern nachgebaut hatten. Mit all den Dingen, die wir eigentlich an der Konzern-Welt unserer früheren Leben gehasst hatten: Politik und Verteilungskämpfe, Silo-Bildung und das Fehlen eines unternehmensweiten Wir-Gefühls.

Entscheidend geändert hat sich Euer Unternehmen durch die Einführung von Holacracy, worüber Du auch in Deinem Vortrag sprichst. Kannst Du erklären, was Holacracy ist und inwieweit es Euer Startup verändert hat?

Holacracy ist eine Methode, ein Unternehmen ohne Management zu führen. Das heißt nicht, dass alle Strukturen abgeschafft und durch eine Basisdemokratie abgelöst werden, vielmehr gibt man sich ein Regelwerk, ähnlich einem Gesetzbuch, das die Spielregeln dafür festlegt, wie im Unternehmen entschieden und wie die Arbeit erledigt wird.

Im Falle Blinkist hat das viel Energie, die vorher in interne Reibereien und Ego-Spielchen gegangen ist, nun auf konstruktive Veränderungen gelenkt. Erst dadurch haben wir den Sprung von einer chaotischen Truppe mit guten Ideen hin zu einer professionellen Organisation geschafft, die wirklich ernstzunehmen ist.

Und noch viel wichtiger: Vor der Umstellung war die Identifikation unserer Mitarbeiter mit dem Unternehmen nicht wahnsinnig hoch, das hat sich dann aber schnell geändert.

Über Investoren, Lieblingsbücher und die Startup-Region Ruhrgebiet

Wie ändert sich die Unternehmenskultur durch einen externen Investor?

Das hängt ganz vom Investor ab: Im Falle Blinkist hatten wir von Anfang an einen dabei, der uns aber nicht viel reingeredet hat.

Allgemein gibt es da die ganze Bandbreite: Investoren, die Geld geben und keine Fragen stellen und die, die alles wissen und mitreden wollen. Erfahrungsgemäß sind letztere aber die Ausnahme.

Zu einem zwingen externe Investoren aber immer: zu Rechenschaft in irgendeiner Form. D.h. man muss zumindest ab und an begründen, was man die ganze Zeit über tut und wofür man sein Geld ausgibt.

Blinkist ist ja auch entstanden, weil Du selbst gern und viel liest. Welches Buch hat Dich als Unternehmer am stärksten beeinflusst?

Eine gute Frage: Für mich als Exoten – in der Startup-Welt gibt es nicht sehr viele Psychologen – waren Standard-Werke wie „Lean Startup“ oder „Good to Great“ sehr hilfreich, um mich schnell in der Unternehmer-Denke zurecht zu finden.

Mein Lieblingsbuch in der Business-Welt ist allerdings „Made to stick„, weil es didaktisch sehr stark ist und seine Botschaft sehr gut an den Mann bringt.

Du bist vor allem in der Startup-Hochburg Berlin unterwegs. Wie schätzt Du die Startup-Region Ruhrgebiet ein?

Bislang weiß ich so gut wie nichts über sie, aber immerhin gibt es brennende Verfechter der Szene. Ich hoffe, nach dem RuhrSummit ein besseres Bild zu haben und besonders hoffe ich, einige interessante Gründer aus der Region zu treffen.


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