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Startup of the Month: Inzept3D vereinfacht Kommunikation zwischen Architekten und Klienten

(Foto: W Kubik GmbH)

Inzept3D vereinfacht Kommunikation zwischen Architekt und Klient

Mit ihrer Software Inzept3D wollen die beiden Bochumer Gründer Dominik Kraatz und Sascha Sohn die Kommunikation zwischen Architekturbüros und Klienten erleichtern. Ihre Idee hat ihnen nicht nur Gründerpreise und Förderungen eingebracht, für Februar 2019 hat unser Partner ruhr:HUB das Team zum Startup of the Month gekürt.

Im Interview mit Dominik und Sascha erfahrt Ihr, warum sich die beiden Gründer für ein Software-as-a-Service-Modell entschieden haben, wie sie sich in der Anfangsphase finanzieren und wie sie mit schwierigen Situationen umgehen.


Was ist die Geschäftsidee hinter Inzept3D?

Dominik: Unsere Vision ist es, Architekten ihre Zeit für Kreativität zurückzugeben. Gerade in den frühen Planungsphasen eines Bauprojekts bestehen ganz besondere Nutzeranforderungen, denen andere Software-Tools nicht gerecht werden, weil ihr Fokus auf anderen Prozessen liegt oder weil sie schlichtweg zu komplex sind.

Aus dem Antrieb heraus haben wir Inzept3 entwickelt. Das Produkt ist eine Kommunikations-Software für Architekten, die ergänzend zur CAD-Software eingesetzt wird und speziell auf die Abstimmungsbedürfnisse im Design-Prozess ausgerichtet ist.

„Unsere Vision ist es, Architekten ihre Zeit für Kreativität zurückzugeben.“

Inzept3D ist browserbasiert und verwandelt die 3D-CAD-Daten des Architekten in wenigen Sekunden in ein Interaktives 3D-Modell, das von allen Seiten betrachtet, durchflogen und virtuell durchlaufen werden kann. Dabei laufen alle Schritte für die hochwertige Visualisierung im Hintergrund automatisch ab.

Das Schöne an unserer Software ist die Geschwindigkeit, mit der Architekten ihre Projekte per Link mit ihren Projektbeteiligten teilen können, ohne dass eine zusätzliche App oder Plugins installiert werden müssen.

Wir haben aber noch viele andere nützliche Funktionen, wie exakte Sonnensimulationen, die Erstellung von Präsentationen mit wenigen Klicks und mehr. Alles in allem ist die Software zwar sehr komplex, aber dennoch sehr leicht zu bedienen und spart unseren Kunden richtig viel Zeit.

Wie verdient Ihr damit Geld und wer sind Eure Kunden?

Dominik: Ich beantworte zunächst einmal deine zweite Frage: Unsere Kunden sind überwiegend kleine bis mittelgroße Architekturbüros, die die Software für die interne und externe Kommunikation einsetzen. Beispielsweise um ihre Entwürfe abzustimmen oder Planungsstände schnell und einfach zu präsentieren.

Wir sind gerade dabei, die Software auch in anderen Branchen anzubieten, interessant sind für uns z.B. der Messebau oder Industrie-Designs. Entwürfe sind hier noch kurzlebiger und der Bedarf für schnelle Abstimmungen mit den Entscheidern ist entsprechend noch höher.

Sascha: Bei der Wahl unseres Geschäftsmodells standen wir irgendwann einmal vor der Frage, ob wir uns für einen konventionellen Vertrieb von Software oder für ein Software-as-a-Service-Modell entscheiden. SaaS hat damals den Zuschlag bekommen. Die Vorteile für alle, Kunden und Anbieter, sind einfach erschlagend für ein Software-Tool wie INZEPT3D.

In der konkreten Ausgestaltung haben wir uns dann für ein Abo-Modell mit einer an die Kundensegmente angelehnten Tarifstruktur entschieden. Der Kunde kann dabei zwischen einer jährlichen und einer monatlichen Zahlweise wählen und die gesamte Zahlungsabwicklung findet dann über unsere Website statt.

Wie ist die Idee entstanden?

Dominik: Die Idee ist schon vor einigen Jahren entstanden, da gab es aber noch nicht die entsprechende Technologie.

Ich hatte bereits während meines Studiums eine Agentur, wo ich hauptsächlich Visualisierungen für Architekten gemacht habe. Bei dieser Arbeit habe ich schon früh angefangen, die wichtigsten Arbeitsschritte zu automatisieren.

Um mich weiter zu spezialisieren, habe ich eine Masterarbeit über digitale Werkzeuge und die Anwendung in der Architektur geschrieben. Aus den Erfahrungen, die ich in Masterarbeit und in der Arbeit für Architekten gemacht habe, ist die Idee für das Produkt Inzept3D entstanden.

Wie finanziert Ihr Euch?

Dominik: 2015 habe ich mit einer Ideenskizze, ohne Prototyp, zwei Sonderpreise bei Senkrechtstarter gewonnen, was letztendlich der Startschuss für unser Startup war.

An dem Punkt war mir auch klar, dass ich ein Team brauche. Ende 2015 habe ich dann meinen Mitgründer Sascha Sohn kennengelernt und ihm das Projekt vorgestellt.

Sascha: Gemeinsam haben wir uns dann für das Programm „START-UP-Hochschul-Ausgründungen“ beworben und haben die Förderung erhalten. Nach der Förderung haben wir einen Investor gefunden und zusätzlich noch eine Anschlussfinanzierung der NRW-Bank erhalten.

Aktuell leben wir noch von der Anschlussfinanzierung und zusätzlich finanzieren wir uns durch die Einnahmen aus den Verkäufen unserer Software.

Was treibt Euch an, Euch jeden Morgen aufs Neue ins Startup-Hustle zu stürzen?

„Mir macht es unheimlich viel Spaß die Fortschritte zu sehen, die wir jeden Tag erzielen.“
Dominik: Mir macht es unheimlich viel Spaß die Fortschritte zu sehen, die wir jeden Tag erzielen. Mittlerweile ist die Software so ausgereift, dass wir tolles Feedback von unseren Kunden erhalten, was wiederum ein großer Motivationsschub ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass es nicht immer leicht war, ich aber dauerhaft von dem Ziel, das ich vor Augen habe, angetrieben wurde. Mittlerweile haben wir ein großartiges Team und ich freu mich einfach nur auf die gemeinsame Arbeit.

Jeder Tag hat eine Überraschung. Manchmal positiv, manchmal negativ. Es wird einfach nicht langweilig. Ich denke da spreche ich aber für uns beide.

Ihr steht als Unternehmer noch am Anfang. Wer sind Eure Vorbilder und warum?

„Ich netzwerke sehr gerne und treffe dann immer wieder Personen, von denen ich lernen kann, das ist für mich der Mehrwert.“
Dominik: Vorbilder in dem Sinne, dass ich sie benennen könnte, habe ich nicht. Allerdings habe ich in der Zeit, in der ich an der Gründung arbeite, sehr viele interessante Gründer, Unterstützer oder Unternehmer kennengelernt, die mich auf verschiedene Weise inspirieren.

Ich netzwerke sehr gerne und treffe dann immer wieder Personen, von denen ich lernen kann, das ist für mich der Mehrwert. Meine Vorbilder sind Gründer und Unternehmer, die etwas Großes geschaffen haben und dieses Wissen teilen wollen.

Sascha: Vorbilder? Das ist eine gute Frage. So wirklich habe ich da auch keine. Ich finde es auch nicht gut, jemanden nacheifern zu wollen, der dies oder das erreicht hat. Da steckt man sich doch selbst in irgendein Benchmarking.

Es geht ja viel mehr darum, seine eigenen Ziele definieren und sich selbst zu verwirklichen. Nur wenn man für eine Sache brennt, ist man auch wirklich gut darin. Meiner Meinung kann man das nur, wenn man weiß wo man hin will und man auch den richtigen Weg dafür gefunden hat.

„Nur wenn man für eine Sache brennt, ist man auch wirklich gut darin.“

Wenn’s mal nicht so rund läuft, was ist Eure Krisen-Strategie/was baut Euch wieder auf?

Sascha: Gerade in der Software-Entwicklung hat man viele Ups-and-Downs: Neue Features brauchen hin und wieder länger, bis sie fertig entwickelt sind, und egal wie viel man testet, kleine Fehler schleichen sich immer ein.

Das kann zieht einen dann doch schon nochmal runter, wenn alles nicht so funktioniert, wie man es bräuchte und gerne hätte. Andererseits ist es aber gerade auch wieder das Kundengespräch und das Neukundengeschäft, das einen ganz schnell wieder über den Berg bringt.

Der nächste Vertragsabschluss oder die Begeisterung des Kunden förmlich zu spüren, wenn er von einem coolen Nutzungserlebnis spricht – besser kann es ja einfach nicht sein. Das haben wir inzwischen fast jeden Tag.

Ansonsten gehen wir möglichst konstruktiv damit um wenn es mal nicht 100%ig rund läuft. Heißt, wir gehen die Situation oder den Grund nochmal komplett von vorne an, analysieren warum es dazu kam und was wir machen können, um in Zukunft das von uns gewünschte Ergebnis zu erreichen.

Danach wissen wir immer, dass wir für das nächste mal eine bessere Strategie haben, gewappnet sind und damit auch die von uns gesetzten Ziele leichter erreichen werden.

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Sascha: Aktuell stehen wir an dem Punkt, dass wir unsere eigens entwickelte Engine fertiggestellt und daraus unser erstes Produkt INZEPT3D gemacht haben. Dafür stecken wir jetzt mitten im Vertrieb im deutschsprachigen Markt.

Für INZEPT3D sind für uns die nächsten wichtigen Schritte sicherlich die Erreichung unserer Nutzerziele für 2019 und auf technischer Seite die Internationalisierung. Wenn das fertig ist, stehen dann für INZEPT3D alle Segel noch weiter auf Wachstum.

Gleichzeitig strecken wir unsere Fühler ja auch in andere Branchen und Anwendungsbereiche vor. Ein wichtiger Meilenstein ist für uns hier die Ausweitung unseres Produkt-Portfolios auf mindestens eine neue Branche.

Wir haben für die nächste Zeit also einiges auf der Agenda. Langweilig wird uns mit dem Programm in 2019 jedenfalls mal nicht – aber das wird es im Start-Up-Life ja sowieso nie.


ruhr:HUB ist die zentrale Anlaufstelle für die digitale Wirtschaft in der Region. Sein Ziel ist es, Startups und Unternehmen zu unterstützen und aktiv miteinander zu verknüpfen – mit Fokus auf B2B-Themen wie IT-Security, eHealth oder Industrial Technologies.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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