Gründer und Startups

Rohstoff Design: Aus dem eigenen Label eine Marke machen

Uli Fahr und Felix Herberhold von Rohstoff Design

Die Chemie stimmt: Uli Fahr und Felix Herberhold von Rohstoff Design (Foto: Rohstoff Design)

Von Carmen Radeck

Die Visitenkarten wurden Uli Fahr und Felix Herberhold von Rohstoff Design buchstäblich aus den Händen gerissen, als sie Anfang des Jahres ihre Möbelserie auf den Passagen, einer großen Designveranstaltung in Köln, präsentierten. „Die Nachfrage war riesig“, erzählt Uli. Das Konzept ihres Labels, aus Vollholz handgefertigte Möbel in eigenem zeitlos-modernen Design anzubieten, kam an beim Kölner Design-Publikum.

Rohstoff Design Werkstatt

Blick in die Werkstatt von Rohstoff Design (Foto: Carmen Radeck)

„Der Markt ist da“, ist Uli deshalb überzeugt. Die Aufträge allerdings lassen noch auf sich warten. Daran wollen die beiden Jungunternehmer jetzt arbeiten. „Wir haben zu sehr auf die Hoffnung gesetzt, dass das Konzept von selbst funktioniert“, räumt Uli ein.

Mit Marketingstrategie, einem Showroom in exponierter Lage in Essen-Rüttenscheid und einem Produktsortiment auch für den kleineren Geldbeutel stellen sich die beiden Rohstoff-Designer neu auf und wollen aus ihrem jungen Design-Label nun eine Marke machen.

Fullservice aus Designer-Hand

Als ich Uli und Felix in ihrer Werkstatt mitten im Bottroper Industriegebiet besuche, werkeln sie noch an den letzten Details ihrer ersten selbst entworfenen und gefertigten Küche. Kundenaufträge wie dieser sind zurzeit das Alltagsgeschäft der beiden Unternehmer.

Auf ihre Kunden individuell zugeschnittene Möbel zu entwerfen und zu fertigen, möchten sie auch weiterhin anbieten. „Das Besondere an unserem Fullservice ist, dass unsere Kunden alles aus einer Hand bekommen“, sagt Uli, „vom Design bis zur Montage“.

Von den Freundinnen verkuppelt

Felix Herberhold von Rohstoff Design

Felix Herberhold, lange Jahre in der Gastronomie tätig, will als gelernter Schreiner wieder zurück zu seinen Wurzeln. (Foto: Carmen Radeck)

Dass sie nicht nur für das Design, sondern auch für die handwerkliche Fertigung ihrer Möbel zuständig sein wollten, darauf konnten sich Uli und Felix schon vor ihrer Gründung auf einem gemeinsamen Wanderurlaub verständigen. Der Urlaub diente nicht nur dazu, das Unternehmenskonzept für Rohstoff Design zu entwickeln, vor allem wollten die beiden testen, ob die Chemie zwischen ihnen stimmt.

„Wir wurden nämlich von unseren Freundinnen verkuppelt“, erzählt Uli schmunzelnd. Die waren der Meinung, Uli und Felix würden ein gutes Team abgeben. Uli (33), der nach seinem Design-Studium noch nicht so genau wusste, wohin für ihn die berufliche Reise gehen sollte, „nur, dass ich selbst Möbel bauen wollte.“ Und Felix (36), gelernter Schreiner, der nach Jahren in der Gastronomie vorhatte, zurück zu seinen berufllichen Wurzeln zu kehren.

„Uns wurde schnell der Wind aus den Segeln genommen“

Uli Fahr ist studierter Designer. Sein Wunsch: Möbel selbst herzustellen. (Foto: Carmen Radeck)

Uli Fahr ist studierter Designer. Sein Wunsch: Möbel selbst herzustellen. (Foto: Carmen Radeck)

Wie die beiden schnell feststellten, stimmte nicht nur die Chemie, sondern auch ihre Vorstellung von Design und der gemeinsame Wunsch, Möbel aus hochwertigem und nachhaltig gewachsenem Vollholz selbst und von Hand herzustellen. Die damit einhergehenden hohen Produktionskosten bescherten ihnen für ihr Vorhaben viele kopfschüttelnde Reaktionen. „Die Meinung der meisten Leute, denen wir von unserem Projekt erzählten, war: macht das bloß nicht“, sagt Uli.

Gründerberater rieten ab

Besonders Gründerberater rieten ab. „Das hat mich schon sehr befremdet, wie schnell uns da der Wind aus den Segeln genommen wurde.“ Dazu gab es noch Probleme mit der Handwerkskammer, weil Felix zwar ausgebildeter Schreiner, aber kein Meister ist. Mit Hartnäckigkeit erwirkten Felix und Uli dann aber eine Ausnahmegenehmigung und ließen sich auch sonst nicht von ihrem Gründungsvorhaben beirren.

Ende 2010 starteten sie ihr Unternehmen mit dem nötigsten: Einer Werkstatt, die an ein Messebau-Unternehmen angeschlossen ist und dessen Maschinen die beiden Jungunternehmer teilweise mitbenutzen dürfen und ersten Aufträgen für Messebau und private Kunden. Die Erlöse reinvestierten sie gleich in eigenes Werkzeug.

Nach Feierabend die eigene Möbelserie entworfen

Nach Feierabend arbeiteten die beiden an den Entwürfen ihrer eigenen Möbelserie. Neun Produkte gehören bereits zu ihrem Portfolio. Neben diesen eher großen Möbelstücken, entwickeln Uli und Felix derzeit noch an kleineren Produkten wie einem Vogelhaus oder einem besonderen Schneidebrett. Deren Produktion planen sie, beispielsweise an Behindertenwerkstätten auszulagern.

Nachhaltigkeit nimmt wichtigen Stellenwert ein

Rohstoff Design: Werkzeuge

Bei Rohstoff Design setzt man auf echtes Handwerk. Ihre ersten Erlöse investierten Uli und Felix in eigene Werkzeuge und Maschinen.

Mit den kleineren Produkten wollen die beiden Jungunternehmer sich einer breiteren Käuferschicht öffnen und ihr Label bekannter machen. Kerngeschäft sollen aber ihre handwerklich selbst hergestellten Möbel sein. Dabei nimmt das Thema Nachhaltigkeit einen wichtigen Stellenwert ein. „Für uns hat Nachhaltigkeit nicht nur den Umweltaspekt, sondern betrifft auch die Langlebigkeit unserer Möbel“, sagt Uli.

Die hielten nämlich wesentlich länger als einen Umzug. Deshalb setzen die beiden auch auf ein zeitloses Design. Ihren Stil beschreibt Uli als modern, funktional und gradlinig, aber menschlich. „Das Design unserer Entwürfe entsteht eigentlich aus dem Bauch heraus und hat viel damit zu tun, mit welchen Möbeln wir aufgewachsen sind“, erklärt der Designer.

„Unser Unternehmen durchläuft eine permanente Entwicklung“

An dieser Vorgehensweise wollen die beiden festhalten. Auch wenn sie ihre eigenen Wunschvorstellungen regelmäßiger mit der Realität abgleichen wollen. „Unser Unternehmen durchläuft eine permanente Entwicklung“, sagt Uli. Von ihren Produkten und ihrem Konzept sind die beiden nach wie vor überzeugt und hoffen, dass sie nun endlich auch auf dem Markt ankommen. „Wir machen gute Sachen“, sagt Uli, „wieso sollte das nicht klappen.“

Rohstoff Design

www.rohstoff-design.de

Bottrop

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