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New Work ist im Ruhrgebiet angekommen: Rückblick auf den Work Smart Experience Day

Foto: Sebastian Campos/migosens

New Work im Ruhrgebiet: Das war der Work Smart Experience Day in Essen

New Work ist ja gerade DAS Trendthema für Unternehmen, die sich mit Dingen wie dem digitalen Wandel oder Fachkräftemangel herumschlagen. Was genau dahintersteckt und dass es definitiv mehr braucht, als einen Kickertisch ins Büro zu stellen, ist bei vielen Unternehmen allerdings noch nicht angekommen.

Mit dem Work Smart Experience Day #WSXD wollten das Beratungsunternehmen migosens GmbH und der Impact Hub Ruhr für mehr Klarheit sorgen und haben einige der Top-Experten erstmals ins Ruhrgebiet geholt.

Einen Tag lang gab es Inspirationen, Impulse, Tools und Best Practices zu den sehr unterschiedlichen Facetten von New Work oder „Work Smart„, wie Veranstalter migosens das Themenfeld nennt.

Die wichtigsten Insights haben wir für Euch zusammengefasst.

Geht New Work auch in der Verwaltung?

Liegt die neue Arbeitskultur, in die sich traditionelle Unternehmen mühsam hineinarbeiten, Startups ja geradezu im Blut, kann man sich eigentlich kaum vorstellen, dass solch eine Transformation auch in Verwaltungen möglich ist. In der ersten Diskussionsrunde mit Vertretern der Stadt Essen, der IHK und der Essener Wirtschaftsförderung (EWG) erklärten diese, dass es nicht nur möglich ist, sondern dass sie sich selbst auch in einer Vorbildrolle für Unternehmen der Stadt sehen.

Saß das Team der EWG bis vor kurzem noch auf mehrere Stockwerke in Einzelbüros verteilt, wurden die neuen Räumlichkeiten auf nur einer Etage neu und modern gestaltet, ganz im Sinne moderner Zusammenarbeit und passend zur neuen Arbeitskultur. Diese ist nun vor allem agil und zwar nach der OKR-Methode (Objectives and Key-Results), berichtete beispielsweise EWG-Chef Andre Boschem.

„Veränderung gelingt dann gut, wenn Mitarbeiter mitentscheiden können“

Peter Adelskamp, CDO Stadt Essen

Auch Jan Borkenstein von der IHK Essen/Mülheim/Oberhausen und Peter Adelskamp, Chief Digital Officer der Stadt Essen stecken mitten im Thema. Dabei ist allen drei bewusst, dass eine neue Arbeitskultur von oben verordnet nicht funktioniert. „Die Mitarbeiter mitnehmen“, wie es immer so schön heißt, bedeute deshalb, sie in Entscheidungsprozesse mit einzubeziehen. Für das für 2014 geplante neue Bürgerrathaus wurde beispielsweise ein „Nutzerbeirat“ aus Mitarbeitern der Stadt Essen gegründet, der den Prozess mitbegleitet und Feedback gibt, so Peter Adelskamp.

An dieser ersten Diskussionsrunde wurde schon klar, wo der Knackpunkt liegt, ob eine Transformation im Unternehmen gelingt oder nicht: bei der Akzeptanz durch die Mitarbeiter, also den Menschen, die im Unternehmen arbeiten. Das war dann auch das Thema der folgenden Keynote von New Work-Experte Markus Väth.

Markus Väth: Die 5 Grundprinzipien von New Work

Markus Väth (Foto: Sebastian Campos/migosens)

In seiner Keynote „New Work leben, Personalarbeit neu denken“ verankerte Markus Väth den Begriff „New Work“ wieder dort, wo ihn der Philosoph Frithjof H. Bergmann, Vordenker und Visionär der Neuen Arbeit, in den 1980er Jahren ansetzte: beim Menschen.

Wenn sich ein Mensch verändern möchte, so Markus Väths Beobachtung, durchläuft er in der Regel fünf Grundprinzipien.

1) Freiheit. Der Mensch entdeckt und erkennt seine Freiheit, etwas zu verändern, einfach loszulaufen, aufzubrechen zu neuen Ufern.

2) Selbstverantwortung. Einmal losgelaufen wird schnell die eigene Verantwortung klar, die man für seinen Wandel trägt. Freiheit bedeutet eben nicht, zu tun, was man will, sondern die Verantwortung für sein Handeln zu tragen.

3) Sinn. Die Klassiker-Frage im eigenen Veränderungsprozess: „Warum mache ich das?“ Wo will ich hin? Was will ich bewegen?

4) Entwicklung. Hat man die Sinnfrage für sich geklärt, gilt es, nicht stehenzubleiben, sondern sich und sein Handeln auch immer wieder zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

5) Soziale Verantwortung. Irgendwann gelangt man an einen Punkt, wo man sich nicht nur selbst weiterentwickeln will, sondern auch gesellschaftlich etwas bewegen oder sich einbringen möchte.

All diese Prinzipien können auch auf Unternehmen übertragen werden. Doch gilt es dabei, genau hinzuschauen und ggf. erst einmal die Bedingungen zu schaffen.

Trauen sich die Mitarbeiter eines Unternehmens beispielsweise schon nicht, ihre Ideen und Meinungen einzubringen, also ihre Freiheit zu nutzen, wird ein Verändungerungsprozess schwierig.

Work Smart-Workshops: Inspirationen, Best Practices und Tools

Von den Teilnehmern war Mitdenken und Diskutieren gefragt (Foto: Sebastian Campos/migosens)

Nach den Impulsen waren die rund 70 Teilnehmer gefragt, selbst mitzudenken, sich auf verschiedene Facetten einfach mal einzulassen und auszuprobieren.

In den drei ersten Workshops ging es zunächst um unterschiedliche „Work Smart Denkanstöße und Best Practices“.

(Grafik: MOWOMIND)

Julia Collard und Sven Schnitzler von Doppel[t]spitze diskutierten mit ihren Teilnehmern das Thema Jobsharing im Führungssektor, vor allem, welche Vorteile es hat und was es braucht, um gemeinschaftlich zu führen.

Bei Nadine Nobile von CO:X ging es um das spannende Thema, dass New Work auch New Pay braucht. Die Teilnehmer diskutierten Fragen wie, was Leistung eigentlich ist und wie eine gerechte Entlohnung aussehen könnte.

Wie ein Wandel der Arbeit in einem Konzern erfolgreich gelingen kann, präsentierte Dirk Smikale von innogy an dem Arbeitskulturprogramm des Energiekonzerns „innogize our work“ (iow) und diskutierte mit den Teilnehmern, was es braucht, um einen Changeprozess im Unternehmen anzugehen und erfolgreich durchzuführen. Wichtige Aspekte waren hier die Abgrenzungen von Unternehmens vs. Arbeitskultur, das Einbeziehen der Mitarbeiter und der Aspekt des Vertrauens.

Die zweite Workshop-Runde nach der Mittagspause stand unter dem Motto „Selbstreflexion und Tools“.

(Grafik: MOWOMIND)

Wirtschaftsjournalistin und New Work-Expertin Inga Höltmann nahm sich mit ihren Teilnehmern das große Leidthema „Meetings“ vor und diskutierte Fragen, welchen Zweck Meetings eigentlich haben, wo wiederkehrende Problemzonen liegen und wie man diese lösen kann. Hilfreich dabei ist es die einzelnen Phasen in Meetings zu verstehen, wie Vorbereitung, Durchführung, Kommunikation, Abschluss/Ergebnisse, und dort jeweils die Probleme sichtbar zu machen.

Um Achtsamkeit in sozialen Systemen ging es im Workshop mit Trainer und Coach Stefan O. Berns. Hier spielte besonders der Körper und Bewegung eine wichtige Rolle, um die große Herausforderung anzugehen, den Kopf einmal auszuschalten und die Welt um einen herum mal anders wahrzunehmen.

Wie man sich sein „Rudel“ zusammensucht und damit ein starkes Unternehmen mit einer klaren Marke schafft, darum ging es im Workshop „Leitfeuer“ mit Matthias Fuchs. Er ging mit seinen Teilnehmern der Frage nach, wie man die passenden Leute für sein Team findet. Dies geschieht in fünf Glaubensphasen:

  1. Wahrnehmung (ohne Wertung)
  2. Bewertung
  3. Vertrautheit
  4. Vertrauen
  5. Glauben
Nicht nur Spezialisten im Graphical Recording, sondern auch zum Thema New Work: Anna und Nils Schnell von MOWOMIND (Foto: Sebastian Campos/migosens)

Fazit: New Work ist im Ruhrgebiet angekommen

Der Work Smart Experience Day war ein guter erster Aufschlag, das Thema New Work / Work Smart im Ruhrgebiet zu diskutieren mit all seinen Facetten und auch mal mit ein paar Mythen aufzuräumen.

Klar ist aber immer noch, auch wenn New Work bereits in den Verwaltungen angekommen ist, es ist immer noch ein Thema, bei dem viel Unwissen und Unklarheit darüber herrscht, wie Unternehmen es angehen und welchen Nutzen es für sie hat.

Es sollte also weiter diskutiert, aufgeklärt und ausprobiert werden – dann klappt’s auch mit New Work im Ruhrgebiet.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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