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Mowabu: Mobiler Waschbus für Wohnungslose startet in Duisburg

Foto: Edijs Volcjoks / Shutterstock.com

Mowabu-Gründer im Interview: „Ich möchte helfen, etwas zu ändern, etwas zu verbessern“

Malte Petry ist kein gewöhnlicher Gründer. Mit dem mobilen Waschbus „Mowabu“ möchten er und seine beiden Kompagnons Arne Buschmann und Jörg Sälzer Wohnungslosen und sozialbenachteiligten Menschen in NRW die Möglichkeit bieten, ihre Kleidung kostenlos zu waschen. Starten soll das Projekt in Duisburg. Gerade ist das Team dabei, den ersten Bus zum Waschbus umzubauen.

Wir haben mit Malte über seine Idee gesprochen.


Hallo Malte, du bist Co-Founder von Mowabu. Erzähl mal, worum es bei euch geht.

Mowabu+ steht für den ersten mobilen Waschbus für wohnungslose und sozialbenachteiligte Menschen in NRW.

Mowabu+ steht für den ersten mobilen Waschbus für wohnungslose und sozialbenachteiligte Menschen in NRW.

Malte Petry, Mowabu

Der erste Mowabu soll zeitnah in Duisburg starten und dann zukünftig in vielen weiteren Städten in NRW unterwegs sein. Perspektivisch soll jedoch in jeder größeren Stadt in Deutschland ein Mowabu fahren.

Wir möchten Menschen schnellstmöglich helfen, kostenlos dreckige Kleidung zu waschen und kaputte Kleidung auszutauschen. Der Bus wird ausgestattet mit einer Industrie-Waschmaschine und einem Trockner, sowie mit Kleidung aus den Kleidersammlungen unserer Partner in den Städten und durch Kleiderspenden.

Als weiterer Schritt soll der Mowabu+ mit einem mobilen Duschanhänger auch eine Möglichkeit für die körperliche Hygiene anbieten. Diesen Schritt können wir jedoch erst im zweiten Schritt realisieren, wenn uns dafür die fehlenden finanziellen Mittel zur Verfügung stehen.

Der Fokus dieses Projektes liegt vor allem auch im Kontakt zu den Mitmenschen. Ein offenes Ohr für den anderen zu haben bei einer Tasse Kaffee, während die Wäsche gesäubert wird, ehrliche und ungezwungene Gespräche zu führen. Das kleine Gespräch, das Wiedersehen am Bus, das Kennenlernen und das begleiten soll dazu führen, dass die Menschen sich wieder als Teil der Gesellschaft fühlen.

Wie ist die Idee zu Mowabu entstanden?

Die Idee hatte ich selbst gar nicht. In Australien gibt es eine Organisation „Orange Sky“, die genau das bereits tut. Ich habe vor ca. eineinhalb Jahren einen Bericht über Orange Sky gesehen und mir von dem Tag an fest vorgenommen, genau dies auch in Deutschland anzubieten. Orange Sky war die Inspiration dazu.

Mowabu+ geht jedoch noch ein Stück weiter. Das „+“ bei Mowabu steht für ergänzende Hilfe. Jede Stadt hat andere Probleme zu bewältigen, genau dafür steht das „+“. Wir schauen in jeder Stadt individuell, wie wir mit unserem Mowabu zusätzlich unterstützen können. Deshalb stehen wir auch mit vielen bestehenden Institutionen einer Stadt im Austausch und schauen, wie wir ergänzend zum Waschen der Wäsche helfen können.

Wer gehört alles zu Eurem Team und wie habt ihr euch gefunden?

Zum Team von Mowabu zähle ich eigentlich alle Menschen, die uns bei unserem Vorhaben unterstützen. Aber zum Gründerteam gehören Arne, Jörg und ich.

Foto: Mowabu

Wie wir uns gefunden haben ist eigentlich relativ schnell erzählt. Arne ist Pastor und Gründer der FeG Duisburg City. Wir spielen zusammen Fußball in einer Mannschaft. Ich wusste, dass Arne noch ein gemeinnütziges Projekt für die Stadt Duisburg unterstützen möchte, also habe ich Ihn auf Mowabu angesprochen und er war sofort Feuer und Flamme und dabei. Arne kümmert sich vor allem um den Aufbau der Helfer-Community für Mowabu.

Jörg habe ich auf der Arbeit kennengelernt. Er ist ein begnadeter Webdesigner und liebt es Dinge auszuprobieren und mitgestalten zu können. Aus diesem Grund konnte ich ihn auch schnell überzeugen, für Mowabu den online Auftritt sowie das Corporate Design zu machen.

Wie kommt euer Service an? Habt ihr schon erste Erfahrungen gesammelt?

Da der erste Mowabu+ aktuell umgebaut wird und noch nicht auf der Straße unterwegs ist, haben wir noch keine Erfahrungen „live“ sammeln können. Was wir jedoch sehr intensiv gemacht haben, ist mit vielen Personen, Institutionen, zukünftigen Kooperationspartnern und Städten über Mowabu zu sprechen und zu diskutieren.

Es müssen im Vorfeld immer alle wichtigen bestehenden Institutionen angesprochen und überzeugt werden. Mowabu soll keinen Wettbewerb zu bestehen Angeboten einer Stadt oder anderen Trägern darstellen oder als solches wahrgenommen werden, sondern viel mehr eine ergänzende Hilfe.

 Diese Gespräche werden dann auch gerne mit dem Oberbürgermeister persönlich geführt. Hier konnten wir die Erfahrungen machen, dass unser Projekt als eine absolute Bereicherung angesehen wird und wir viel Unterstützung genießen können.

Auch die Gespräche mit obdachlosen Menschen haben uns ermutigt und gezeigt, mit welcher Vorfreude und Dankbarkeit unser erster Mowabu erwartet wird.

Wie finanziert ihr euch in der Startphase und wie wollt ihr mit Eurem Startup Geld verdienen? Oder soll es eher ein Non-Profit-Projekt werden?

Mowabu ist ein Non-Profit-Projekt! Wir machen dieses Projekt aus Überzeugung und wollen damit zu einer besseren Welt beitragen. Klingt vielleicht ein bisschen kitschig, ist aber so.

Das Projekt soll und kann sich nur durch Spenden von ortsansässigen Unternehmen einer Stadt, mit Unterstützung der jeweiligen Stadt und deren Bürgern tragen.

Die Personen, die bei Mowabu arbeiten, machen dies ganz unentgeltlich und ebenfalls aus vollster Überzeugung. Wir wollen mit Mowabu kein Geld verdienen. Natürlich ist perspektivisch nicht ausgeschlossen, dass wir mit Mowabu vielleicht den einen oder anderen Arbeitsplatz schaffen.

Gerade mit Blick auf die Ausweitung in andere Städte, steigt natürlich der organisatorische Part innerhalb des Projektes. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Ein Sozialunternehmen zu gründen ist kein Business as Usual. Was bedeutet für dich, Social Entrepreneur zu sein?

Früher hätte man gesagt, da gründet einer eine gemeinnützige Organisation oder ruft ein gemeinnütziges Projekt ins Leben, mit dem er beispielsweise ein bestimmtes bestehendes Problem versuchen möchte zu lösen. Heute ist man dann Social Entrepreneur.

Ich mache das ja nicht deswegen, sondern weil ich helfen möchte, was zu ändern, was zu verbessern. Das bedeutet mir viel. So gesehen, ist meiner Meinung nach jede Person, welche sich für ein besseres Miteinander einsetzt, in welcher Art und Weise auch immer, ein Social Entrepreneur.

Wo siehst Du die größten Herausforderungen für Euer Projekt und wie wollt Ihr sie angehen?

Die größten Herausforderungen sind ganz klar folgende:

Wir benötigen für jeden neunen Mowabu Unterstützung in Form Spenden, um einen Bus, Waschmaschine, Trockner und die ganze „Infrastruktur“ im Bus (Frischwasser/ Abwassertanks, Pumpe, Stromversorgung etc.) kaufen zu können.

Auf der anderen Seite müssen wir auch unser Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern stetig weiter ausbauen, damit wir auch in anderen Städten zukünftig mit einem Mowabu fahren können. Das sind die zentralen Herausforderungen, denen wir uns stellen müssen.

Die Frage, wie wir diese Herausforderungen angehen, ist relativ einfach zu beantworten. Wir sprechen mit der Stadt und mit ansässigen Unternehmen, ob Sie dieses Projekt finanziell oder in Form einer Sachspende (ein Autohaus mit der Spende eines Busses zum Beispiel) unterstützen möchten.

Wir sprechen mit den Medien, damit wir einen gewissen Grad an Bekanntheit bekommen, damit auch die potenziellen ehrenamtlichen Helfer (Bürger) auf uns aufmerksam werden. So versuchen wir aktuell die Herausforderungen zu meistern.

Was habt ihr bisher erreicht und was sind Eure nächsten Ziele?

Bisher haben wir erreicht, dass die Stadt Duisburg und alle wichtigen Institutionen von der Idee überzeugt sind. Ebenfalls haben wir ortsansässige Unternehmen von der Idee überzeugen können, für dieses Projekt zu spenden oder bei der Planung und Montage und dem „Bau“ des Busses zu helfen.

Hinzukommend haben wir bereits eine feste Helfer-Community gewinnen können. Der erste Mowabu wird aktuell geplant und zeitnah gebaut. Uns liegen aktuell bereits Anfragen weiterer Städte in NRW vor, die gerne ebenfalls einen Mowabu in ihrer Stadt haben möchten.

Erst einmal möchten wir in Duisburg und Essen mit dem Mowabu starten und Erfahrungen sammeln. Unser Ziel ist es jedoch, dass in jeder größeren Stadt in NRW jeweils ein Mowabu zukünftig fährt und den bedürftigen Menschen dabei hilft, ein würdevolleres Leben zu führen.

Nur mit Unterstützung von euch da draußen, kann dieses Projekt ausgeweitet werden. Holt euch gerne mehr Infos auf www.mowabu.de oder schreibt uns an. Wir freuen uns auf euch.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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