Daily Business

Wie du mit einem Erfolgsteam herausfindest, was du wirklich willst und es dann umsetzt

Erfolgsteams

Von Carmen Radeck

Herauszufinden, was man wirklich in seinem Leben machen will und das dann auch in die Tat umzusetzen – das ist Sinn und Zweck der Erfolgsteams, einem Coaching-Programm nach der US-amerikanischen Autorin und Karriereberaterin Barbara Sher.

Marie Sist, Leiterin Erfolgsteam

Marie Sist (Foto: privat)

Marie Sist, geboren in Frankreich und nach einigen Jahren in Österreich nun Neu-Dortmunderin, ist ausgebildete Erfolgsteam-Leiterin und erklärt im Interview mit ruhrgruender.de das Geheimnis hinter dem Erfolgsteam-Konzept. Das ist nicht nur perfekt für die Suche nach dem Traumberuf, sondern hilft auch bei beruflichen oder privaten Umbrüchen, Neuorientierungen oder Krisen.

Hallo Marie, erzähl doch mal, wie Du selbst zum Erfolgsteam gekommen bist?

Marie: Ich hatte, als ich noch in Österreich lebte, zusammen mit einer Partnerin eine Firma gegründet, wo wir Eventmanagement und Teambuilding-Maßnahmen anbieten wollten. Und weil wir uns gerade selbstständig gemacht hatten und Gründerinnen waren, dachten, wir müssten unbedingt netzwerken und haben geschaut, was es da so gibt. Es gab zum Beispiel das Business Network International, das ziemlich streng reglementiert ist und auch ein paar andere Sachen.

Da hatten wir die Idee unser eigenes Netzwerk zu starten. Wir wollten nicht nur ein Treffen, wo man sich unterhält, wir wollten eine Form haben, etwas Workshop-artiges anbieten und fingen an nach Ideen zu suchen. Im Internet sind wir dann auf das Erfolgsteam-Konzept von Barbara Sher gestoßen. Das kannten wir bisher gar nicht. Ich hab mir dann viele Sachen von Barbara Sher angeschaut und fand es einfach genial. Wir haben dann herausgefunden, dass man auch in Deutschland Erfolgsteamleiter werden kann, und ich hab mich entschlossen, diese Ausbildung zu machen. Zufällig habe ich dann erfahren, dass Barbara Sher eine Ausbildung zum Livecoach in Frankfurt anbietet. Das habe ich dann letztes Jahr auch gemacht, parallel zur Erfolgsteam-Ausbildung. Das war wirklich genial, sie persönlich kennenzulernen.

Welche Idee steckt hinter dem Erfolgsteam-Konzept?

Marie: Es gibt zwei Grundideen. Die erste ist: In dem, was du liebst, liegen deine Talente. Barbara Sher hat verschiedene Wege entwickelt, um herauszufinden, was man liebt. Sie hat auch festgestellt, dass es viele Menschen gibt, die verschiedene Talente haben und dass es auch völlig legitim ist, alle diese Talente auszuleben. Viele sind oft jahrelang frustriert, weil sie von anderen Vorwürfe bekommen, sich nicht auf eine Sache fokussieren zu können, und nie etwas zu Ende machen und immer neue Sachen anfangen. Weil sie es einfach nicht aushalten, in einer Sache stecken zu bleiben und immer noch etwas wissen und noch etwas lernen wollen.

Doch Barbara Sher meint, das ist völlig okay, es muss nur eine Form für diese Menschen gefunden werden. Leonardo da Vinci oder Einstein waren auch Multitalente, und das hat keinen gestört. Aber in den letzten Jahrzehnten hat sich alles hin zum Spezialisten entwickelt. Für viele ist das einfach unerträglich und passt eigentlich gar nicht zu ihnen, sich nur auf eine Sache zu fokussieren.

Viele denken, dass sie das, was sie gelernt haben, auch tun müssen. Wenn du zum Beispiel Medizin studiert hast, musst du Arzt werden, auch wenn du merkst, das ist gar nicht so deins. Für viele ist es immer noch eine absurde Vorstellung, nicht das zu machen, was sie gelernt haben. Barbara Sher meint dagegen, dass es deine Aufgabe ist, zu tun, was du liebst. Es wird immer einen Weg geben, genau das zu tun.

Das heißt aber nicht, dass das immer zu einem Beruf werden muss. Es ist völlig legitim, wenn man einen „Gut-genug-Job“ hat. Wir müssen alle Geld verdienen, um unsere Miete zu zahlen oder unsere Kinder zu ernähren. Nebenbei können wir aber unsere Talente ausleben. Das ist oft wichtig, um den Job zu ertragen. Sonst ist man frustriert.

Die zweite Grundidee ist, dass Isolation der Traumtöter ist. Das heißt, dass wir Unterstützung bei der Verwirklichung des Traums brauchen. Von Barbara gibt es einen genialen Satz: Du kannst Deinen Traum erreichen, du kannst alles tun und bekommen, was du möchtest, selbst wenn Du keine Ziele hast, keinen Charakter hast und immer schlecht gelaunt bist“. Es geht also nicht darum, immer positiv zu denken oder konkrete Ziele zu haben. Es geht einfach darum, dass du Unterstützung brauchst. Du brauchst nichts an deiner Einstellung zu ändern, du brauchst einfach nur ein Team von Leuten, die dich am Ball halten, die wissen, was dir wichtig ist.

Wie kommt die Gruppe zusammen? Spielt die Zusammensetzung des Teams eine Rolle?

Marie: Das ist eigentlich nicht so wichtig, weil das Erfolgsteam-Konzept sehr strukturiert ist und gut geführt wird. Es kommen vier bis sechs Personen zusammen, die sich dafür bei mir anmelden, meistens aus ganz unterschiedlichen Branchen. Wir vereinbaren acht Termine, an denen wir uns alle treffen. Die ersten drei Treffen finden jede Woche statt, damit eine Dynamik entsteht, danach jede zwei oder drei Wochen.

Wie laufen die Erfolgsteam-Treffen ab?

Marie: In den ersten drei Treffen reden wir noch gar nicht über konkrete Ziele. Es geht darum, dass man erst mal losträumt. Eine Aufgabe ist aufzuschreiben, wie dein idealer Tag ausschaut. Da darf alles drin sein – mit wem du Mittag ist, selbst wenn es denjenigen noch gar nicht in deinem Leben gibt, ob du Kinder hast, was du liest, wie dein Zuhause ausschaut, wo du wohnst. Du kannst in Mexiko frühstücken und in Paris Mittag essen. Es spielt erstmal keine Rolle, was Wirklichkeit ist und was nicht.

Beim zweiten Treffen erzählt dann jeder seinen idealen Tag vor der Gruppe. Es ist dabei sehr wichtig, dass die anderen sehen oder spüren können, was demjenigen besonders wichtig ist. Dann sagen wir dieser Person, wann ihre Augen besonders geleuchtet haben oder wann wir gemerkt haben, dass ihr etwas sehr wichtig ist.

Danach geht es daran herauszufinden, welche Dinge unbedingt in deinem Leben sein müssen und wie du sie Stück für Stück in dein Leben hineinholst. Dazu machen wir unterschiedliche Übungen, in denen jeder Schritt für Schritt erkennt, welche Dinge ihm im Leben wichtig sind.

Eine andere Übung ist, wenn ich fünf Leben gleichzeitig oder parallel erlebe, was ich dann alles tun würde. Wenn jemand zum Beispiel sagt, mein Traum ist es, Präsident der USA zu sein, muss die Gruppe ganz genau nachfragen, was es ist, das diese Person daran so fasziniert, was genau an diesem Leben der Person besonders gefällt. Wir suchen immer nach dem Wesenskern. Das ist besonders wichtig, denn oft findet man heraus, dass man diesen Wesenskern auch ganz anders bekommen kann. Man muss dazu gar nicht Präsident der USA sein.

Ab dem dritten Treffen fangen wir an, ein konkretes Ziel zu definieren. Dabei muss das Ziel nicht unbedingt im Rahmen der acht Treffen erreicht werden. Das Ziel ist zum Beispiel, einen Modeladen zu eröffnen. Das kann man ja nicht sofort machen. Deswegen ermittelt man mit einer Rückwärtsplanung, welche einzelnen Schritte dazu notwendig sind. Für das nächste Treffen entscheidet jeder, welchen konkreten Schritt er bis zum nächsten Mal machen wird.

Der Ablauf der nächsten Treffen ist dann immer gleich: Zuerst sagt jeder, ob der den Schritt gemacht hat oder nicht oder ob es vielleicht nur halb gelungen ist. Vielleicht sagt man auch, wie es ihm oder ihr dabei ergangen ist. In der zweiten Runde bekommt jeder Unterstützung von den anderen. Jeder bekommt 15 Minuten Zeit und bekommt von den anderen Ideen zu dem nächsten Schritt, der gemacht werden muss. Vielleicht weiß man nicht, wie man da herangehen soll und die Gruppe sucht gemeinsam nach einer Lösung. Manchmal geht es auch einfach nur um Motivation oder darum, Mut zu machen. In der letzten Runde geht es wieder darum festzulegen, welchen Schritt jeder bis zum nächsten Mal macht.

Zwischen den Treffen, bauen wir sogenannte Unterstützungsanrufe ein. Jeder ruft jemanden aus der Gruppe an, um zu fragen, wie es läuft oder wie es dem anderen geht.

Die einzelnen Gruppenmitglieder sind ja keine ausgebildeten Berater oder Coaches – was qualifiziert sie dazu, Tipps zu geben?

Marie: Das ist eine berechtigte Frage. Ich sage immer, dass Erfolgsteams kein Ersatz sind für fachliche Beratung bei Fragen zu Rechtsformen oder Marketing oder was man gerade braucht. Bei den Erfolgsteams geht es darum, dass man nicht alleine ist. Ziele, die man sich selbst setzt und keinem anderen erzählt, da passiert meistens nicht viel – ich kenne das ja selbst. Die Magie dieser Methode, das, was wirklich wirkt, ist die Unterstützung durch die Gruppe. Die einzelnen Gruppenmitglieder machen ganz unterschiedliche Sachen und verfolgen ganz unterschiedliche Ziele. Sie können dir vielleicht keinen fachspezifischen Rat geben, aber sie werden dir helfen, weiterzukommen. Sie werden schon ein paar Ideen haben, weil jeder Ideen hat. Man denkt oft, ich bin gar nicht vom Fach, ich darf gar nichts dazu sagen.

Auch bei Ideenpartys sage ich das immer: Jeder hat Ideen, egal ob verrückt oder anders oder unqualifiziert – wenn sie nur geäußert werden, haben sie etwas Gutes. Und gerade wenn man nicht vom Fach ist oder in einer anderen Branche arbeitet, wird man den anderen viel besser unterstützen können, weil Vorurteile oder Vorbehalte nicht da sind und man eher ermutigt, als jemanden von etwas abzuhalten.

Was passiert nach diesen acht Terminen? Machen die Teams dann allein weiter?

Es ist unterschiedlich. Ich kenne Teams, die nicht weitergemacht haben. Ich sage immer, ihr habt die Möglichkeit weiterzumachen, aber selbst wenn ihr nicht weitermacht, habt ihr die Methode gelernt und wisst, dass ihr euch Unterstützung holen sollt und könnt.

Das Wichtige ist das Handeln, das Aktivwerden. Das ist jedes Mal die Verpflichtung, die du bei jedem Treffen eingehst.

Sind Erfolgsteams auch für Gründer eine gute Methode?

Marie: Ja, absolut! Ich habe Erfahrung mit Leuten, die schon selbstständig waren und die sich nicht so klar darüber waren, wie’s weitergeht oder in welcher Nische sie sich positionieren sollen. Oder auch mit Frauen, die jahrelang nicht gearbeitet haben und sich selbstständig machen möchten, zuhause in der Familie aber keine Unterstützung bekommen. Es gibt auch Leute, die noch im Angestelltenverhältnis sind und dort raus oder mehr nebenbei machen wollen oder sich auch mehr selbstverwirklichen wollen. Wie die Frau mit dem Modegeschäft. Sie hat ihre Stelle gekündigt und ist jetzt Unternehmerin.


Erfolgsteam-Workshops und Ideenpartys

Der nächste Erfolgsteam-Workshop, den Marie leitet, startet am 30. September 2014.

Wer erst einmal in das Konzept hineinschnupper möchte, der sollte unbedingt mal eine Ideenparty besuchen, die Marie zusammen mit ihrem Ehemann Chrisitan regelmäßig in Dortmund steigen lässt. Nächster Termin ist am 23. September von 18.30 bis 22 Uhr im Work Inn in Dortmund.

Weitere Infos zu Marie und ihrem Angebot findet ihr hier.

 

Hinterlasse einen Kommentar

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr erfahren

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close