Gründer und Startups

Maschinensucher: Vom Einzelunternehmen zum Startup

Thorsten Muschler: Erst Einzelunternehmen, dann Startup

Thorsten Muschler, Gründer von Maschinensucher (Foto: Maschinensucher)

Nach 10 Jahren Einzelunternehmen plötzlich Startup

Als Internet-Pionier war Thorsten Muschler mit seinem Online-Portal Maschinensucher bereits zehn Jahre lang erfolgreich als Einzelunternehmen unterwegs, bevor er sich dazu entschloss, internationaler zu werden und zu wachsen. Heute ist Maschinensucher der europaweit führende Online-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen. Thorstens Ziel: Die Marktführerschaft festigen und ausbauen.

Im Interview mit Thorsten erfahrt Ihr:

  • Wie er bereits 1999 auf die Idee kam, einen Online-Marktplatz zu starten
  • Warum er sich nach zehn Jahren als Solopreneur dazu entschloss zu wachsen und Mitarbeiter einzustellen
  • Was sich für ihn und sein Unternehmen geändert hat, seit er so schnell wie ein Startup wächst und wie er damit umgeht
  • Thorstens wichtigstes Learning als Unternehmer

Maschinensucher: Zu Besuch bei einem Internetpionier

Erst Einzelunternehmer, jetzt Chef von rund 20 Mitarbeitern

Erst Einzelunternehmer, jetzt Chef von rund 20 Mitarbeitern (Foto: Maschinensucher)

Als ich Thorsten Muschler in seinem Büro in Essen besuche, ist gerade die neue Etage fertig geworden in dem Bürogebäude an der Kronprinzenstraße. Besonders seit 2015 wächst das Team von Maschinensucher rasant, sodass eine Etage nicht mehr ausreichte.

Mit den neuen Räumlichkeiten kann Thorsten sein derzeit  19-köpfiges Team problemlos erweitern. 30 Mitarbeiter sollen es zum Ende des Jahres sein.

Neben einem SEO & SEA Manager werden derzeit auch intensiv Softwareentwickler gesucht.

Der Standort an der Kronprinzenstraße, nicht weit entfernt vom Essener Hauptbahnhof, scheint ein Ort der Pioniere zu sein. Direkt nebenan sitzt Kai Brökelmeier mit virtualnights, einem Ruhrpott-Startup der ersten Stunde. Auch Thorsten ist mit seinem 1999 gegründeten Online-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen ein echter Internetpionier im Ruhrgebiet.

Hidden Champion: Europas führender Online-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen

Screenshot von Maschinensucher (Foto: Maschinensucher)

Gestartet als Einzelunternehmen ist Maschinensucher.de heute der europaweit führende Online-Marktplatz für Gebrauchtmaschinen.

Zusammen mit der internationalen Version Machineseeker.com, die in mehr als 60 Länderversionen läuft, werden aktuell rund 130.000 Maschinen von mehr als 5.300 Händlern angeboten. Gebrauchte Maschinen im Wert von 600 Millionen Euro werden monatlich angefragt. Eine Steigerung von über 80 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Neben der Browser-Variante für Desktops gibt’s die Plattform inzwischen auch als Mobile-App in acht Sprachen. Händler bekommen Kaufanfragen so direkt per Push-Nachricht auf ihr Smartphone.

Wie die Idee entstand und ein Essener Student zum Internet-Pionier wurde

Die Idee kam Thorsten bei seinem Studentenjob in einem Industrie-Unternehmen, das hin und wieder mit Gebrauchtmaschinen handelte. Als Thorsten den Auftrag hatte, eine ganz bestimmte Maschine zu beschaffen, schaute er auch ins Internet.

„Das war damals allerdings sehr mühselig, weil entsprechende Online-Angebote noch auf statischen Websites basierten“, erinnert sich der Gründer. „So entstand bei mir die Idee, diese Online-Suche interaktiver zu gestalten und einen Online-Marktplatz zu entwickeln, auf dem man kostengünstig und einfach Gebrauchtmaschinen kaufen und verkaufen kann.“

Dass Thorsten nicht programmieren konnte, hielt ihn nicht davon ab, sein Unternehmen Maschinensucher zu starten. Das geschah übrigens noch  von seinem Kinderzimmer aus. Dort brachte sich der damalige Student selbst bei, wie man  programmiert und legte einfach los.

„Ohne Businessplan, ohne Fremdkapital. Ich bin einfach erstmal losgelaufen, ohne einen Masterplan zu haben. Das ging damals so”, sagt Thorsten heute.

„Bei gebrauchten Maschinen wird ein Marktplatz übrig bleiben. Das werden wir sein.“ [Interview]

Es ist noch Platz für neue Mitarbeiter (Foto: Carmen Radeck)

Vom Kinderzimmer ging es  in die erste eigene Wohnung, eine WG, danach in ein Loft mit Büro und schließlich mit den ersten Mitarbeitern ins erste offizielle Büro an der Kronprinzenstraße.

Zehn Jahre hast Du Dein Unternehmen ganz allein geführt, hast von der Programmierung über Buchhaltung bis zum Marketing alles selbst gemacht. 2008 erst hast Du Deinen ersten Mitarbeiter, einen Programmierer, eingestellt. Warum erst dann?

Die Arbeit war für mich allein einfach nicht mehr zu schaffen.

Ich muss aber zugeben, dass ich den Zeitpunkt, jemanden einzustellen, etwas hinausgezögert habe. Als Einzelunternehmer hatte ich kurze Entscheidungswege und musste nichts mit anderen abstimmen. Dafür gibt es jetzt Spezialisten für jeden Bereich des Unternehmens, was uns enorme Vorteile bringt. Anders wäre das große Wachstum nicht möglich gewesen.

Heute freue ich mich über die vielen tollen Ideen, die im Team entstehen. Jede Woche gibt es deshalb einen gemeinsamen Team-Lunch, um sich auch mal interdisziplinär auszutauschen.

Dein Unternehmen ist dann erst langsam gewachsen, seit 2015 gibst Du Vollgas und hast Deine Belegschaft innerhalb kürzester Zeit mehr als verdoppelt. Was sind die Gründe dafür, dass Du jetzt so schnell wächst?

Der Markt mit Gebrauchtmaschinen hat sich in den letzten Jahren erst so richtig digitalisiert.

Vor 10 bis 15 Jahren gab es nur wenige Online-Händler in dem Bereich. Gebrauchtmaschinen wurden entweder über Fachmagazine oder über das eigene Netzwerk verkauft.

Mit der Digitalisierung verlagert sich der Handel von Gebrauchtmaschinen immer mehr ins Internet – auch international. Deswegen wollen wir unsere bisherige Position als europaweit führender Online-Marktplatz auch weiter ausbauen.

Wir gehen davon aus, dass es langfristig gesehen nur einen großen Marktplatz geben wird. So war es in anderen Bereichen auch. Bei Immobilien landet man bei Immobilienscout. Bei Auktionen bei Ebay. Bei gebrauchten Maschinen wird auch am Ende des Tages einer übrig bleiben. Und das werden wir sein.

Wie war dann für Dich die Umstellung vom Einzelunternehmer zum Chef? Hast Du Dir explizit Gedanken über eine Firmenkultur oder ähnliches gemacht?

Ich lasse meinen Mitarbeitern viel Freiraum, damit sie die Arbeit nach ihrer Gangart erledigen und das Unternehmen mitgestalten können. Das war mir von vorneherein sehr wichtig. Deshalb stelle ich auch gern Leute ein, die vorher selbständig waren, weil sie meist eigenständiger arbeiten. Je mehr Mitarbeiter eigenständig arbeiten, desto weniger muss ich steuern.

Ab zehn Mitarbeitern ist die Koordination schon eine Herausforderung. Deswegen fangen wir gerade an, zusätzliche Ebenen neben mir als Geschäftsführer einzurichten.

Wir haben jetzt beispielsweise einen CTO, der das Entwicklerteam steuert und mit dem ich mich einmal am Tag zum Meeting treffe. So werden wir das auch mit den anderen Abteilungen machen, wenn sie weiter wachsen.

Thorsten Muschler an seinem Standort in Essen (Foto: Carmen Radeck)

Wie hat sich Deine eigene Arbeit verändert? Was machst Du heute nicht mehr, bzw. was sind heute Deine Aufgaben?

Ich programmiere schon seit Jahren nicht mehr selbst und sitze auch nicht mehr direkt im Kundensupport. Es ist eine sehr spannende und hilfreiche Erfahrung, wenn man ganz nah am Kunden arbeitet.

Die Kombination aus Programmieren und Kundensupport war anfangs perfekt, weil ich parallel zur Entwicklung der Website von den Nutzern knallhart Feedback dazu bekommen habe, was funktioniert und was nicht. So habe ich wirklich gelernt, wie die Branche tickt.

Heute beschäftige ich mich vor allem mit der Weiterentwicklung und der strategischen Ausrichtung des Unternehmens. 

Was sind die wichtigsten Erfahrungen, die Du als Unternehmer gemacht hast? Was würdest Du anderen Gründern mit auf den Weg geben?

Ich würde immer versuchen, ein Problem erstmal mit minimalem Aufwand und möglichst einfach zu lösen. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass diese großen Masterpläne oft nicht funktionieren.

Man programmiert Jahre lang und weiß überhaupt nicht, ob dieses Feature oder dieses Produkt überhaupt funktioniert. Man steckt wahnsinnig viel Arbeit rein, man baut und baut und baut und irgendwann trifft das Ding dann auf die Realität. Und man stellt fest, dass man komplett am Kunden vorbei entwickelt hat.

Deswegen bin ich ein großer Freund vom Ansatz des Minimum Viable Product.

Erst, wenn wir positives Feedback von unseren Nutzern haben, werden die Funktionen weiterentwickelt und automatisiert. Man gewinnt damit unheimlich viel Zeit, die man sonst vielleicht mit unnützer Arbeit verbrennen würde.

Es ist in meinen Augen wichtig, sich nicht zu verrennen und nicht schon am Anfang alles perfekt machen zu wollen. Dann sind nämlich ganz schnell  eineinhalb Jahre rum und wer weiß wie viel Geld weg, nur um festzustellen, dass es für das Produkt gar keinen Käufer gibt.

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