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LokalesHandwerk.de will digitale Transformation des Handwerks anschieben (Startup of the Month)

Foto: LokalesHandwerk.de

LokalesHandwerk.de aus Essen ist Startup of the Month

LokalesHandwerk.de heißt das Startup of the Month, das unsere Freunde vom ruhr:HUB für den November ausgewählt hat. Die beiden Gründer Lars Steinborn und Fabian Schnabel haben es sich zur Aufgabe gemacht, die digitale Transformation des Innungshandwerks mit anzuschieben. Ihre Plattform betreibt das Essener Startup in Kooperation mit der Kreishandwerkerschaft.

Wir haben mit Fabian über die Idee gesprochen.


Was ist die Idee hinter LokalesHandwerk.de?

LokalesHandwerk.de ist eine B2C- und B2B-Vermittlungs-Plattform in Händen des Innungshandwerks. Wir möchten die digitale Transformation des Innungshandwerks aus sich selbst heraus realisieren.

Dies bedeutet, dass die Plattform zu den größten Teilen den Kreishandwerkerschaften gehört. Das Innungshandwerk bietet mit den ca. 290 Kreishandwerkerschaften, den ca. 4.000 Innungen und den ca. 200.000 Innungsbetrieben in Deutschland aktuell noch große Potenziale in diesem Feld. Die Innungen und Kreishandwerkerschaften kennt in der Gesellschaft kaum noch jemand, aber diese stehen für qualitativ hochwertiges Handwerk und nicht für billig billig billig.

Wir möchten so die Qualität, das Vertrauen und die Nähe unserer Innungsbetriebe, die aus der Jahrhunderte alten Tradition heraus entstanden ist, für die neuen Logiken eines digitalen Marktes aktivieren. Hier sollen die Menschen das Vertrauen entwickeln auch die Dinge über das Internet vermittelt zu bekommen die viele tausende Euro kosten wie eine Dachsanierung, Hausbau, Hochzeit, Badezimmersanierung etc.

Was ist das Geschäftsmodell hinter der Plattform und wer sind Eure Kunden?

Wir finanzieren uns derzeit über ein Freemium-Modell über die Innungsbetriebe, die die kostenpflichtigen Mehrwerte der eigenen Plattform nutzen möchten.

Die nächsten Schritte sind dann Provisionsmodelle für digitale Bezahlsysteme, Bewertungssysteme und einen Marktplatz über den unsere Betriebe Produkte und Dienstleistungen Dritter mieten oder kaufen können. Viele weitere Systeme sind geplant.

Der Endkunde von den Betrieben ist kostenlos zufrieden.

Wie ist die Idee entstanden?

Die Idee haben Lars und ich an der Uni Duisburg-Essen aus meiner Promotion heraus entwickelt und dann gemeinsam mit den visionären Ehrenämtlern der Kreishandwerkerschaft Essen an deren Bedürfnisse angepasst. Wichtige Personen waren dabei auch Prof. Alexander Schmidt, mein Doktorvater, und Frau Gabriele Poth, die von Seiten der Handwerkskammer Düsseldorf ebenfalls schnell die Potenziale dieser Plattform für das Innungshandwerk erkannte.

Wir sind echt froh, dort solch mutige Menschen kennengelernt zu haben. Insbesondere Herr Martin van Beek, der Kreishandwerksmeister von Essen, und Herr Wolfgang Dapprich, der HGF der KH in Essen.

Die Idee wird auch aktuell mit allen mitmachenden Akteuren des Innungshandwerks weiterentwickelt, wozu beispielsweise auch die Fachverbände gehören.

Wie finanziert Ihr Euch?

Aktuell arbeiten wir noch nicht kostendeckend und müssen auch die nächste Wachstumsphase organisieren. Diese beiden Finanzierungsphasen werden bisher ausschließlich über Kapital des Innungshandwerks betrieben. Wir sind aber auch offen für Dritte, wenn diese an die Relevanz und das Potenzial des Innungshandwerks glauben.

Was treibt Euch an, Euch jeden Morgen aufs Neue ins Startup-Hustle zu stürzen?

Das Potenzial dieser Plattform ist riesig. Aber der wirkliche Hype wird erst noch kommen, das ist aber absehbar.

Wir warten auf den Wendepunkt, dass der Anbietermarkt zum Nachfragermarkt wird.

Darüber hinaus aber ist es die Resonanz der Inhaber der Innungsbetriebe, die immer häufiger sehen, was diese Plattform für Potenziale für ihren Markt bietet. Deren stetig steigende Dankbarkeit und Anerkennung ist es, was uns besonders antreibt.

Wir können hier aber auch aufzeigen, dass solche etablierten Organisationen wie die des Innungshandwerks auch in der Lage sein können besser selber die Kompetenzen aufzubauen und selber Innovationstreiber zu sein, anstatt sich von drittklassigen Agenturen abhängig zu machen.

Dies wäre auch vielen anderen großen Konzernen zu empfehlen. Die meisten lassen aber bloß solche Projekte von eher schlechten Agenturen durchführen, um als Vorstand solche Projekte vorweisen zu können.

Ihr steht als Unternehmer noch am Anfang. Wer sind Eure Vorbilder und warum?

Ich blicke immer wieder auf meinen Urgroßvater, der damals in einer schwierigen Wirtschaftslage ein Unternehmen gegründet hat, das bis heute als KMU solide Bestand hat.

Natürlich gucken Lars und ich auch auf die ganzen großen Vorbilder der digitalen Plattformwirtschaft. Wobei gerade Lars aber immer wieder darauf hinweist, dass es letztendlich auch bei denen nicht ausschließlich auf die großen sichtbaren Köpfe der Unternehmen ankommt, sondern auf das Know-How des Teams der Leader im Hintergrund.

Das ist gerade bei uns ganz genauso. Denn das Handwerk ist sehr heterogen und besteht aus vielen einflussreichen Akteuren.

Wenn’s mal nicht so rund läuft, was ist Eure Krisen-Strategie?

Wir haben vieles selber in der Hand. Eines unserer Mottos ist es, ganz offen die jeweils aktuellen Herausforderungen unter uns zu anzusprechen und dann direkt Lösungsansätze zu entwickeln. Das geht sicherlich nicht immer lautlos und das muss auch so sein.

Wir haben vieles selber in der Hand. Eines unserer Mottos ist es, ganz offen die jeweils aktuellen Herausforderungen unter uns zu anzusprechen und dann direkt Lösungsansätze zu entwickeln. Das geht sicherlich nicht immer lautlos und das muss auch so sein.

Fabian Schnabel – LokalesHandwerk.de

Diese Herausforderungen und Lösungsansätze werden dann in größerer Runde des Innungshandwerks mit den mitmachenden KH´s und Innungen besprochen. Das kommt bisher auch gut an und wir haben bisher alle Herausforderungen gemeistert.

Die offene Kommunikation sowie die Lösungsorientierung sind dabei sicherlich die Erfolgsfaktoren.

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine?

Unsere Strategie ist es, aktuell zunächst das Angebot zu erhöhen und die Plattform möglichst schnell in möglichst vielen urbanen und ländlichen Regionen anzubieten.

Darüber hinaus werden wir die Funktionalität der Plattform qualitativ und quantitativ verbessern. Und ein drittes Ziel ist es, die Betreibergesellschaft mit mehr Kapital für die nächste Wachstumsphase auszustatten.

Wieso habt Ihr den Titel „Start-up of the Month“ verdient?

Der USP von LokalesHandwerk.de ist, dass diese Plattform dem Innungshandwerk gehört. Das sind aktuell ca. 10.000 Innungsbetriebe im Ruhrgebiet, dem Rheinland und dem Münsterland. Diese Plattform macht diese lokalen Betriebe und das Innungshandwerk generell zukünftig schlagkräftiger, in einem Markt dessen Logik sich stark verändern wird.

Das ist ein Aspekt der allein es rechtfertigt, dass wir diese Auszeichnung erhalten.

ruhr:HUB ist die zentrale Anlaufstelle für die digitale Wirtschaft in der Region. Sein Ziel ist es, Startups und Unternehmen zu unterstützen und aktiv miteinander zu verknüpfen – mit Fokus auf B2B-Themen wie IT-Security, eHealth oder Industrial Technologies.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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Geschrieben von Carmen Radeck