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Legaltech-Startup Juracus prüft Verträge in Sekundenschnelle

(Foto: fizkes/Shutterstock)

Startup-Interview mit Gökhan Akkamis von Juracus

Verträge – denkt Ihr da auch an seitenweise umständlich formulierten Text mit tausend Fallstricken zwischen den Zeilen? Trotzdem sind Verträge der Alltag in jedem Unternehmen.

Das Schwerter Legaltech-Startup Juracus hat eine KI-basierte Software entwickelt, die es den Rechtsabteilungen in Unternehmen ermöglichen soll, Verträge sekundenschnell auf Konflikte zu analysieren. Wir haben mit Co-Founder Gökhan Akkamis über die Problematik und seine Lösung gesprochen.


Hey Gökhan, was ist die Geschäftsidee hinter Juracus?

Juracus ermöglicht es, Verträge – unabhängig der Branche oder Komplexität – auf die Compliance des Empfängers binnen Sekunden zu überprüfen.

Es ist folgendermaßen: Juristen in Rechtsabteilungen bearbeiten Tag ein Tag aus eingehende Verträge. Diese Menschen haben eine langwieriges Studium mit Berufsausbildung hinter sich und kosten dementsprechend im Schnitt etwa 45€/h intern. Je nach Vertrag und Branche braucht der Jurist 2 bis 15 Arbeitsstunden um den gesamten Vertrag durchzuarbeiten. 

Das ist extrem teuer, vor allem, weil ein Vertrag mit jedem Neukunden und jeder Geschäftsanbahnung anfällt. Das ganze bekommt durch folgenden Umstand noch eine zynische Dimension: 80 Prozent der Verträge werden verhandelt und nicht direkt akzeptiert.

Das bedeutet, dass der Jurist, der sich durch den Software-Mietvertrag gekämpft hat, den gleichen Vertrag in drei Wochen nochmal auf den Tisch bekommt. Natürlich weiß nach drei Wochen und Dutzenden anderen Verträgen niemand mehr, was in diesem Vertrag stand.

Mit Juracus können Juristen einfach ihre Filter festlegen, wie z.B. „Ich möchte keine Vertragsstrafen“, „Unsere Verträge müssen eine Laufzeit zwischen 12 und 36 Monaten beinhalten“ oder „Gerichtsstand muss in Bochum sein“, und tausende Verträge in kürzerster Zeit mit aktuell 30 Kriterien abgleichen lassen.

Juracus beim RuhrSummit Pitch 2019 (Foto: Seba Campos/RuhrSummit)

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Etwas unkonventionell. Wir waren gerade mit einer ganz anderen Idee auf die Nase geflogen, als wir David Schonebeck von der d.velop AG auf dem Ruhrsummit 2018 kennengelernt haben.

Long story short: Diese Idee kommt von der d.velop AG, die selbst diesen immensen Pain hat. 

Wir als Gründer-Team bringen alle notwendigen Kompetenzen mit und halten die IP und den Code. Die d.velop AG ist und bleibt aber unser engster Partner.

Wer sind Eure Kunden und wie verdient Ihr Geld?

Unsere Zielkunden sind Unternehmen mit einer Rechtsabteilung, das fängt in der Regel ab 500 Mitarbeitern an.

Unser Produkt kann aktuell schon erworben werden, wir bieten ein Abo-Modell pro Nutzerkonto und Monat von 49,95€ inkl. USt. an.

Neben unseren Zielkunden haben wir auch selbstständige Rechtsanwälte mit technischer Affinität, Geschäftsführer von KMU ohne Rechtsabteilung und interessanterweise VC-Fonds als Kunden.

Wie finanziert Ihr Euch in der Startphase?

Die d.velop AG ist bei uns als Seed-Investor investiert, wir erzielen aber natürlich bereits relevanten Umsatz und werden 2020 schon schwarze Zahlen schreiben können.

Erzähl ein bisschen was über das Gründerteam. Wer gehört dazu und was ist Euer Background?

Nick Albrecht und ich sind gemeinsam unternehmerisch aktiv, seitdem wir volljährig sind, das sind mittlerweile 4 Jahre ;-). 

Nick ist Entwickler und tatsächlich auch Ingenieur vom Background her, ich bin Jurist und habe dazu BWL studiert. Till ist zu uns gestoßen, als wir noch an ganz anderen Projekten gearbeitet haben und ist eine einmalige KI-Koryphäe.

Man hilft sich, wo man kann, sei es mit Intros zu Corporates, potenziellen anderen Co-Foundern und Netzwerken oder einfach mit dem Tipp zu einem guten Tool. Für uns ist die Hilfsbereitschaft untereinander sehr besonders.

Gökhan Akkamis, Co-Founder Juracus

Was war für Euer Startup bisher die größte Herausforderung wie seid Ihr sie angegangen?

Ganz am Anfang haben wir uns sehr sehr viel Zeit genommen mit potenziellen Kunden zu sprechen. Nach 4.000 Vor-Ort-Terminen in 9 von 10 Fällen „Ich habe keinen Nutzen dafür“ zu hören, war sehr entmutigend, hat jedoch vor allem unseren Kundenfokus und unsere Buying Persona extrem geschärft.

Was macht für Dich das Startuplife besonders aus?

Die Start-Up Welt ist wirklich klein und wir haben selbst Start-Ups aus Rheinland-Pfalz schon sehr oft in anderen Ecken Deutschlands wieder treffen können. 

Man hilft sich, wo man kann, sei es mit Intros zu Corporates, potenziellen anderen Co-Foundern und Netzwerken oder einfach mit dem Tipp zu einem guten Tool. Für uns ist die Hilfsbereitschaft untereinander sehr besonders.

Wo steht Ihr gerade, welche Erfolge habt Ihr schon gefeiert und was steht als nächstes an? 

Aktuell sind wir dabei, unsere Warteliste an Kunden und Interessenten mit der neuesten Version von Juracus zu beliefern. 

Den 150. Nutzer konnten wir dieses Jahr schon feiern, 2020 haben wir uns das Ziel gesetzt 2.000 zahlende Nutzer mit der neuen KI-Version von Juracus unterstützen zu können.

Geschrieben von
Carmen Radeck

Carmen ist Journalistin, Autorin und leidenschaftliche Aktivistin für die Gründerszene im Pott. Seit 2014 betreibt sie das Startup-Portal RuhrGründer.de und ist Mitgründerin von Events wie RuhrSummit, Fuckup Nights Ruhrgebiet und Female Founders Ruhr.

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