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Gründerwoche in Essen: Über das Scheitern und Gründen im mittleren Alter

Das Orgateam der beiden Events in Essen zur Gründerwoche: (v.l.n.r.) Oliver Janscheidt (IHK zu Essen), Horst Buschmann, Clemens van der Giet (beide UP!businessbrunch), Christian Dasbach (Fuckup Night Ruhrgebiet), Andreas Kaminski (ETEC). (Foto: Carmen Radeck)

Das Orgateam der beiden Events in Essen zur Gründerwoche: (v.l.n.r.) Oliver Janscheidt (IHK zu Essen), Horst Buschmann, Clemens van der Giet (beide UP!businessbrunch), Christian Dasbach (Fuckup Night Ruhrgebiet), Andreas Kaminski (ETEC). (Foto: Carmen Radeck)

Gründerwoche in Essen: Zwei Events über das Scheitern und das Gründen im mittleren Alter

Auch in Essen gibt es anlässlich der Gründerwoche Deutschland zwei Veranstaltungen rund um das Thema Selbstständigkeit. Für die Organisation haben sich dazu das Essener Technologie- und Entwicklungs-Centrum (ETEC), die IHK zu Essen und das
Unperfekthaus/UP Businessbrunch zusammengetan. Im Mittelpunkt der beiden Events stehen die Themen „Scheitern als Chance“ und „Gründen im mittleren Alter“.

Mitorganisator Horst Buschmann vom UP!businessbrunch erzählt im Interview, was Euch bei den beiden Events erwartet, und warum sich Essen in Sachen Gründungskultur so schwer tut.

Hallo Horst, ihr vom UP!businessbrunch/ Unperfekthaus startet zusammen mit dem ETEC und der IHK Essen zwei Veranstaltungen während der Gründerwoche. Worum geht’s bei den beiden Events?

Beide Events sprechen aktuelle Trendthemen der Gründerszene an. Das Phänomen „FuckUp Night“ haben viele, besonders in der Generation Ü30, noch nicht ganz verstanden, schon gar nicht als Thema. Das spricht nämlich etwas an, was bei uns Deutschen ein ganz heikles Problem darstellt: Scheitern gilt bei uns als Makel.

Das ist Unsinn, denn Scheitern ist die Grundlage für späteren Erfolg. Insofern wollen wir sowohl das Phänomen „FuckUp Night“ als auch den Punkt „Scheitern“ thematisieren. Ich freue mich riesig, dass Christian Dasbach als „FuckUp Night Ruhrgebiet“-Moderator zugesagt hat. Er ist ein idealer Vermittler für dieses Format. Und auch die Themen der Impulsvorträge versprechen Spaß, aber auch konkrete Information, beispielsweise zu Rechtsfolgen von Pleiten – und wie man gelassen mit ihnen umgehen kann.

Das zweite Event spricht einen Punkt an, der begonnen hat, auch in der Gründerszene an Bedeutung zu gewinnen: Gründer im mittleren und älteren Erwachsenenalter. Meist denkt man bei Begriffen wie Gründung und Startup an die obligatorischen jungen Hipster. Weit gefehlt: Das ist ein Teil der Gründertypologie. Und im Zuge des demographischen Wandels wird die Altersklasse Ü40 beim Gründen deutlich zulegen. Wir haben mit Frau Dr. Sanchez vom RKW übrigens eine wirkliche Kapazität zum Thema gewinnen können. Pitches und Interviews von und mit Gründern dieser Altersklasse runden dieses Event ab.

Warum habt Ihr Euch genau für diese beiden Themen entschieden?

Wie gerade schon gesagt: Es sind Trendthemen. Aber darüber hinaus eben auch Themen, die zur Zukunft des Gründerökosystems gehören. Für beide Themen gilt: Es gibt Aufklärungs- und Sensibilisierungsbedarf. Speziell beim Thema „Scheitern“ tun wir uns Deutschland viel zu schwer, gehen viel zu ängstlich damit um. Dabei gehört es, was ich aus wirtschaftspsychologischer Sicht auch beleuchten werde, zum Normalfall.

Der richtige Umgang mit Risiken ist etwas, was Gelassenheit und Kalkulation braucht. Übrigens: Hätten wir im Januar, bei der Planung der Events, schon die Flüchtlingsthematik absehen können, hätten wir dieses Thema ganz sicherlich auch aufgegriffen. Das ist dann vielleicht auch schon ein Themenauftrag für das kommende Jahr.

Wie kam die Zusammenarbeit mit ETEC und IHK zustande?

In den letzten zwei, knapp drei Jahren haben wir im UPH intensiv daran gearbeitet, Gründern und StartUppern eine sinnvolle, konkrete Netzwerkplattform zu bieten. Beim UP!businessbrunch geht es ja darum, ungestört von Akquise-Beratern unter sich zu sein, sich zu vernetzen, Anstöße und Ideen für das eigene Business mitzunehmen.

Diese Vernetzung hat funktioniert, wir gehen mit dem Format jetzt in das dritte Jahr. Insofern war es meines Erachtens ein logischer Schritt, neben dem Vernetzen der Startup-Gemeinde in Essen nun die institutionelle Vernetzung in Angriff zu nehmen. Essen tut sich dabei unheimlich schwer, da wollen wir einen Anstoß geben.

Für Gründer ist es immens wichtig, konkrete Anlaufstellen zu haben, wo sie für sie nützliche, wichtige Informationen und Kontakte erhalten. Die Stadt macht da überhaupt kein Angebot, wir füllen mit diesem Ansatz also eine große Lücke. Ich freue mich nicht nur darüber, dass diese Zusammenarbeit seit Anfang diesen Jahres konkret geworden ist – sondern vor allem, mit welchem Herzblut und Einsatz alle Beteiligten aus den drei Institutionen ans Werk gehen!

In Essen ist in Sachen Gründung derzeit ja noch nicht so extrem viel los, während sich in Dortmund und Bochum beispielsweise doch schon sowas wie eine Gründerszene entwickelt hat. Woran liegt das Deiner Meinung nach?

Da sprichst Du einen wichtigen Punkt an!

Fangen wir mit der guten Nachricht an: Wir im Umfeld des Unperfekthaus haben die fast luxuriöse Situation, dort ein hochgradig gründeraffines und kreatives Milieu anzutreffen. Nicht nur das Haus an sich, sondern auch das umgebende Kreativviertel ist ein echter Hotspot für Gründer und Startupper, ein waschechtes Angebot an die Szene. Und insofern ist es auch kein Wunder, dass es uns genau dort gelungen ist, Essens einzigen wirklichen Netzwerkplatz zu etablieren.

Nun zur schlechten Nachricht: Für das restliche Essen sieht es tatsächlich ziemlich düster aus. Die Stadt hat das Thema traditionell überhaupt nicht auf dem Schirm, macht interessierten Gründern überhaupt kein Angebot. Man hält viel auf Tradition, trällert das „Steigerlied“ und freut sich am Ende des Tages, gelobte Einkaufsstadt zu sein: „Viel Z wie Zeche, wenig Z wie Zukunft“, habe ich das mal plakativ zusammengefasst. Man muss beobachten, wie sich das unter dem neugewählten OB entwickelt, der sich ja im Wahlkampf für das Thema stark gemacht hat. Mal sehen, ob er tatsächlich für das Thema „brennt“, oder, wie seine Vorgänger, nur ein bisschen qualmt …

Grosso modo haben wir ein markantes Ost-West-Gefälle im Ruhrgebiet: Städte wie Dortmund und Bochum haben es verstanden, Städte wie Essen eben noch nicht. Insofern ist das hier noch gewissermaßen Pionierarbeit.

Da die Zahlen und Entwicklungen der Wirtschafts- und Gründerstandorte im östlichen Ruhrgebiet gut und vielversprechend sind, bin ich optimistisch, dass auch Essen da irgendwann zünden wird. Wir haben hier durchaus Alleinstellungsmerkmale, mit denen es zu punkten gilt. Und so lange die Wirtschaftsförderung und Lokalpolitik schläft, gibt es ja uns.

Wir werden den Weg der Vernetzung mit dem umliegenden Städten konsequent ausbauen. Das hilft unseren Gründern hier, in der Region Fuß zu fassen.


Infos zu den Events findet Ihr hier:

17. November, 18 bis 21 Uhr:

Vom FuckUp zum StartUp – wer nicht scheitert, der nicht gewinnt!

18. November, 15 bis 17 Uhr:

Gründen im mittleren Alter – Erfahrungen als Wettbewerbsvorteil

 

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