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Duisburger Sozialunternehmer bringt mobile Tonstudios in Schulen

REC-Mobil-Gründer Fabian Beeren bei der Arbeit. (Foto: Okba Hazeem)

REC-Mobil-Gründer Fabian Beeren bei der Arbeit. (Foto: Okba Hazeem)

REC-Mobil: Erfolgreiches Lernen kann auch anders Funktionieren

Von REC-Mobil hörte ich zum ersten Mal, als Gründer Fabian Beeren mit seiner Idee, mit seinem mobilen Tonstudio in Schulen zu gehen, 2015 den Duisburger Gründerwettbewerb GRIID gewann. Kennengelernt haben wir uns dann beim AndersGründer-Pitch in Duisburg. Dort gehört der Sozialunternehmer zu den ersten Teams, die ins Social Impact Lab einzogen. Im Interview spricht er über seine Idee, über Zweifel und Durchhaltevermögen.

Hallo Fabian, worum geht es bei REC-Mobil, was ist die Geschäftsidee?

REC-Mobil will sich gegen den Druck innerhalb des Bildungssystems stellen und Kindern und Jugendlichen zeigen, dass erfolgreiches Lernen auch anders funktioniert.

Wir bieten daher einwöchige Intensiv-Workshops an, in denen wir bis zu 15 Jugendlichen die Chance geben, eigene Songs zu kreieren und dazu eigene Texte zu verfassen. Während dieser Zeit wird vor Ort ein mobiles Tonstudio installiert, das die Teilnehmenden nutzen können.

Die Workshops sind in einen didaktischen und einen kreativen Baustein gegliedert und enthalten zahlreiche Methoden und Techniken, die auch außerhalb der Projekte angewendet werden können.

Unser Angebot soll motivieren und den Kindern und Jugendlichen zeigen, was sie für Fähigkeiten besitzen, auch wenn sie das Gefühl haben, nicht in den Schulalltag zu passen oder dort schlechte Leistungen erzielen.

Am Ende jedes Prozesses, den wir anstoßen, steht ein Produkt. Jeder Workshop wird daher mit eigenen Songs, eigenen CDs samt selbst gestaltetem Cover, einer Präsentation und einem Video abgeschlossen.

Unsere Projekte sind freiwillig, ohne Druck oder Zwang und wir arbeiten dabei völlig sanktionsfrei. Die Kreativität unserer Teilnehmenden steht absolut im Mittelpunkt, stilistische Grenzen gibt es nicht und das ist uns sehr wichtig.

(Foto: Okba Hazeem)

(Foto: Okba Hazeem)

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Die Idee ist zusammen mit einem ehemaligen Teamkollegen entstanden, der solche Projekte mit wechselnden Musikern bereits einige Male in Mülheim durchgeführt hatte. Wir haben dann einige Workshops zusammen abgehalten und während meiner Teilnahme am Duisburger GRIID-sbm-Gründerseminar brauchte ich noch ein Thema für den abzugebenden Businessplan. Zu diesem Zeitpunkt kam mir die Idee zum Konzept von REC-Mobil.

Glücklicherweise konnte ich mit dem Businessplan dazu den ersten Platz gewinnen, was uns einen deutlichen Schub nach vorne verpasste.

Was ist das Geschäftsmodell dahinter und wer ist Eure Zielgruppe?

Unsere erste Zielgruppe, die Kinder und Jugendlichen, sind meist nicht in der Lage, uns für unsere Leistungen direkt zu bezahlen.

Das Geschäftsmodell von REC-Mobil ist daher zunächst klassisch für den sozialunternehmerischen Sektor:

Pro Workshop werden wir entweder durch Stiftungen gefördert oder die Institutionen, mit denen wir kooperieren, bezahlen uns direkt.

Des weiteren suchen wir uns allerdings für unsere Videos Sponsoren, wodurch wir flexibler in der Finanzierung nachfolgender Workshops sind.

Wer gehört zum Team und wie habt Ihr Euch gefunden?

Zu unserem Team gehören:

  • ich, Fabian Beeren (Geschäftsführer, kreativer Baustein)
  • André Schmale (Projektleitung, Methoden und Evaluation, Personal)
  • Lena Wiewell (Projektleitung, Planung)
  • Ergün Malci (Administrator, Datenschutz, Programmierer)
  • Ilja Kagan (Kamera)
  • Okba Hazeem (Kamera)

André und ich kennen uns schon fast 10 Jahre und haben lange Zeit gemeinsam in Bands gespielt. Zudem verfügt er über sehr viel Erfahrung in der prozessbegleitenden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

André und Ergün sind beide „Dialog macht Schule“-Veteranen, die mehrere Jahre bei diesem bekannten Sozialunternehmen mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet haben; diese Erfahrungen finden bei REC-mobil nun ihren Platz.

Lena arbeitet von Beginn an beim ebenfalls sehr bekannten und prämierten Sozialunternehmen „Tausche Bildung für Wohnen e.V.“ In Duisburg-marxloh und hat ebenfalls langjährige Erfahrungen in intensiver Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. 
 
Zusammen bilden wir ein großartiges Team mit viel Spaß und Herzblut, arbeiten aber auch sehr effizient. In unseren Workshops werden die Gruppen immer von einem Tandem begleitet, während ich mich im Hintergrund um die Songs kümmere.

Wie finanziert Ihr Euch? Sucht Ihr nach Investoren?

Wir suchen nicht nach Investoren, sondern nach CSR-interessierten Sponsoren, die sich an der Erstellung unserer Videos finanziell beteiligen; natürlich namentlich erwähnt.

Wie macht Ihr Euer Projekt bekannt machen, was ist Eure Marketing-Strategie?

Unsere Strategie funktioniert zweigleisig: Einerseits sind unsere Teilnehmenden unsere besten Multiplikatoren. Die teilen ihre Songs und Videos auf ihren Handys und reden über uns.

Andererseits stellen wir jedes Video ins Internet und vernetzen uns mit größeren Kooperationspartnern. Das hat bislang recht gut funktioniert.

Worin seht Ihr die größte Herausforderung für Euer Unternehmen und wie geht Ihr damit um?

Die größte Herausforderung unseres Jobs ist, unsere Qualität stetig zu verbessern und unser Angebot für die Kinder und Jugendlichen so effizient, spaßig und nachhaltig wie irgendwie möglich zu gestalten.

Nach jedem erfolgreichen Workshop gehen wir daher in Klausur und besprechen jedes Detail, werten unsere Evaluationen aus und diskutieren, wie wir entstandene Fehler vermeiden.

In den Workshops erzielen wir eine derartige emotionale Intensität und Verbindung mit unseren Ladies und Dudes, dass ein Abschied schon sehr schmerzen kann. Das ist aber Teil unseres Jobs, den wir alle lieben.

Eine weitere Herausforderung ist, uns von anderen musikalischen Jugendprojekten abzusetzen. Ein großer Teil unseres Konzeptes funktioniert mit und durch Musik, aber letztendlich besteht unser Job zu 3/4 aus sozialer Arbeit mit dem Ziel, sich respektierende, funktionierende Gruppen zu formen und individuelle Stärken herauszuarbeiten.

Die Musik ist ein Vehikel für diese Ziele. Das ist nach außen nicht immer direkt ersichtlich, weswegen wir auch an unserer Marketingstrategie einige Male deutliche Justierungen vornehmen mussten. Auch dieser Prozess ist nicht abgeschlossen.

Meine persönlich größte Herausforderung ist, mich nicht von der „Front“ hinter einen Schreibtisch zu verlagern. Das Logistische, Konzeptionelle ist unglaublich wichtig, aber ich kann mich nicht in einer klassischen Chefrolle wiederfinden, sondern muss dafür arbeiten, aktiver Part der Workshops zu bleiben.

(Foto: Okba Hazeem)

(Foto: Okba Hazeem)

Wo steht Ihr gerade und was sind Eure nächsten Meilensteine, die Ihr erreichen wollt?

Wir haben 2016 alles abgeräumt, was möglich war, viele Verbindungen geknüpft, viele Workshops abgehalten und dabei unglaublich viel gelernt – fachlich, persönlich und als Team.

In diesem Jahr werden wir keine Workshops mehr abhalten, dafür wird unter dem Radar einiges geschehen, sodass wir für 2017 bestmöglich aufgestellt sind.

Zudem ist REC-Mobil als Stipendiaten-Team in das „Andersgründer“-Programm vom Social Impact Lab aufgenommen worden, sodass unser derzeitiger Hauptsitz im schönen Duisburger Social Impact Lab in Ruhrort liegt.

Die Dynamik, Hilfsbereitschaft und Kreativität im Lab ist groß und hilft bei großen wie kleinen Problemen und Entscheidungen.

Das nächste Jahr wird für uns wohl das bisher umfangreichste: Unser Team wird vergrößert und ausgebildet und der Operationsradius wird sich über das Ruhrgebiet hinaus vergrößern.

Es stehen jetzt schon bis zu 16 Workshops für 2017 in Aussicht, wie viele es am Ende werden, hängt von den nun anstehenden Verhandlungen ab. In jedem Falle werden wir bei Entscheidungen frei und flexibel bleiben.

Es gibt generell unendlich viele Dinge, die wir gerne ausprobieren, erleben oder Herausforderungen, denen wir uns stellen möchten. Es bleibt spannend!

Was ist bisher Eure wichtigste Erfahrung, die Ihr in der Gründungsphase gemacht habt?

Als ich mich zur Gründung von REC-Mobil entschlossen hatte, musste ich alles auf eine Karte setzen; in einer finanziell für mich sehr anstrengenden Situation – ich war einfach arm und wusste einige Male nicht, wie ich meine nächste Miete bezahlen sollte.

Ich habe aber nicht aufgegeben, an meinen Plan zu glauben, diesen stetig weiter verfeinert und nicht aufgehört, mich zu bewegen.

Die wichtigste Erfahrung des Gründungsprozesses ist – im Nachhinein – die Erkenntnis, nicht aufs falsche Pferd gesetzt zu haben und sich über seine eigenen Zweifel hinweg gesetzt zu haben.

Mein damaliger Kollege konnte und wollte sich nicht im gleichen Ausmaß einbringen, sodass ich die Gründung schließlich alleine durchgezogen habe. Auch das hat mich nachhaltig geprägt; in dieser Phase habe ich fast stündlich Neues gelernt, denn als Sozialwissenschaftler und Germanist, war ich in Fragen der Buchhaltung, der Gründung und Ausgestaltung eines Unternehmens häufig völlig überfragt.

Wie kann man am besten Kontakt zu Euch aufnehmen?

Am besten über unsere Homepage und per Mail.
Alternativ sind wir auch auf Facebook auffindbar.

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