Gründer und Startups

„Der Hans“ – Dortmunder startet Hofladen für Großstädter als Popup Store

Hofladen Der Hans - Julian Hans hinter der Ladentheke

Gründer Julian Hans hinter Ladentheke seines Dortmunder Ladens „Der Hans“. (Foto: Carmen Radeck)

Storytelling und Multichannel: „Der Hans“ als Hofladen 2.0

Es ist gut zwei Monate her, dass wir uns zum ersten Mal zum Gespräch trafen, „der Hans“ und ich. Zu der Zeit war Julian (so heißt der Hans mit Vornamen) etwas nervös, weil der Launch seines kleinen Startups kurz bevor stand. Ein paar Tage vorher erst hatte er seinen letzten Arbeitstag in der Kommunikationsabteilung eines großen Essener Konzerns absolviert.

Kontrastprogramm zum bisherigen Berufsleben

Beim Hans gibt's auch Hochprozentiges: von einer Werner Kornbrennerei. (Foto: Carmen Radeck)

Beim Hans gibt’s auch Hochprozentiges: von einer Werner Kornbrennerei. (Foto: Carmen Radeck)

Seit dem 1. April nun erlebt der 30-Jährige das Kontrastprogramm zu seinem bisherigen Berufsleben. Da eröffnete er nämlich sein eigenes Business mitten im hippen Dortmunder Kaiserstraßenviertel. Ein Hofladen für Großstadtmenschen sozusagen, der so heißt wie er der Inhaber selbst: „Der Hans“. Neben frischem Obst, Gemüse und Milchprodukten von Bauern aus der Region bietet der Dortmunder Gründer auch Gewürze, Schokolade, Süßigkeiten, Tee, Kaffee, Bier und Korn an – keine Massenware, sondern Produkte von jungen Unternehmen und Startups, wie zum Beispiel der Dortmunder Kaffeerösterei Neues Schwarz.

Transparenz und Storytelling als Konzept: Jeder Apfel hat eine Geschichte

Um sich von den Supermärkten um ihn herum abzugrenzen, setzt Julian mit seinem Konzept nicht nur auf eine liebevolle Einrichtung – das Obst hängt bei ihm an einem „Baumregal“, das Gemüse liegt in Blumenkästen, die ganz rustikal an Leitern befestigt sind -, sondern vor allem auf Transparenz: „In meinem Laden hat jedes Produkt eine Geschichte“, sagt Julian Hans. Heißt ganz konkret: „Wenn ein Kunde bei mir Äpfel kauft, kann ich ihm beim Kassieren mit dem iPad Kassensystem auch gleich den Baum zeigen, an dem er gewachsen ist.“

Storytelling also als wichtiger Teil des Marketingkonzepts.

Das kommt nicht von ungefähr. Was man mit Sprache und Kommunikation alles machen und erreichen kann, hat Julian schon seit seiner Ausbildung als Hotelfachmann im Hilton fasziniert. Noch intensiver ist er dann mit seinem Sprachwissenschaftsstudium und einem Praktikum bei der renommierten Werbeagentur Jung von Matt in die Materie eingetaucht.

Herausforderungen, mit denen er sich dabei am liebsten beschäftigt hat: aus banalen Dingen wie zum Beispiel einer Kartoffel mit Hilfe von Storytelling ein cooles Produkt zu schaffen. So entstand auch langsam die Idee, das Konzept des Hofladens wie man ihn vom Bauern kennt, auf einen neuen Level zu bringen und auch für die jüngere Generation interessant zu machen.

Warum gerade der Hofladen?

Na, weil Julian auf dem Land aufgewachsen ist. Ja, auch der Hans hat eine Geschichte und die ist ganz eng mit seinem Startup verbunden.

Geschäftsidee in die Wiege gelegt

„Der Grundstein für die Idee, meinen eigenen Lebensmittelladen zu eröffnen wurde gelegt als ich fünf war und einen Entsafter zu Weihnachten geschenkt bekam“. Das „Beweisfoto“ dazu kann man sich übrigens im Laden anschauen. Geboren und aufgewachsen ist Julian im Münsterland ganz klassisch mit Gemüsegarten und Obstbäumen. Opa brannte Schnaps, die Milch holten Julian und sein Bruder mit der Kanne vom Bauern nebenan.

Als er nach dem Abitur dann für Ausbildung und Studium in die Großstadt zog, vermisste er vor allem den Geschmack aus seiner Kindheit. „Den Geschmack einer frischen Tomate aus dem eigenen Garten, so was findet man nicht so einfach“, sagt Julian und ist stolz und glücklich, diesen Geschmack nun in seinem eigenen Laden zu präsentieren zu können. Auch ein Entsafter kommt wieder zum Einsatz: Jeden Morgen werden damit Smoothies hergestellt für das gesunde Frühstück zum Mitnehmen, „den Hans to go“.

Lieferantennetz von Höfen aus der Region

Mit diesem Konzept konnte er schnell die jüngere Bauerngeneration für sich gewinnen. Für die frischen Lebensmittel hat sich Julian ein kleines Lieferantennetz aufgebaut mit Höfen aus Dortmund, Waltrop, Fröndenberg und Werne, die vor allem von jungen Bauern betrieben werden. Die standen seinem Konzept sofort aufgeschlossen gegenüber. „Gerade die jüngere Generation hat erkannt, dass ein Schild zum eigenen Hofladen nicht mehr ausreicht und sucht nach neuen Absatzkanälen“, sagt Julian Hans.

Multichannel: „Der Hans“ als stationärer Laden und Onlineshop

Julian hat seinen Laden zunächst als Popup Store in der Kaiserstr. 75 in Dortmund gestartet. (Foto: Carmen Radeck)

Julian hat seinen Laden zunächst als Popup Store in der Kaiserstr. 75 in Dortmund gestartet. (Foto: Carmen Radeck)

Von diesen Höfen holt „der Hans“ nun mehrmals wöchentlich die frischen Lebensmittel ab, um sie tagesaktuell nicht nur in seinem Ladenlokal in der Kaiserstraße 75 anzubieten, sondern sie auch mit Fotos und der dazugehörigen Geschichte in seinem Onlineshop samt den dazugehörigen Social Media Kanälen zu präsentieren. Multichannel lautet hier die Devise. Wer es während der Öffnungszeiten nicht in den Laden schafft, kann demnächst auch online bestellen und sich vom Lieferservice „Hans bringt Glück“ die Waren ins Büro oder nach Hause liefern lassen – allerdings nur innerhalb der Dortmunder Stadtgrenzen.

An die eigene Idee geglaubt – trotz Gegenwind

Dass es „den Hans“ gibt, hat viel damit zu tun, dass Julian selbst an seine Idee geglaubt hat – trotz heftigen Gegenwinds und Ablehnung von Beratern und Banken. Doch Rückenwind gab’s eben auch. Nicht nur von Family & Friends, vor allem auch von seiner wichtigsten Zielgruppe, den jungen Städtern, die gern frisches Obst und Gemüse vom Bauern nebenan kaufen möchten, ohne zum Bauern fahren zu müssen.

Denn schon im frühen Stadium seiner Konzeptentwicklung sprach Julian offen und mit möglichst vielen Leuten über seine Idee – etwas, was er auch anderen Gründern empfiehlt.

Als Popup Store gestartet

Ob sein Konzept aufgeht, vor allem jungen Großstädtern frische, regionale Lebensmittel schmackhaft zu machen, das wollte Julian erst mal ohne das Risiko einer hohen und langfristigen Ladenmiete ausprobieren und startet die ersten vier Monate zunächst als Popup Store. Inzwischen sucht er aber schon nach einem festen Laden, denn die ersten zwei Monate liefen für Julian richtig gut.

„Der Hans“ als Franchise-System?

Wenn es weiterhin so gut läuft, hat Julian natürlich auch schon langfristige Pläne. Dann will „der Hans“ nicht nur auf Dortmund und Umgebung beschränkt sein, sondern sein Geschäftskonzept als Franchisesystem ausbauen. Aber das ist noch Zukunftsmusik.


 

Der Hans im Web

Der Hans auf Facebook

Der Hans in Dortmund: Kaiserstr. 77, Dortmund

Hinterlasse einen Kommentar

Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklärst du dich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Mehr erfahren

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close