Gründer und Startups

Book A Style: Curated Shopping für das Modehaus vor Ort

Jan Philip Schreiber Book A Style

Jan Philip Schreiber, Co-Founder des Essener Startups Book A Style (Foto: Book A Style)

Curated Shopping – Book A Style Gründer Jan Philip Schreiber im Interview

Von Carmen Radeck

Haben lokale Modehäuser das „betreute Einkaufen“ nicht viel besser drauf als Curated Shopping Dienste wie Outfittery oder Zalandos „Zalon“? Adam Mildner und Jan Philip Schreiber meinen „Ja“. Mit ihrem Startup Book A Style will das Essener Gründerteam das Curated Shopping Erlebnis in die Modehäuser bringen und damit den stationären Handel stärken. Wie das funktioniert und welche Erfahrungen sie bisher gemacht haben, darüber spricht Co-Founder Jan im Interview.

Hallo Jan, worum geht’s bei Eurem Startup und was ist Eure Geschäftsidee?

Mit Book A Style bringen wir Curated Shopping für Männer in die Modehäuser vor Ort. Als bislang einziger SaaS-Anbieter weltweit liefern wir den Modeeinzelhändlern dafür eine mobil-optimierte Software, die ohne große technische Voraussetzungen in die bestehende Webseite integriert werden kann.

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Book A Style Profiling in der Kundenansicht am Desktop-Computer (Foto: Book A Style)

Und so funktioniert’s dann: Auf der Webseite des Modehauses beantwortet der Kunde kurze Fragen zu Stil-Vorlieben und Kleidergrößen und vereinbart einen Termin zur entspannten Anprobe und kostenlosen Stilberatung in der gewünschten Filiale. Auf Basis der Angaben können die Verkaufsmitarbeiter die Kunden zum Termin mit passenden Outfit-Vorschlägen begrüßen und bei der Anprobe zu Passform und Kombinationsmöglichkeiten beraten. Männer, die zügig und ohne Fehlgriffe einkaufen möchten, erhalten so ohne Umwege das perfekte Outfit.

Wie ist die Idee zu Book A Style entstanden?

Etwa ein Jahr bevor Zalando seinen Curated-Shopping-Dienst Zalon nach dem Vorbild von Outfittery gestartet hat, haben wir uns gefragt: Haben lokale Modehäuser das „betreute Einkaufen“ nicht sogar noch besser drauf? Immerhin hat man als Kunde hier den Vorteil, dass man die Kleidung ohne Retourestress zuerst einfach mal anprobieren kann, persönlich beraten wird und das Ganze direkt mit nachhause nehmen kann. Das war unser Startschuss für Book A Style: Eine neuartige Service-Lösung, die das Kauferlebnis aus dem Internet in die Fußgängerzone überträgt und den stationären Handel stärkt.

Was waren die ersten Schritte, wie seid Ihr an die Gründung herangegangen?

Wir haben uns zunächst gesagt: Wenn wir es machen, dann richtig. Dabei haben wir schon zu Anfang versucht, jedem sein Spezialgebiet zu überlassen. Adam kümmert sich um die Software-Entwicklung, ich kümmere mich um den Vertrieb, die anderen Team-Mitglieder kümmern sich um PR, Screendesign und Usabilty. Und wir alle sitzen gemeinsam zusammen und besprechen neue Ideen. So kann man sich ganz auf das Wesentliche konzentrieren.

Wie finanziert Ihr Euer Startup in der Startphase?

Wir sind bis heute komplett eigenfinanziert, wodurch wir sehr unabhängig und flexibel sind. Wir haben hier ganz auf die Unterstützung durch „Friends & Family“ gesetzt.

Mit die größte Herausforderung ist ja, bekannt zu werden. Was ist da Eure Marketingstrategie?

Zum einen treten wir mit Modehäusern in ganz Deutschland in Kontakt, um uns persönlich vorzustellen. Zum anderen betreiben wir auch Pressearbeit und sind auf Twitter aktiv. Über einige tolle Berichterstattungen dürfen wir uns bereits freuen, zuletzt zum Beispiel zu unserer Infografik „Herausforderungen und Chancen im stationären Modehandel“. Wir sind gelegentlich auch auf Handelskongressen anzutreffen. Im April haben wir beim 27. ECC Forum in Köln referiert, im Oktober sind wir Teil des Programms beim IRR Jahresforum Smart Retail in Österreich.

Wer gehört zu Eurem Team und was ist Euer persönlicher Background?

Die Gründer sind Adam Mildner und ich, Jan Philip Schreiber. Adam hat langjährige Branchenerfahrung und vorher bereits als Software-Entwickler eine CRM-/Datenbanklösung für Agenturen entwickelt und eingesetzt. Ich selbst habe an der Ruhr-Universität Bochum Wirtschaft studiert, mit Fokus auf Marketing und Informationsmanagement. Dabei habe ich sowohl im stationären Einzelhandel Erfahrungen gesammelt als auch in einer Unternehmensberatung gearbeitet, die sich auf Marketing- und Vertriebsoptimierung spezialisiert hat. Schließlich habe ich mich um die Digitalisierung eines Mode-Einzelhändlers gekümmert und bin dann bei dem Thema geblieben.

Was waren die größten Schwierigkeiten/Herausforderungen, mit denen Ihr bisher zu tun hattet und wie geht Ihr mit solchen Situationen um?

Oberstes Credo bei uns: Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen. Und alles ist lösbar. Man geht als unbekanntes Unternehmen an den Markt und möchte eine Leistung verkaufen, die es bisher so nicht gibt. Das ist nicht immer das leichteste Unterfangen! Hier gilt es, Kompetenz zu vermitteln, dran zu bleiben und auch Misserfolge zu akzeptieren. Das ist am Ende eine natürliche Form einer Markteintrittsbarriere. Jetzt, wo mehr über uns berichtet wird, haben wir diese Herausforderung immer weniger. Wir sind alle sehr motiviert und das hilft, die meisten Situationen zu meistern.

Was sind Eure wichtigsten Learnings als Gründer bisher?

Die erste Idee ist niemals die, mit der man später an den Markt geht. Bis zum Marktstart muss man zulassen, dass sich die Idee verändern darf. Bei uns hat insbesondere der direkte Input aus dem Mode-Einzelhandel zu wichtigen Änderungen geführt. Dass wir diese zugelassen haben, wirkt sich heute positiv auf unsere Vertriebsgespräche aus. Beispiel: Book A Style beinhaltet einen Profilingprozess für den Kunden. Der Inhalt der Abfrage wurde maßgeblich von stationären Modehändlern, mit denen wir gesprochen haben, mitgestaltet.

Habt Ihr Lieblingstools, mit denen Euer Team arbeitet?

Für unser Projektmanagement benutzen wir sehr gerne die intelligenten Cloud-Notizbücher in Evernote und das Tool Producteev. In Evernote lassen sich vor allem neue Ideen schnell einfangen, systematisch darstellen und leichter im Team diskutieren. Producteev bietet uns den Überblick über alle relevanten Deadlines. Last but not least und ganz klassisch: Excel! Hier organisieren wir uns in den verschiedensten Bereichen wie Vertrieb, Finanzen etc.

Wo steht Ihr mit eurem Startup derzeit und was steht hauptsächlich auf der todo-Liste?

Book A Style befindet sich in der finalen Beta-Phase, in der wir mit einem Modehaus als technischen Pilotpartner zusammenarbeiten. Gleichzeitig treiben wir den Vertrieb und die Weiterentwicklung unserer Software voran. Bis Ende des Jahres soll Book A Style in mehreren Modehäusern im Einsatz sein. Eine zügige Expansion in ganz Europa ist unser mittelfristiges Ziel.

Wie seid Ihr vernetzt und was haltet Ihr von der Gründerszene hier im Ruhrgebiet?

In puncto Social Media ist Twitter unserer Meinung nach gut geeignet, um in Kontakt mit Journalisten, Geschäftspartnern oder einfach Gleichgesinnten zu bleiben. Speziell in NRW gibt es glücklicherweise viele interessante Angebote für Gründer, ob Mentortrainings, Förderungsberatungen oder Networking-Events. Erst im Juni haben wir beispielsweise an der Startup Night Zollverein in Essen teilgenommen und neben einem unterhaltsamen Abend vor allem neue Kontakte und wertvolles Feedback mitnehmen können. Wir glauben, wir sind hier in sehr guter Gesellschaft, auch fernab vom Startup-Hotspot Berlin!

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