Finanzierung

Crowdfunding: Interview mit Markus Sauerhammer von Startnext

Markus Sauerhammer von Startnext
Markus Sauerhammer (Foto: Startnext/Kristoffer Schwetje)
Michael Kriegel
Verfasst von Michael Kriegel

Markus Sauerhammer von Startnext über Crowdfunding [Interview]

Startnext, Kickstarter, Indiegogo – diese Plattformen zur Umsetzung und Finanzierung von Projekten sind aus dem Bereich der Startup-Finanzierung nicht mehr wegzudenken. „Crowdfunding“ lautet das Zauberwort, eine Finanzierungsform, bei der die Initiatoren von Projekten versuchen, möglichst viele Interessenten zur Beteiligung an der Umsetzung zu gewinnen.

Das Prinzip ist einfach: Man beschreibt seine Idee möglichst mit einem Video auf einer Crowdfunding-Plattform, legt ein Finanzierungsziel, eine Laufzeit für die Kampagne und Gadgets für die Unterstützer fest. Jeder kann dann das Projekt mit einem beliebigen Betrag auf der Plattform unterstützen. Wird das Finanzierungsziel erreicht, wird das Geld ausgezahlt, ansonsten fließt es an die Unterstützer zurück.

Crowdfunding vs. Crowdinvesting

Man unterscheidet bei dieser „Schwarmfinanzierung“ grob zwischen zwei Richtungen:

  1. Das Reward-Based Crowdfunding ist die klassische Projektfinanzierung, bei der man Gegenleistungen in Form des fertigen Produkts, einer Dienstleistung oder sonstigen Dankeschön festlegt.
  2. Crowdinvesting hingegen bietet die Gelegenheit, sich mit einem Geldbetrag als Mikroinvestor an einem Unternehmen zu beteiligen und dabei eine Rendite zu erwirtschaften. Diesen Anspruch hat man beim Crowdfunding nicht.

Über die Plattformen kann man sich eine eigene Community aufbauen und ein wirkungsvolles Marketing-Tool für sein eigenes Projekt schaffen. Für Gründerinnen und Gründer im Ruhrgebiet ist das eine gute Chance.

Die Sichtbarkeit und der Zusammenhalt in der Region können hier ein Vorteil sein, und es gibt auch schon die erste regionale Plattform für Rhein-Ruhr-Startups: Mit der IDE Chancenkapital sollen Startups aus der Region die Möglichkeit erhalten, Startkapital für die Umsetzung ihrer innovativen, kreativen und/oder nachhaltigen Ideen zu erlangen. Insbesondere wissensbasierte Gründungen aus der Universität Duisburg-Essen sollen hierbei gefördert werden.

Lesetipp: Dieses Ruhrpott-Startup war erfolgreich auf Startnext

Natürlich ist Crowdfunding nicht für jedes Gründungsprojekt die passende Finanzierungsform. Für welche Zielgruppe Crowdfunding das geeignete Instrument ist, wie das Prinzip genau funktioniert und was genau der Unterschied zwischen Crowdfunding und Crowdinvesting ist, dazu haben wir Markus Sauerhammer befragt. Er leitet bei der Crowdfunding-Plattform Startnext den Bereich Kooperationen.

Interview mit Markus Sauerhammer von Startnext

Markus, Du arbeitest mittlerweile seit mehreren Jahren in der Crowdfunding-Szene. Für welche Zielgruppe ist Crowdfunding ein geeignetes Instrument? 

Crowdfunding ist für alle spannend, die Ideen oder Projekte verwirklichen wollen – das heißt zum Beispiel für Unternehmer, Kreative, Sportler, Social Entrepreneurs oder Wissenschaftler. Inzwischen gibt es aber auch mehr und mehr etablierte Institutionen, die Crowdfunding-Kampagnen starten.

Hinzu kommt, dass immer häufiger Stiftungen, Universitäten, Städte, Förderbanken oder andere Multiplikatoren das Instrument nutzen, um Crowdfunding mit ihren Förderinstrumenten zu verbinden und zum Beispiel Wettbewerbe für bestimmte Themen zu starten.

Was macht Crowdfunding für ein Startup-Ökosystem und die Umsetzung von Ideen aus?

Die Grundidee vom Crowdfunding ist, dass viele Menschen gemeinsam eine Idee, ein Projekt oder ein Unternehmen finanzieren. In dem Thema Crowdfunding schlummert das Potenzial für eine neue Gründer- und Innovationskultur.

Während in der analogen Welt der Gründungsprozess noch abgeschottet von der Öffentlichkeit stattfand, schafft die wachsende digitale Vernetzung bei Crowdfunding die Chance, Ideen nicht nur schnell und kostengünstig mit vielen Menschen zu teilen, sondern auch direkt zu finanzieren.

Der Gründungsprozess findet bei Crowdfunding transparent im Netz statt, wodurch wir weitere Menschen zur Umsetzung eigener Ideen inspirieren können.

Wie funktioniert das konkret?

Wer ein Projekt umsetzen möchte, beschreibt dafür seine Idee auf einer Crowdfunding-Plattform, legt ein Finanzierungsziel, eine Laufzeit für die Kampagne und Gegenleistungen für seine Unterstützer fest. Jeder, der möchte, dass die Idee Wirklichkeit wird, kann das Projekt auf der Plattform unterstützen.

Wenn der Starter das Finanzierungsziel erreicht, wird das Geld ausgezahlt – wenn nicht, geht das Geld an die Unterstützer zurück. Crowdfunding zeichnet sich also vor allem dadurch aus, dass jeder die Möglichkeit hat, seine Idee auf einer Plattform vorzustellen, mit der Unterstützung von vielen Menschen zu finanzieren und eine Community aufzubauen.

Neben dem klassischen Crowdfunding hat sich auch das Crowdinvesting etabliert. Kannst Du uns den Unterschied erklären?

Genau genommen unterscheiden wir beim Crowdfunding sogar vier Modelle, die abhängig davon sind, welche Gegenleistungen die Unterstützer bekommen:

Beim klassischen Crowdfunding bekommen die Unterstützer eine Gegenleistung vom Starter, in der Regel das fertige Produkt oder andere ideelle Dankeschön.

Das Crowdinvesting unterscheidet sich davon, indem die Investoren der Kampagne am möglichen Gewinn beteiligt werden. Crowdinvesting ermöglicht es – bei allen Risiken – vielen Menschen, Startups oder Unternehmen in einer frühen Phase zu entdecken und in diese mit kleinen oder großen Beträgen zu investieren. Das heißt, dass damit erstmalig Investoren Zugang zu einer Anlagemöglichkeit bekommen, die früher in erster Linie sehr wohlhabenden Menschen oder institutionellen Investoren vorbehalten war.

Wenn Unterstützer Geld an den Starter verleihen, und dieser das Geld dann verzinst oder unverzinst zurückzahlt, spricht man von Crowdlending.

Schließlich gibt es noch das spendenbasierte Crowdfunding, bei dem Unterstützer höchstens eine Spendenquittung als Gegenleistung erhalten.

Wie können Akteure der Gründungsförderung Crowdfunding als Instrument nutzen?

Wir hängen in Deutschland immer noch bei der Digitalisierung hinterher. Crowdfunding schafft es, die Effizienz einer digital vernetzten Gesellschaft und Wirtschaft auf den Gründungs- und Innovationsprozess zu übertragen.

Wir sollten hier aber nicht nur bestehende Instrumente aus den USA kopieren, sondern im Einklang mit unserer gewachsenen Finanzierungs- und Förderkultur eigene Instrumente entwickeln.

Gerade klassisches Crowdfunding bietet durch die Kombination von Markttest, Finanzierung und Kommunikation ein tolles Instrument für die Gründungsförderung.

Wie interessant ist eine Finanzierung über Crowdfunding für Gründerinnen und Gründer im Ruhrgebiet?

Sieht man sich die Entwicklung in den USA an, kratzen wir heute erst an der Oberfläche von dem, was noch an Potenzial in Crowdfunding schlummert. Man hat neben der Kombination von Finanzierung, Marketing und Markttest vor allem das Potenzial für den Aufbau einer Community, welche die Gründer bei den nächsten Schritten unterstützt.

Im Ruhrgebiet gibt es viel Platz für solche Communities innerhalb einer großen gemeinsamen Klammer und damit auch genügend Potenzial für Storys, durch die Crowdfunding attraktiv wird.

Crowdfunding wird teilweise immer noch als Randthema wahrgenommen, als Finanzierung für diejenigen, die es im klassischen Betrieb nicht schaffen. Aus meiner früheren Tätigkeit als Gründungsberater weiß ich, dass dies ein Trugschluss ist. Es löst die größten Herausforderungen für Gründer und für die Markteinführung neuer Innovationen.

Wenn man so mag, ist es ein Schlüsselbaustein für eine nachfrageorientierte Innovationspolitik. Crowdfunding wird sich in den nächsten Jahren radikal verändern.


Dieser Beitrag erschien zuerst in RuhrGründer – Der Guide für Gründer und Startups im Ruhrgebiet. Das 200 Seiten starke Buch beleuchtet anhand von Gründerstorys die rasante Entwicklung der Startup-Szene im Ruhrgebiet. Eine spannende Lektüre für alle ambitionierten Gründerinnen und Gründer, die ihr Startup im Revier aufbauen wollen.

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Über den Autor

Michael Kriegel

Michael Kriegel

Michael Kriegel ist Gründungsberater, Verleger und Dozent. Als Michael 2009 sein erstes Radtourenbuch veröffentlichte, gründete er kurzerhand einen eigenen Verlag. Der „Verlag Aus dem Pott“ zeichnet sich durch regionale Produkte aus, jährlich erscheint zudem der Gründerkompass. Michael hat das Qualifizierungsprogramm „InnovationsGeist“ an der Ludwig-Maximilians-Universität München, bestehend aus Seminaren, Workshops und einem Gründerwettbewerb, konzipiert und begleitet dort seit 2010 Teams bei der Ideenfindung, Teambildung und Unternehmensgründung. Er ist Dozent für Ideenentwicklung, Geschäftsmodellerstellung und Business Planning. Michael lebt in Dortmund und Rosenheim.

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