Organisation

Arbeiten wie ein Startup: Managementberatung aus Bochum startet eigene Onlineplattform

Geschäftsführerin Kerstin Zulechner und Produktmanager Marvin Schuchert

Geschäftsführerin Kerstin Zulechner und Produktmanager Marvin Schuchert von der Schuchert Managementberatung (Foto: privat)

Eine Onlineplattform entwickeln und an den Markt bringen? Das ist doch normalerweise ein klassisches Startup Geschäftsmodell. Es gibt Ausnahmen. Die Schuchert Managementberatung aus Bochum geht jetzt mit einer eigenen Onlineplattform für Aufgabenmanagement und Projekte an den Start.

Im Interview mit RuhrGründer berichten Geschäftsführerin Kerstin Zulechner und Produktmanager Marvin Schuchert, wie ähnlich die Herausforderungen von StartUps und etablierten Unternehmen sind, wenn es darum geht, sich im Team zu organisieren – und was klassische Unternehmen von StartUps lernen können.

Hallo Kerstin, hallo Marvin, Ihr launcht mit factro gerade Eure erste SaaS-Lösung (Software as a Service). Dabei seid ihr eigentlich eine Managementberatung. Wie ist die Idee entstanden, eine Onlineplattform zu entwickeln?

Kerstin Zulechner: Ja, wir sind eine Managementberatung und begleiten vor allem mittelständische Unternehmen in der Region, meist zu Zukunftsthemen wie „Wie sollte unsere Produktwelt in fünf Jahren aussehen?“ oder „Wie können wir den Vertrieb optimieren?“.

Und da haben wir über die Jahre immer wieder dieselbe Erfahrung gemacht: Wenn es an die Umsetzung der Vorhaben geht, ist es für viele Kunden schwer, alle beteiligten Mitarbeiter an Bord zu holen, den Fokus auf den wichtigen Projekten neben dem Tagesgeschäft zu halten und die Zusammenarbeit im Team zu organisieren.

Deshalb haben wir schon früh eine Softwarelösung konzipiert, die bei mittelständischen Kunden im Einsatz ist. Sie unterstützt die Durchführung von komplexen Aufgabenstellungen und Projekten und schafft im Unternehmen Transparenz über alle wichtigen Aufgaben, die anstehen.

Jetzt sind wir kurz davor, eine völlig neue Version von factro als Webanwendung (SaaS) zu launchen. Warum? Einmal weil es der Weg der Zukunft ist. Wir wollen den Zugang für alle sehr einfach machen und von überall zu erreichen sein. Und – damit können wir auch eine attraktive Lösung für kleinere Teams anbieten, um ihnen das zusammen arbeiten zu erleichtern.

Wer ist eure Kernzielgruppe?

Marvin Schuchert: Wir konzentrieren uns auf Teams, die schneller, flexibler und zugleich strukturierter miteinander arbeiten möchten. Das sind auf der einen Seite Start-Ups, Agenturen und kleine Teams, aber auch nach wie vor klassische Unternehmen oder Abteilungen.

Wir haben erkannt, dass viele Teams damit kämpfen, den Überblick zu behalten und die wichtigen Dinge zu fokussieren. Damit man vorankommt, ist es überall wichtig, dass alle auch von demselben Ziel und Plan sprechen.

Entwickelt Ihr die Software selbst? Wer gehört alles zu Eurem Team?

Marvin Schuchert: Ja, wir entwickeln die Software selbst. Wir haben ein Entwicklerteam mit Programmierern, Softwaretestern und Usability Experten bei uns im Haus. Die Erfahrung der Berater und das Feedback unserer Kunden fließen natürlich stark in die Gestaltung der Funktionen mit ein. Wir arbeiten da sehr interdisziplinär. Meine Aufgabe als Produktmanager ist es, dann alle Fäden zusammen zu führen, zu übersetzen und mit den Entwicklern die Prioritäten für die nächsten Entwicklungsschritte abzustimmen.

Wie inspiriert euch die Startup Szene in eurer Ausrichtung? Was macht ihr ähnlich wie klassische Startps?

Kerstin Zulechner: Wir sehen uns tatsächlich zweigeteilt. Auf der einen Seite sind wir mit unserer Beratung der Old Economy sehr nah. Auf der anderen Seite beschäftigen wir uns auch in der Beratung bei unseren Kunden ja immer mit Zukunftsthemen, wie zum Beispiel Digitalisierung.

Marvin Schuchert: Wenn es um den Launch von factro als Plattform für Taskmanagement und Projekte geht, also eine skalierbare Lösung für kleine, dynamische Teams, sehen wir uns tatsächlich selbst wie ein StartUp. Wir setzen hier natürlich den Schwerpunkt auf Online-Marketing Strategien und Social Media Präsenz.

Auch mit der Art und Weise, schnell von User-Feedback zu lernen und auch mal was auszuprobieren, sind wir – wie ich finde – nah dran an einer StartUp-Denke. Wir haben ein junges Mitarbeiterteam in dem Bereich und arbeiten sehr kreativ – aber immer organisiert und abgestimmt, natürlich mit factro.

Welchen Herausforderungen haben sich Unternehmen in der Digitalisierung zu stellen und was können klassische Unternehmen hier von Startups lernen?

Kerstin Zulechner: Interessante Frage. Es gibt mindestens zwei Bereiche, in denen die Herausforderungen der StartUps ähnlich sind wie die der Old Economy. Das eine ist die Gewinnung und Bindung von zunehmend online agierenden Kunden und der Markenaufbau mit Hilfe von Online-Marketing, Social Media und Mobile Marketing: Das ist ein Bereich, in dem die allermeisten StartUps ab der Gründung bereits aktiv sind, zum Teil baut ihr gesamtes Geschäftsmodell darauf auf.

Da kann die Old Economy sicherlich von den Erfahrungen der Startups lernen, auch wenn die Strategien nicht eins zu eins übernommen werden können. Insbesondere, wenn mittelständische Unternehmen im B2B Bereich unterwegs sind und weniger im klassischen Endkundengeschäft.

Zur digitalen Kompetenz holen sich klassische Unternehmen immer mehr Experten ins eigene Haus – sowohl im Bereich Marketing als auch in der Softwareentwicklung.

Der zweite Bereich, der ähnlich ist, sind die Herausforderungen, die die digitale Zusammenarbeit mit sich bringt: Wie arbeiten wir, auch wenn wir über verschiedene Standorte verteilt sind? Mit virtuellen Teams? Das ist sowohl für StartUps als auch für international agierende Unternehmen relevant.

Die Startups haben hier weniger Berührungsängste mit Cloud-Lösungen, nutzen zum Teil auch Freeware, um zum Beispiel Dokumente auszutauschen oder zu chatten. Da sind die Anforderungen der klassischen Unternehmen an Softwarelösungen, was unter anderem das Thema Datenschutz oder Rechtevergabe angeht, meist viel höher.

Egal mit welchem Tool, hier bleiben die Anforderung für beide Gruppen gleich: Wie lassen sich Themen leicht aufbereiten, strukturieren und im Team verteilen? Wie behalten alle den Überblick? Wo laufen alle Informationen zu einem Thema zusammen?

Welche Schritte erwarten Euch als nächstes?

Marvin Schuchert: Einer der nächsten Schritte für uns ist, den Leistungsumfang von factro noch komfortabler auf mobile Endgeräte zu bringen, das heißt native Apps zu entwickeln.

Ein weiterer wichtiger Step für uns ist die Mehrsprachigkeit. Als erstes wird factro auch auf Englisch verfügbar sein. Das ist natürlich wichtig für die Zusammenarbeit in internationalen Teams und eröffnet uns gleichzeitig die Möglichkeit, unser Tool auch über den deutschsprachigen Markt hinaus zu verbreiten.

Insgesamt sind wir gespannt auf die Reise, die vor uns liegt und freuen uns, wenn wir möglichst vielen Teams helfen können, schneller miteinander erfolgreich zu werden.

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